Seba baut Chefetage um: Holpriger Start der ersten Schweizer Kryptobank

Wenige Wochen nach der Aufnahme ihrer Tätigkeit krempelt die Seba Bank in Zug ihre Geschäftsleitung um. 

Gregory Remez
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Seit Anfang Dezember hat die Seba ihren Sitz im historischen Zuger Stadthaus.

Seit Anfang Dezember hat die Seba ihren Sitz im historischen Zuger Stadthaus.

Bild: Stefan Kaiser (23. Dezember 2019)

Die Seba hat turbulente Wochen hinter sich. Mitte November nahm das Finanzinstitut als erste Schweizer Kryptobank offiziell ihre Tätigkeit auf. Seither legt das Jungunternehmen ein ziemlich rasantes Tempo vor – und das nicht primär in geschäftlicher Hinsicht: Anfang Dezember bezog die Seba ihren repräsentativen Standort im historischen Zuger Stadthaus; kurz darauf kündigte sie eine gross angelegte Expansion in neun ausländische Märkte an, darunter Deutschland, Österreich, Singapur sowie Hongkong; und in der vergangenen Woche teilte die Bankführung schliesslich intern mit, dass man das Geschäftsleitungsteam umbauen wolle.

Gemäss dem internen Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, ist dieser Umbau bereits in vollem Gang. So hat Daniel Renner, ein alter Weggefährte von CEO Guido Bühler und bisheriger Chef Anlagen- und Vermögensverwaltung, die Bank schon verlassen.

Auf Anfrage spricht die Seba-Sprecherin von Unstimmigkeiten zwischen den Kadermitgliedern, betont aber, dass man sich einvernehmlich getrennt habe. Allerdings deutet der überschnelle Abgang Renners, der massgeblich am Aufbau der Kryptobank beteiligt gewesen war, darauf hin, dass es sich um mehr als bloss Differenzen am Konferenztisch gehandelt haben muss. Sowohl im Handelsregister als auch auf der Homepage des Instituts ist Renner noch immer als Mitglied der Seba-Geschäftsleitung aufgeführt. Seine Aufgaben übernimmt nun bis auf Weiteres der bisherige Risiko- und Finanzchef Philipp Baretta.

Dessen Ressort wird dagegen aufgeteilt. Die Leitung der Finanzen übernimmt in einer weiteren internen Rochade der bisherige Stabschef David Matter. Für den Posten des Risikochefs hat man derweil Verstärkung von aussen geholt. Ab dem 1. Februar wird Markus Blattmann, der zuletzt bei Julius Bär und davor bei der UBS als Risikomanager tätig war, in dieser neuen Funktion amten.

Zeitaufwand unterschätzt

Nötig gemacht hätten den Umbau vor allem unvorhergesehene Verzögerungen bei der Bearbeitung von Kundenanträgen, sagt CEO Guido Bühler im Gespräch, und fügt hinzu:

«Bei der Aufnahme von Neukunden sind wir noch nicht da, wo wir sein wollen.»

Als Ziel hatte man sich beim Startschuss im November 100 Neukunden bis Ende Jahr gesetzt; im Visier hat die Bank dabei vor allem institutionelle Kunden wie Firmen oder Pensionskassen, aber auch qualifizierte Anleger, die mindestens 100000 Franken auf ein Seba-­Konto einzahlen können.

Diese Zielmarke wird man aller Voraussicht nach verpassen. Dies liege allerdings nicht am mangelnden Interesse an der Kryptobank, sagt Bühler. Im Gegenteil: «Wir haben so viele Anfragen, dass wir nicht hinterherkommen. Vor allem bei den institutionellen Kunden dauert das sogenannte Onboarding länger als geplant. Die personellen Veränderungen haben wir eingeleitet, um dort effizienter zu werden.»

Lösen soll die prozessualen Probleme in erster Linie der neue, wichtige Mann bei Seba: Risikochef Blattmann. Dessen bisherige Arbeitgeberin Julius Bär gehörte zu den ersten Investoren hinter dem Institut. Entsprechend dürfte auch sie Interesse daran haben, dass die erste Schweizer Kryptobank bald zum Fliegen kommt. Ob ihm das gelingt, wird sich weisen müssen.

Insider geben sich vorsichtig optimistisch. Ralf Glabischnig etwa von der Zuger Risikokapitalgesellschaft CVVC, die Beziehungen mit Seba unterhält, spricht zwar von einem holprigen Start, sagt aber auch:

«Eine Bank von 0 auf 100 zu bringen, ist eine grosse Herausforderung. Es offenbaren sich die typischen Anfangsschwierigkeiten. Für eine Bewertung der Vorgänge ist es entsprechend noch zu früh.»

Erste Kryptobanken legen los

Die Seba Bank nahm gestern ihre Tätigkeit auf. Das Institut mit Sitz in Zug hegt ehrgeizige Pläne.
Gregory Remez