Von der Revolution zum Superflop: Segway ist am Ende

Der einst als futuristisch angepriesene Segway hat ausgedient. Der chinesische Mutterkonzern zieht den Stecker.

Hannes Breustedt (DPA)
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Der Segway kam nie bei der breiten Masse an.

Der Segway kam nie bei der breiten Masse an.

Bild: J. S. Applewhite/AP

Selten war der Hype um ein neues Produkt so gross: Der Segway sollte den Personentransport revolutionieren und die Stadt der Zukunft prägen. Seine Innovation werde Autos so überflüssig machen, wie diese einst die Pferdekutschen, versprach Erfinder Dean Kamen. Doch die Hoffnung wurde nie erfüllt, im Gegenteil. Die vermeintlich bahnbrechende Sensation entpuppte sich schliesslich als grosser Flop. Nun hat der einst als futuristisch geltende Stehroller ausgedient. Am 15. Juli stellt der chinesische Mutterkonzern Segway-Ninebot die Produktion ein.

Die Coronapandemie habe Verkauf und Fertigung zuletzt zusätzlich belastet, sagt Segway-Managerin Judy Cai, doch das sei nicht der Hauptgrund für den Schritt. «In den vergangenen Jahren haben wir eine Übersättigung des Marktes gesehen.» Klartext: Es gibt keine Nachfrage mehr. Das Fortbewegungsmittel, das Benutzer durch Gewichtsverlagerung im Stehen steuern, mache nur noch 1,5 Prozent des Umsatzes aus. Der Fokus der Firma liegt auf anderen Produkten wie E-Scootern.

Vor der Präsentation der Weltneuheit Ende 2001 wurde spekuliert, was das Zeug hält – vom wasserstoffbetriebenen Luftkissenboot bis hin zur Supertoilette: Nichts schien unmöglich. Auch als das Rätselraten dann endlich ein Ende hatte und das Vehikel endlich vorgestellt wurde, ebbte die Euphorie zunächst nicht ab. Ähnlich wie Tesla-Chef Elon Musk heutzutage nutzte Kamen die Medien clever, um die Werbetrommel zu rühren. Bei der Versteigerung der ersten Segways Anfang 2002, wurden mehr als 100000 Dollar geboten.

Eine Geschichte voller Pleiten, Pech und Pannen

Aber die Erfindung schaffte es nie, bei der breiten Masse Anklang zu finden. Letztlich wurden keine Millionen, sondern nur rund 140000 Segways verkauft. Wenige waren bereit, Tausende Dollars für ein relativ schwerfälliges und unelegantes Vehikel zu berappen, das nicht schneller ist als ein Velo.

So fristet der Segway bis heute ein Nischendasein als skurriles Fortbewegungsmittel für bürgernahe Polizisten, Sicherheitsdienste in Einkaufszentren oder gehfaule Touristen. Die Geschichte des Segways ist von Pleiten, Pech und Pannen geprägt. Als der frühere US-Präsident George W. Bush sich 2003 als Trendsetter mit dem Segway erweisen wollte, verlor er beim Anfahren das Gleichgewicht und fiel vorne über. Das «Time»-Magazin eröffnete 2010 seine Liste der «50 schlechtesten Erfindungen» mit dem Gerät.

Dass es auch geschäftlich nicht sonderlich gut lief, liegt auf der Hand. Im Dezember 2009 kaufte der britische Multimillionär Jimi Heselden die damals schon recht erfolglose Firma, tragischerweise stürzte er weniger als ein Jahr später mit einem Segway über eine Klippe in den Tod. Die Firma wurde 2013 von Heseldens Familienstiftung an einen US-Investor weitergereicht, 2015 übernahm das chinesische Start-up Ninebot.