Detailhandel
Schwierige Standortsuche: Schweiz-Expansion gerät ins Stocken

Vor 5 Jahren eröffnete der erste Lidl in der Schweiz seine Türen. Heute sind es 92 Filialen. Der Discounter will weiter wachsen, doch die Suche nach Standorten wird schwieriger. Experten erwarten ein Abflachen der Expansionswelle.

Sabina Galbiati
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250 Gramm Steinofen-Baguette für 1.39 Franken, ein Liter Ananassaft für 99 Rappen oder 200 Gramm Streichwurst für 1.69 Franken: Mit Tiefstpreisen lockt Lidl seit fünf Jahren Kunden an. Im März 2009 eröffnete der Discounter aus Deutschland die ersten 13 Filialen in der Schweiz. Heute zählt Lidl deren 92. Die jüngste öffnete im Februar in Chur ihre Türen. Zusammen mit dem Discounter Aldi ist Lidl zu einer festen Grösse im Schweizer Detailhandel geworden. Laut einer Untersuchung der Credit Suisse (CS) dürften die beiden Discounter 2013 einen Marktanteil von immerhin fünf Prozent erreicht haben. Der Umsatz von Lidl wird auf 700 Millionen Franken, jener von Aldi auf 1,7 Milliarden Franken geschätzt. Die beiden Discounter schweigen darüber.

Experten schätzen, dass die Expansionswelle vorerst abflachen wird. «Die Detailhändler konkurrieren um einen Kuchen, der nur geringfügig wächst», sagt CS-Ökonom Damian Künzi. Der Schweizer Detailhandel sei gesättigt. «Die Ausgaben pro Haushalt für Lebensmittel wachsen kaum, und der Markt ist stark vom Bevölkerungswachstum abhängig», so Künzi. So kamen bei Lidl im letzten Jahr lediglich drei Filialen dazu, beim direkten Konkurrenten Aldi waren es vier.

Alle setzen auf die gleichen Pferde

Die Konkurrenten machen sich das Leben nicht leicht: Die Lebensmittel-Detailhändler haben sich beim Sortiment und den Preisen stark angenähert. «Coop und Migros gebärden sich mit ihren Tiefpreislinien und Tiefpreisgarantien auf bestimmte Produkte zum Teil wie Discounter», sagt Künzli. «Die Discounter wiederum zeigen mit den Aufbackstationen für Brot, Offengemüse oder im Fall von Denner gar Premium-Linien Züge eines klassischen Supermarktes.»

Kommt hinzu, dass alle Akteure versuchen, bei den Konsumenten mit Swissness zu punkten. Künzli ist überzeugt: Die Händler sollten ihre Stärken mehr herausarbeiten. Diese sehen die Experten für Lidl unter anderem bei der Frischeorientierung, den Markenprodukten oder der Regionalität. Aldi dagegen punktet mit seinem Non-Food-Bereich.

Lidl hält am eingeschlagenen Expansionskurs fest. «Wir wollen in den kommenden Jahren weiter wachsen», sagt Mediensprecherin Nadine Archimowitz. «Unser Expansionsteam wird weiterhin alle Standortvarianten in der ganzen Schweiz prüfen.» Trotz dieser Pläne: Von einer zügigen Expansion und der 100. Filiale sei Lidl noch weit entfernt, schätzen Detailhandelsexperten. Bei Aldi geht das Wachsen munter weiter: Kommende Woche eröffnet der Discounter in der Westschweiz seine 167. und 168. Filiale. «Wir wollen ein regionaler Nahversorger werden und weiter wachsen», heisst es auf Anfrage der «Nordwestschweiz».

Es wird eng bei den Immobilien

Ein Problem dürfte für die Discounter dabei vor allem die Suche nach geeigneten Standorten sein. «Wir stehen einer Situation gegenüber, bei der die eher geringe Anzahl an attraktiven Immobilien für künftige Standorte eine Herausforderung ist», schreibt Aldi. Auf lange Sicht betrachtet haben die beiden Discounter jedoch durchaus Potenzial, zu einer dritten Kraft im Schweizer Detailhandel zu werden, schätzt Ruedi Ergenzinger, Detailhandelsexperte an der Universität Zürich.

Trotz dieser Einschätzung geben sich die grossen Player Migros und Coop selbstbewusst. «Mit 2000 Filialen haben wir mit Abstand das dichteste Verkaufsstellennetz und sind damit näher beim Kunden als jeder andere», sagt Ramon Gander, Mediensprecher bei Coop. Ähnlich der Tenor bei der Migros: «Wir verfolgen ein ganz anderes Geschäftsmodell als die Hard-Discounter; so setzt die Migros auf ein breites Sortiment in allen Preisklassen», heisst es auf Anfrage. Dabei dürfte im Niedrigpreissegment die Kultmarke M-Budget eine gewichtige Rolle spielen. Fazit: Aldi und Lidl haben sich gut entwickelt, doch Migros und Coop bleiben die klaren Marktführer.