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SCHWYZ: Garaventa-CEO Istvan Szalai: «Wir sind keine Steueroptimierer»

Beim Goldauer Seilbahnunternehmen wird auf Kontinuität gesetzt. Der bisherige Stellvertreter Arno Inauen löst Istvan Szalai als CEO ab.
Jürg Auf der Maur
Die steilste Standseilbahn der Welt, die Stoosbahn, wurde von Garaventa erbaut. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Stoos, 15. Dezember 2017))

Die steilste Standseilbahn der Welt, die Stoosbahn, wurde von Garaventa erbaut. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Stoos, 15. Dezember 2017))

Interview: Jürg Auf der Maur

Istvan Szalai, Sie geben Ihre CEO-Aufgabe in jüngere Hände. Wird es Ihnen nicht langweilig?

Mir wird es deshalb sicher nicht langweilig. Ich werde weiterhin im Unternehmen tätig sein, einfach in einer neuen Funktion. Ich werde Aufgaben im Gruppen­management mit Doppelmayr/Garaventa beibehalten, aber auch weiterhin einzelne Projekte leiten. Ich bin für den Kontakt mit der Politik zuständig, und ich werde neu als Verwaltungsratspräsident von Garaventa amten. Nein, langweilig wird es mir nicht.

Dann ist also keine Zeit für Hobbys oder mehr Freizeit in Sicht?

(Lacht.) Ich suche jedenfalls keine Hobbys in der Annahme, es könnte mir sonst langweilig sein. Im Gegenteil. Ich plane, weiterhin voll zu arbeiten, einfach mit anderen Schwerpunkten.

Welche Aufgaben werden Sie denn nach dem 1. April operativ übernehmen?

Es werden Themen und Projekte sein, die ich schon lange betreut habe, die weit fortgeschritten sind und bei denen es deshalb keinen Sinn macht, diese kurzfristig in neue Hände zu geben.

Das heisst konkret?

Es sind intern Aufgaben im Bereich der IT, organisatorische Themen und vor allem auch viele Behördenfragen. Damit habe ich mich bisher sehr intensiv beschäftigt, und ich werde sie auch vorderhand noch betreuen und zum Abschluss führen.

Sie sind erst 59 und haben den Stabwechsel seit längerem geplant. Zufall oder nicht, dass er mit der Eröffnung der neuen Stoosbahn zusammenfällt? Hören Sie, anders gesagt, auf dem Höhepunkt auf?

Nein, überhaupt nicht. Als ich Arno Inauen vor vier Jahren in unser Unternehmen holen konnte, hatte ich bereits zum Ziel, mit ihm einen Nachfolger aufzubauen. Wir haben nun vier Jahre lang die Geschicke des Unternehmens geleitet. Ich als CEO, er als COO. In dieser Zeit konnten wir feststellen, dass wir in die gleiche Richtung ziehen. Er ist jetzt in einem perfekten Alter, um im Unternehmen etwas zu bewegen. Deshalb übergebe ich ihm die Gesamtleitung der Garaventa.

Die Stoosbahn war aber ein Highlight.

Auf jeden Fall. Die Stoosbahn war im letzten Jahr unser regionales Highlight, das ja dann auch weltweit für Furore sorgte. Aber auch in Deutschland hatten wir mit dem Bau der Bahn auf die Zugspitze ein Projekt, das weltweit auf uns aufmerksam machte und als weiteres Highlight bezeichnet werden kann. Dieses Vorhaben hat Arno Inauen geleitet und zum Erfolg gebracht.

Welches waren andere Highlights als CEO?

Wir durften die Stanserhornbahn realisieren oder auch die neue Pilatusbahn. Die Stoosbahn war insofern der letzte Meilenstein in der Zentralschweiz, den wir setzen durften. Die Zentralschweiz hat sich seilbahntechnisch weit nach vorne, in die Zukunft, positioniert und damit im touristischen Bereich Leuchttürme gesetzt. Zu diesen spannenden Vorhaben in der Schweiz kommen aber noch die grossen Vorhaben im Ausland dazu – von Vietnam bis Südamerika. Das alles machte sehr viel Freude.

Das ist ja auch mit Risiken behaftet. Garaventa wartet auf 13 Millionen Franken aus Venezuela. Oder ist das Geld jetzt da?

Nein, wir sind mit unserem Kunden in Venezuela immer noch in Verhandlungen.

In den Achtziger- und den Neunzigerjahren hiess es, schon bald könnten gar keine Bergbahnen mehr gebaut werden, Bahnbauer hätten in der Schweiz keine Zukunft mehr. Jetzt sieht es eher nach einem Boom aus. Hat man sich verschätzt?

Man muss aufpassen. Es ist extrem schwierig, in der Schweiz eine neue Bahn auf einen neuen Berg zu bauen. Was wir jetzt in den letzten Jahren eröffnen konnten, waren Modernisierungen bestehender Bahnen. Schon diese Erneuerungen, siehe Stoos, dauern heute extrem lang. Aktuell könnte da das Projekt in Engelberg erwähnt werden. Da will man eine neue Bahn bauen, wegen notwendiger Bewilligungen ist das Vorhaben jedoch um ein Jahr verzögert.

Kein Einzelfall?

Nein, Beschwerden und langwierige Verfahren kommen immer öfter vor. Das hat damit zu tun, dass sehr viele Interessenten involviert sind und sich diese auch äussern.

Da kommen die Städtebahnen in Lateinamerika als Alternative gerade richtig ...

Städtebahnen sind weltweit ein Thema, auch in der Schweiz. In Zürich, Genf oder Baden gibt es entsprechende Projekte. Viel wichtiger sind für uns aber neue Märkte. Da gibt es neue Chancen. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass in Vietnam touristische Bergbahnen gebaut werden? Oder in China? Das ist ein riesiger Markt. In China hat es schon jetzt mehr Skifahrer als in ganz Zentraleuropa! Da ist die Doppelmayr/Garaventa-Gruppe aktiv.

Dort läuft mehr als in der Schweiz?

Wie gesagt, es gibt auch in der Schweiz Projekte für Städtebahnen. Bei uns ist es aber viel schwieriger, diese zu realisieren. Es geht um Fragen wie Einsprachen oder Durchleitungsrechte. Dazu kommt, dass in der Schweiz die Schmerzgrenze weniger hoch ist. Von Verkehrsbelastungen wie etwa in südamerikanischen Städten sind wir hier weit entfernt. Seilbahnen sind zwar günstiger zu bauen als eine Metrolinie. Aber sie tangieren mehr Grundstücke und damit auch rechtliche Fragen. Im mitteleuropäischen Raum ist das Konfliktpotenzial deshalb grösser.

Was bereitet denn dem Seilbahnbauer mehr Sorgen? Die Klimaerwärmung mit dem auftauenden Permafrost oder die Einsprachementalität gegen neue Vorhaben?

Die Permafrost-Problematik können wir lösen. Da gibt es technische Hilfsmittel, indem die Masten beispielsweise tiefer eingesetzt werden oder der Boden unterirdisch isoliert wird, damit der Berg gefroren bleibt. Möchte man die Einsprachemöglichkeiten ändern, müsste der Rechtsrahmen anders gestaltet werden. Das ist Sache der Politik.

Wie sehen Sie die Zukunft der Branche insgesamt?

Solange es Tourismus gibt, werden auch Bahnen gebaut. Vermutlich in der Schweiz nicht mehr so viele wie bisher. Im Alpenraum wird man nicht auf jeden Berg eine Bahn bauen können. Aber es gibt, wie gesagt, neue Märkte wie China, Vietnam oder Lateinamerika, in denen ein grosses Potenzial vorhanden ist. Das heisst für uns, dass unser internationales Geschäft mit allen internen Folgen zunehmen wird.

Hat die traditionelle Bahn ausgedient? Braucht es spezielle Entwicklungen wie bei der Stoosbahn oder der Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn?

Die Bahnbetreiber, die touristischen Leistungsträger, wollen sich gegenseitig voneinander abheben. Bei der Stoosbahn war das Gelände entscheidend. Für uns heisst das, dass wir einfach in der Lage sein müssen, die Bedürfnisse unserer Kunden abzudecken. Die technischen Möglichkeiten sind heute weiter als vor einigen Jahrzehnten. Es gibt neue Möglichkeiten, die gilt es zu nutzen, wenn es gewünscht ist. Das zeichnet uns auch aus.

Der Firmensitz der Garaventa AG ist in Rotkreuz. Schwyz hat auch günstige Unternehmenssteuern. Ist eine Rückkehr geplant?

Nein, wir sind keine Steueroptimierer, die jedem Zehntel nachspringen. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen 2002 dazu entschieden, die Gruppe im Kanton Zug zu domizilieren. Dabei bleibt es. Es gibt keine Umzugspläne. Unsere grösste Niederlassung ist und bleibt in Goldau, wir haben hier und in Uetendorf in den letzten Jahren rund 30 Millionen Franken investiert.

Der neue Garaventa-CEO Arno Inauen (rechts) mit seinem Vorgänger István Szalai. (Bild: pd)

Der neue Garaventa-CEO Arno Inauen (rechts) mit seinem Vorgänger István Szalai. (Bild: pd)

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