SEILBAHNEN: Die Bergbahnen rüsten nach

Garaventa ist auf dem Schweizer Heimmarkt die Nummer Eins. Die spektakulären Bahnen baut das Unternehmen indes in Asien und Südamerika.

Rainer Rickenbach
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Die Arbeiten an der neuen Pilatusbahn zwischen der Fräkmüntegg und Pilatus-Kulm laufen auf Hochtouren. Das Bild zeigt einen Seilbahnmonteur der Firma Garaventa. (Bild Philipp Schmidli)

Die Arbeiten an der neuen Pilatusbahn zwischen der Fräkmüntegg und Pilatus-Kulm laufen auf Hochtouren. Das Bild zeigt einen Seilbahnmonteur der Firma Garaventa. (Bild Philipp Schmidli)

Der chinesische Investor legt Wert auf Rekorde. Seine Seilbahn am vietnamesischen La Hong Beach soll mit Kabinen für 230 Personen und Masten in der Höhe von 190 Metern alles übertrumpfen, was bisher als Transportmittel an Seilen hängt. Auch der Zeitplan mutet rekordverdächtig an: Von der Idee bis zum Bauauftrag verstrichen gerade einmal 50 Tage. Nun befassen sich die Planer und Entwickler beim Goldauer Luftseilbahn-Spezialisten Garaventa mit der kühnen Idee.

Marktführer in Europa

In der auf akribische Sicherheit bedachten Schweiz nimmt alleine das Verfahren des zuständigen Bundesamtes mindestens ein Jahr in Anspruch. Neue Gebiete lassen sich im Land mit der nach wie vor höchsten Bergbahndichte aus Gründen des Landschaftsschutzes keine mehr erschliessen. Politik und Behörden winken höchstens Projekte zur Verbindung zweier Skigebiete durch, wie etwa für Andermatt und Sedrun. So präsentiert sich der Markt für Garaventa. Das Unternehmen steht im Verbund mit dem österreichischen Doppelmayr-Konzern und in Konkurrenz zum französisch-italienischen Seilbahn-Hersteller Leitner-Poma.

Auf dem europäischen Markt hat das schweizerisch-österreichische Duo die Nase vorne, in den schnell wachsenden Weltregionen Asien und Lateinamerika kommen sich die beiden Marktführer noch nicht in die Quere. Doppelmayr-Garaventa erzielte 2013 einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Franken. Garaventa steuerte als Kompetenzzentrum für Pendelbahn-, Standseilbahn- und Materialseilbahnsysteme rund einen Fünftel dazu bei.

«Der Umsatz schwankt stark. Denn die einzelnen Projekte verschieben sich je nach Bewilligungs- und Prüfdauer oft von einem Jahr zum andern», sagt Garaventa-CEO Istvan Szalai.

Schweiz ist der wichtigste Markt

Zwar baut Garaventa die Aufsehen erregenden Transportanlagen in Vietnam oder auch Venezuela, wo eine Seilbahn auf einer horizontalen Länge von 12 Kilometern nicht weniger als 3200 Meter Höhendifferenz überwindet und bald sowohl als Touristenattraktion, als auch als öffentliches Verkehrsmittel hoch über den chronisch verstopften Strassen schwebt. Die Mehrheit der 400 Mitarbeitenden von Garaventa sind jedoch mit Anlagen im Alpenraum beschäftigt. Szalai: «Die Zahl der Seilbahnen mag in der Schweiz stagnieren. Doch der Bedarf an modernisierten Bahnen steigt mit den Ansprüchen der Kunden.» Die Ersatzbeschaffungen der Pilatus- und Stoosbahnen sind aktuelle Beispiele dafür (siehe Kasten).

Keine Projekte ab der Stange

Dass in der Schweiz viel Geld in die Seilbahnen investiert wird, macht ihr Anteil am weltweiten Marktvolumen deutlich, rund ein Zehntel der Branchen-Investitionen entfällt auf die Schweiz. Garaventa ist zurzeit für fünf Schweizer Projekte tätig. Sie haben ausser der Tatsache, Seilbahnen zu sein, indes nicht viele Gemeinsamkeiten. «In diesem Geschäft gibt es keine Lösungen ab der Stange», so Szalai. Für die Garaventa-Mitarbeitenden ist diese Vielfalt anspruchsvoll – von den Arbeiten für die Planung über die Produktion bis hin zur Montage. Szalai: «Wir sind stark auf gute Fachkräfte angewiesen, und es fällt zusehends schwerer, genügend von ihnen zu rekrutieren.»

Rainer Rickenbach

Zeitvorsprung bei Pilatusbahn

«Wir sind mit der Seilmontage im Zeitplan eine Woche voraus», informiert Garaventa-Projektleiter Beat Musfeld. Er leitet die Arbeiten für die neue Pilatusbahn auf der Strecke zwischen der Fräkmüntegg und Pilatus-Kulm. Die Chancen stehen also gut, dass die Pilatus-Ausflügler termingerecht ab dem 1. April 2015 in den neuen Kabinen «Dragon Ride» (Drachenritt) mit 55 Plätzen auf die Spitze des Luzerner Hausberges transportiert werden.

Die Pilatusbahnen lassen sich den Ersatz der alten Bahn gemäss Bahndirektor Godi Koch 18 Millionen Franken kosten. In den zurückliegenden paar Jahren hat das Bahnunternehmen bereits 35 Millionen Franken in die Hotelanlage auf dem Kulm und die Zahnradbahn-Talstation Alpnachstad investiert. Ziel der Investitionen war es unter anderem, den Seminartourismus auf dem Berg anzukurbeln. Das sei gut gelungen, sagt Koch. Doch zuweilen durchkreuze der Westwind Sitzungspläne. Koch: «Die neuen Luftseilbahngondeln sind weniger anfällig auf aussergewöhnliche Windverhältnisse.» Was auch das Tourismusgeschäft erleichtert. Alleine mit dem Merchandise-Einkaufsladen erzielt die Bahngesellschaft einen Jahresumsatz von zirka 2 Millionen Franken.

Engelberg und Stoos

Garaventa stattet auch die Strecke Engelberg–Trübsee mit einer neuen Gondelbahn aus. Für die neue Stoosbahn sind die Produktionsarbeiten schon im Gang. Dort entsteht mit einer Steigung von bis zu 110 Prozent die steilste Standseilbahn der Welt. «Dank einer ausgeklügelten Technik mit einem automatischen Niveauausgleich stehen die Fahrgäste trotzdem immer waagrecht im Fahrzeug», verheisst Marketingchef Peter Baumann.

rr