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Schwere Vorwürfe an Novartis

Der Pharmakonzern soll falsche Aussagen in der Affäre um Ex-Trump-Anwalt Michael Cohen gemacht haben. Die Geschäftsbeziehung zwischen den Parteien soll intensiver gewesen sein als bisher zugegeben.
Andreas Möckli
Michael Cohen, der ehemalige Anwalt von US-Präsident Donald Trump, nach der Hausdurchsuchung durch das FBI. Bild: Yana Paskova/Getty (New York, 13. April 2018)

Michael Cohen, der ehemalige Anwalt von US-Präsident Donald Trump, nach der Hausdurchsuchung durch das FBI. Bild: Yana Paskova/Getty (New York, 13. April 2018)

Novartis hätte den Fall Michael Cohen wohl gerne hinter sich gelassen. Doch nun gerät die Verwicklung zwischen dem Ex-Anwalt von Präsident Donald Trump und dem Basler Unternehmen erneut ins Rampenlicht. Mehrere Senatoren, die den Fall nach dem Bekanntwerden vor gut zwei Monaten genauer untersuchten, erheben in einem Bericht happige Vorwürfe an Novartis.

Auslöser ist eine Zahlung des Pharmakonzerns im Jahr 2017 an Cohen in der Höhe von 1,2 Millionen Dollar. Mit dieser erhoffte sich Novartis, mehr über die gesundheitspolitischen Absichten des damals neu gewählten Trump zu erfahren. Die Firma geriet im Mai massiv unter Druck, als der Vertrag mit Michael Cohen aufflog. Mit dem ehemaligen Konzernchef Joe Jimenez war rasch ein Schuldiger gefunden. Der Amerikaner war es, der den Deal mit Cohen einfädelte, was er später auch eingestand. Es war das Glück der heutigen Führung, dass Jimenez Anfang Jahr die Firma verlassen hat. Einzig Chefjurist Felix Ehrat musste über die Klinge springen. Er und Jimenez hatten den Vertrag damals unterzeichnet. Mit seinem Abgang übernehme er persönlich Verantwortung für diesen Entscheid, so Ehrat. Nun haben vier demokratische Senatoren den Deal zwischen Novartis und Cohen auseinandergenommen. Im 22-seitigen Bericht geraten mehrere Aussagen der Basler unter Beschuss, die der Konzern im Mai in einer schriftlichen Stellungnahme machte. Zwei davon seien falsch, schreiben die Senatoren.

Wiederholter Kontakt statt einmaliges Treffen

So hielt das Unternehmen damals fest, die Zusammenarbeit mit Cohen sei nach einem einmaligen Treffen zwischen dem Anwalt und drei Novartis-Vertretern im März 2017 nicht weitergeführt worden. Jimenez sagt dazu kürzlich, dass seine Leute Cohen persönlich getroffen hätten und dabei klar geworden sei, dass der Ex-Trump-Anwalt seine Fähigkeiten zu teuer verkauft habe. Doch die demokratischen Senatoren können belegen, dass Jimenez auch nach dem März 2017 wiederholt Kontakt mit Cohen gehabt hat. Dies zeigen E-Mails, welche die US-Politiker von Novartis eingefordert haben. Einträge in der Agenda von Jimenez liessen zudem den Schluss zu, dass es auch zu Telefongesprächen gekommen sei. Details zu diesen Anrufen habe Novartis gegenüber den Senatoren nicht gemacht.

Falsch sei zudem die Aussage des Basler Konzerns, das Unternehmen habe den Vertrag mit Cohen vor dessen Ablauf im Februar 2018 nicht ohne grössere Probleme kündigen können. Dies, obwohl der Anwalt seine gemachten Versprechungen nicht einlösen konnte. Der Vertrag mit Cohen hätte durchaus aufgelöst werden können, sind die Senatoren überzeugt. Pikant an diesem Punkt: Dem Ex-Trump-Anwalt gelang es in Verhandlungen mit Novartis, den Vertrag möglichst vage auszugestalten. Statt vier konkreter Beispiele für Beratungsleistungen, die Cohen hätte erbringen sollen, fand sich in der finalen Version nur noch ein generell gehaltener Satz dazu. Als Leser des Berichts gewinnt man den Eindruck, Novartis habe sich von Cohen über den Tisch ziehen lassen. Brisant aus Sicht der Politiker ist auch ein weiterer Punkt. Die Senatoren werfen Novartis vor, über Cohen Einfluss auf die Politik zu den Medikamentenpreisen genommen zu haben. Im Juni 2017 sandte Jimenez einen Sechs-Punkte-Plan an Cohen, mit dem die Gesundheitsausgaben gesenkt, aber die Pharmabranche geschützt werden kann.

Novartis wehrt sich

Cohen deutete in mehreren ­E-Mails an, er werde bald «deren Version» erhalten und diese vertraulich an Jimenez weiterleiten. Auf wen sich Cohen bezog, wird aus den E-Mails nicht klar, doch vermutlich hat er die Trump-Administration gemeint. Novartis stellt den Vorgang im Bericht anders dar. Jimenez sei von Cohen kontaktiert worden. Ein Freund des US-Anwalts habe einige Vorschläge zur Senkung der Medikamentenpreise gesucht, die der Freund mit dem Weissen Haus habe diskutieren wollen. Dies sei der Grund, weshalb Jimenez den Sechs-Punkte-Plan an Cohen gesandt habe. Zwar gestehen die Senatoren ein, dass es sich beim Plan um gewöhnliche politische Vorstösse handle. Dennoch sei es auffällig, dass sich viele der Vorstösse in einem Papier der Regierung Trump wiederfänden. Der Zusammenhang zwischen dem Plan und den Absichten der Administration sei jedoch unklar.

Novartis wehrt sich derweil gegen den Vorwurf, die Öffentlichkeit in die Irre geführt zu haben. Wie die vom Unternehmen zur Verfügung gestellten Dokumente zeigten, habe es nur ein einziges Treffen zwischen Cohen und Novartis gegeben. Und weiter: «Wir haben Herrn Cohen nie gebeten, nach dem 1. März irgendwelche Dienste in unserem Namen zu leisten, noch hat er irgendwelche geleistet.» Gleichzeitig räumt Novartis ein, dass nach dem 1. März eine «zusätzliche Art von Kommunikation» zwischen Cohen und Jimenez stattgefunden hat. Diese sei bei «einer Anzahl Gelegenheiten» aufgenommen worden. Gemeint ist unter anderem der erwähnte Austausch über Gesundheitsausgaben.

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