Wirtschaftsaussichten
Schwung für die Nordwestschweiz: Wachstum, schwächerer Franken und tiefe Arbeitslosigkeit

Die Wirtschaftsaussichten sind intakt. Das zeigt die jüngste Umfrage der Schweizerischen Nationalbank. Ein anziehendes Wachstum, unterstützt vom sich abschwächenden Franken und eine tiefe Arbeitslosigkeit sind die Vorboten für das kommende Jahr.

Stefan Schuppli
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Noch vor wenigen Monaten haben diverse Institute ihre Prognosen für 2017 zurückgestuft. Dies, weil das Jahr gemäss den offiziellen Inlandprodukt-Zahlen eher schwach begonnen hatte. Doch die jüngste Firmen-Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigt für das kommende Jahr wieder ein deutlich besseres Bild: Das Wachstum ist robust und breit abgestützt, die Aussichten sind gut.

Verschiedene positive Faktoren kommen zusammen: Der Aufschwung ist mehr oder weniger synchron auf allen Weltmärkten, der leicht abgeschwächte Franken verbessert Margen und Wettbewerbsfähigkeit, Firmen haben vielfach ihre Effizienz verbessert und ihre Kosten reduziert.

Besonders gut unterwegs ist die Nordwestschweiz. «Das vierte Quartal war wirklich stark. Allen 30 in der Nordwestschweiz besuchten Firmen lief es besser als im Herbst», erläutert Daniel Hanimann, SNB-Delegierter für Wirtschaftskontakte für die Nordwestschweiz. «Die Margen erreichen die üblichen Niveaus und die Aussichten sind ebenfalls gut. Nur eine einzige Firma erwartet – wegen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative – einen tieferen Umsatz im kommenden Jahr.» Normalerweise hat es immer mehrere darunter, die einen schwächeren Geschäftsgang erwarten.

Interviews der SNB

Hanimann besucht in den Kantonen Aargau, Baselland, Basel-Stadt und im Kanton Solothurn in den Bezirken Thierstein/Dorneck viermal jährlich 30 Unternehmen, insgesamt also 120 unterschiedliche Firmen. Sie bilden in etwa die Wirtschaftsstruktur ab. Er befragt die Firmenleitungen über den aktuellen Geschäftsgang und die Aussichten auf die kommenden sechs Monate. Firmennamen nennt Hanimann keine, die Interviews sind vertraulich.

Auch die BAK Economics ist optimistisch. Sie revidierte kürzlich ihre Schweiz-Prognose für das kommende Jahr von 2,3 auf 2,4 Prozent nach oben. Und die von der KOF/ETH im Dezember befragten Ökonomen erhöhten ihre Wachstumsprognose von 1,7 auf 1,9 Prozent. Das Feld werde nach wie vor die Nordwestschweiz anführen, heisst es auch bei der BAK. Der Grund ist bekannt: Life Sciences und Pharma treiben das Wachstum an.

Licht und Schatten im Aargau

Noch im Herbst prognostizierte die BAK für die Nordwestschweiz ein Wachstum von 3,2 Prozent. Man kann davon ausgehen, dass die Prognose im Januar noch leicht nach oben revidiert wird. Die Region Zürich/Aarau profitiert von der Erholung der Finanzbranche, stellt die BAK in ihrer Herbstprognose fest.

Das Bild trüben gemäss Hanimann einzig zwei Dinge: Noch immer ist die Auslastung in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) im Kanton Aargau tiefer als üblich. Zweitens ist der Detailhandel wegen des sich ausbreitenden Onlinehandels unter Druck. «Dem Detailhandel hilft der konjunkturelle Schwung wenig. Die Probleme sind wegen des neuen Absatzkanals weltweit die gleichen und strukturell bedingt», sagt Hanimann. Dort, wo die Digitalisierung die Geschäftsmodelle verändert, bleiben die Margen unter Druck.

Der Anstieg des Euros in den vergangenen Monaten mildert diesen etwas. Die Läden in Basel-Stadt etwa haben einen relativ starken Weihnachtsverkauf erlebt. Der 23. Dezember war sogar der umsatzstärkste Tag vor Weihnachten seit 20 Jahren, sagte Roger Ritscher, Geschäftsleiter von Globus Basel. Gleichzeitig ist wegen des teureren Euro der Einkaufstourismus am Abflauen.

Der UBS-Konsumsindikator unterstützt diese Aussagen. Im November lag er mit 1,67 über dem langjährigen Schnitt. Der Privatkonsum dürfte aufgrund der positiven Aussichten im kommenden Jahr weiter zunehmen.

Nur sehr zögerlich entwickelt sich der Arbeitsmarkt. Vielerorts sind Restrukturierungen und Kostensenkungsprogramme im Gang. Die Beschäftigung werde im kommenden Jahr nur um 0,3 Prozent wachsen, heisst es bei der BAK. Gemäss SNB sind die Inflationserwartungen im vierten Quartal für die kommenden sechs bis zwölf Monate von 0,5 Prozent auf 0,6 Prozent angestiegen.