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Schweizer Wirtschaft verteidigt den Euro-Mindestkurs vehement

Finanz-Schwergewichte forderten am Sonntag, den Euro-Mindestkurs aufzugeben. Tourismus-, Pharma- und Maschinenindustrie halten die Untergrenze von Fr.1.20 dagegen für unverzichtbar. Sie haben kein Verständnis für den Ruf nach einer Aufhebung.

Thomas Schlittler
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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat letzte Woche die Einführung von Negativzinsen bekannt gegeben und dadurch eine Diskussion lanciert, die hierzulande kaum mehr geführt wurde: Ist es gerechtfertigt, dass die SNB den Euro-Mindestkurs von Fr. 1.20 seit über drei Jahren aufrechterhält?

Nein, meint Financier Martin Ebner in der «Schweiz am Sonntag»: «Als das Problem der Euro-Franken-Parität aktuell war, hat die Anknüpfung vielleicht Sinn gemacht. Aber sie dauert nun schon viel zu lange.» Die Abhängigkeit der Schweiz vom Export werde überschätzt und die Aufhebung des Mindestkurses sei unausweichlich, so Ebner.

Ähnlich äussern sich Wirtschaftsprofessor Martin Janssen sowie der ehemalige Top-Banker Oswald Grübel. Selbst Kurt Schiltknecht, Ex-Chefökonom der SNB, regt an, den Mindestkurs von Fr. 1.20 fallen zu lassen. Die Unternehmen hätten sich an die Untergrenze gewöhnt. «Die Belastung für einen grossen Teil der Schweizer Wirtschaft ist nicht mehr gross», sagt Schiltknecht gegenüber Radio SRF.

Valentin Vogt, Präsident Schweizerischer Arbeitgeberverband: «Der Euro-Mindestkurs ist nach wie vor unverzichtbar für die Wirtschaft.»

Valentin Vogt, Präsident Schweizerischer Arbeitgeberverband: «Der Euro-Mindestkurs ist nach wie vor unverzichtbar für die Wirtschaft.»

ZVG

Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands: «Der Euro-Mindestkurs ist nach wie vor unverzichtbar für die Schweizer Wirtschaft.» Eine Aufhebung würde den Schweizer Unternehmen die Planungssicherheit nehmen und Arbeitsplätze gefährden. «Eine Aufhebung des Euro-Mindestkurses kommt für uns erst dann infrage, wenn sich der Aufwertungsdruck des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro deutlich abschwächt», so Vogt.

Grosses Vertrauen in die SNB

Hans Hess, Präsident Swissmem: «Jetzt ist sicher der falsche Moment, um den Mindestkurs aufzuheben.»

Hans Hess, Präsident Swissmem: «Jetzt ist sicher der falsche Moment, um den Mindestkurs aufzuheben.»

© Ben Huggler, Luzern

Angesichts der grossen Unsicherheiten im Ausland wäre es zum jetzigen Zeitpunkt aber fatal, den Franken sich selbst zu überlassen: «Jetzt ist sicher der falsche Moment, um den Mindestkurs aufzuheben.» Und wann wäre der richtige Zeitpunkt? Hess: «Erst, wenn sich die Lage in Europa stabilisiert hat. Die SNB wird den richtigen Zeitpunkt und Modus für einen Ausstieg schon finden.»

Christoph Juen, CEO Hotellerie Suisse: «Bis auf weiteres ist die Euro-Untergrenze für den Tourismus unverzichtbar.»

Christoph Juen, CEO Hotellerie Suisse: «Bis auf weiteres ist die Euro-Untergrenze für den Tourismus unverzichtbar.»

ZVG

«Keine Notwendigkeit, am Mindestkurs zu rütteln»

Thomas B. Cueni, Generalsekretär Interpharma: «Es gibt keine Notwendigkeit, am Euro-Mindestkurs zu rütteln.»

Thomas B. Cueni, Generalsekretär Interpharma: «Es gibt keine Notwendigkeit, am Euro-Mindestkurs zu rütteln.»

ZVG