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Schwyzer Start-up will mit Mähroboter Fussballstadien erobern

Ronovatec aus Immensee hat einen autonomen Mähroboter für Fussballfelder entwickelt. Nun sucht das Jungunternehmen Investoren.
Andreas Lorenz-Meyer
Ronovatec-CEO Marcus Riva mit dem Prototypen des autonomen Mähroboters. (Bild: Christian H. Hildebrand, Rotkreuz, 14. September 2019)

Ronovatec-CEO Marcus Riva mit dem Prototypen des autonomen Mähroboters. (Bild: Christian H. Hildebrand, Rotkreuz, 14. September 2019)

Fussballfelder sind rund 8000 Quadratmeter gross, da gibt es viel zu mähen. Bei solchen Grünflächen kommen heutzutage vorwiegend Aufsitzmäher zum Einsatz. Die halten den Rasen für die Kicker auf Länge, haben aber ökonomisch und ökologisch einige Nachteile. Gerade in der Hochsaison binden sie viel Personal. Das erzeugt hohe operative Kosten. Hinzu kommen die CO2- und Lärmemissionen der Benziner, die zudem ­ 1 bis 1,2 Tonnen schwer sind und so den Boden verdichten.

Das Start-up Ronovatec aus Immensee will nun eine Alternative auf den Markt bringen: einen autonom arbeitenden Mähroboter namens NaviMow. Er geht einem bis zu den Hüften, fährt auf drei Rädern und hat spindelförmige Mähwerkzeuge. Damit keiner dabei sein muss, wenn er mäht, ist innen viel Hightech eingebaut. Unter anderem ein eigenes Lokalisierungs- und Navigationssystem, weswegen NaviMow auch in dicht bebauter Umgebung, am Waldrand oder in einem Stadion exakt navigieren kann. Dann sind da noch Lidar-Sensoren, die auch bei selbstfahrenden Autos eingebaut werden. Sie geben dem Roboter eine 3D-Sicht der Umgebung. «Die Lidar-Technologie funktioniert auch bei dichtem Nebel oder wenig Umgebungslicht einwandfrei», erklärt Ronovatec-Gründer und CEO Marcus Riva. Selbst im Dunkeln kann NaviMow arbeiten. Der einzige Schwachpunkt der Lidar-Technik, die ­Reflexionen, spielen keine Rolle, da bei Regen nicht gemäht wird.

Für verschiedene Muster brauchts keine Fahrer

Den Mäher entwickelte Ronovatec zusammen mit der Hochschule Luzern. Forschung und Entwicklung kosten rund 1,5 Millionen Franken, mehr als die Hälfte davon privat finanziert. Der Spindelmähroboter zeichnet sich durch seine «unschlagbare Wirtschaftlichkeit» aus, wie CEO Riva sagt. Der Quadratmeterschnittpreis ist ungefähr 3,5 Mal kostengünstiger als beim Aufsitzmäher. Zudem mäht NaviMow schneller als andere. Grosse, autonome, elektrisch betriebene Sichelmäher, die bei grossen Rasenflächen auch eingesetzt werden, benötigen inklusive Ladezyklen rund 24 Stunden für das Mähen der 8000 Quadratmeter. Der NaviMow erledigt die gleiche Arbeit in zwei bis drei Stunden. «Das vereinfacht das Flottenmanagement erheblich», so Riva.

Zudem mäht der Roboter autonom das gewünschte Muster in den Rasen. Die Streifen entstehen ja dadurch, dass die Grashalme beim Mähen in unterschiedliche Richtungen gedrückt werden, so dass der Rasen, je nach Standort des Betrachters, dunkler oder heller wirkt. Der NaviMow macht es auch so, nur eben ohne Fahrer – Ronovatecs Alleinstellungsmerkmal. «Wir sind die ersten und bisher einzigen, die das können.» Die Berechnung der Wegstrecken übernimmt ein Algorithmus, der viele Faktoren berücksichtigen muss. Erstens sind die Muster jeweils exakt entlang der Linienführung zu mähen. Zweitens müssen Hindernisse wie Tore oder Trainerbank umfahren werden. Und drittens sind Fussballplätze ja auch verschieden gross. Auch das berechnet der Algorithmus, bevor der Mähroboter loslegt.

Markteintritt im Jahr 2021

Praxistests fanden von April bis Juni auf der Luzerner Allmend statt und auf der Sportanlage Buchlern in Zürich-Altstetten. In Luzern mähte der Roboter ein Rugbyfeld, in Zürich einen Fussballplatz. Die Mechanik und das Mähen, die Lastverteilung, die Lokalisierung und das Lenken klappten sehr gut. Nachholbedarf sieht Riva bei den Kurskorrekturen, die das Fahrzeug gerade fahren lassen. Die beim Mähen entstehenden Scherkräfte führten bisher zu seitlichen Bewegungen, das Fahrzeug kam für ein paar Meter vom Kurs ab. Riva: «Da wir die Ursache für die Kursabweichungen jetzt kennen, können wir den Prototypen modifizieren und zu Ende entwickeln.»

Praxistest auf der Luzerner Allmend. (Bild: PD)

Praxistest auf der Luzerner Allmend. (Bild: PD)

Danach geht es in die Produktion der ersten Kleinserie von sechs bis acht Mährobotern, die nächstes Jahr getestet werden soll. Der eigentliche Markteintritt erfolgt 2021. Der Kapitalbedarf bis dahin beträgt 3,5 Millionen Franken unter anderem für die Vorfinanzierung von Serie I und II. Riva sucht aktuell Investoren. Gespräche laufen, unterschrieben ist aber noch nichts. Zudem soll der Verwaltungsrat mit Leuten erweitert werden, die gut in der Fussball-, Robotertechnologie- und Wirtschaftswelt vernetzt sind, um Ronovatec international aufbauen zu können. In vierten Quartal 2019 gibt es Treffen mit rund 30 interessierten Vertriebspartnern in Europa. Für die Märkte Schweiz und Liechtenstein ist schon alles geregelt: Ronovatec kooperiert mit dem Vertriebspartner Robert Aebi Landtechnik AG.

Beim Markteintritt 2021 wird NaviMow nicht mehr NaviMow heissen. Das ist nur der Projektname. Ronovatec prüft aktuell international verständliche Namen, die zum Unternehmen und zur Technologie passen. Der Mähroboter wird auch weiterentwickelt. Angedacht sind zusätzliche Funktionen wie das Bürsten von Kunstrasen oder die optische Erkennung von Problemstellen im Rasen sowie deren Behandlung. Der Roboter könnte dann nicht mehr nur perfekte Muster mähen, sondern auch Schönheitsarbeiten am Rasen verrichten.

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