Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SELBSTANZEIGE: Der Bayern-Boss ist in Bedrängnis

Der Präsident des FC Bayern, Uli Hoeness, hat Gelder auf einem Schweizer Konto versteckt. Ein Experte vermutet einen Deal mit der Staatsanwaltschaft.
Christoph Reichmuth, Berlin
Uli Hoeness im Februar dieses Jahres. (Bild: Keystone)

Uli Hoeness im Februar dieses Jahres. (Bild: Keystone)

Der FC Bayern spielt die beste Saison seiner Klubgeschichte, dominiert die Liga, sorgt in Pokal und in der Champions League für Furore. Doch Bayern-Präsident Uli Hoeness hat bei allem Erfolg zuletzt vielleicht doch nicht ganz so ruhig geschlafen. Denn auf einem Schweizer Bankkonto hat der erfolgreiche und vermögende Münchner Wurstfabrikant offenbar Gelder vor dem deutschen Fiskus versteckt. «Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht», sagte Hoeness dem Magazin «Focus». Die Anzeige hänge «mit einem Konto von mir in der Schweiz» zusammen.

Angriff als beste Verteidigung

Nach Recherchen der «Münchner Abendzeitung» handelt es sich um ein «unvorstellbares Vermögen» von mehreren 100 Millionen Euro, die auf einem oder mehreren Konten in der Schweiz liegen. Zeitgleich mit der Selbstanzeige habe Hoeness zudem sofort einige Millionen Euro dem Fiskus gezahlt. Es soll sich bei dieser Zahlung um eine Summe von über 5 Millionen Euro handeln.

Der Mann, der den FC Bayern zu einem der erfolgreichsten Fussballklubs der Welt geformt hat, wollte seine unversteuerten Vermögen eigentlich nachträglich über das sogenannte Abgeltungssteuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland regeln. Das Abkommen hätte es Hoeness erlaubt, sein unversteuertes Geld mit einer anonymen Pauschalzahlung an den deutschen Fiskus zu legalisieren. Doch das Abkommen wurde von der von SPD und Grünen dominierten Länderkammer, dem Bundesrat, Ende des vorigen Jahres bachab geschickt.

Nun sucht der 61-Jährige offenbar den Ausweg über die Selbstanzeige. Denn die Gefahr, dass der hoch angesehene Bayern-Zampano von den Steuerfahndern ertappt werden würde – nicht zuletzt via umstrittene Käufe von Daten-CDs mit gestohlenen Bankdaten –, ist enorm. Im schlimmsten Falle hätte Hoeness dann gar eine Gefängnisstrafe gedroht.

Ein Experte für Steuerhinterziehung setzt jedoch ein Fragezeichen hinter die offizielle Version der Geschichte. Entweder habe das Magazin «Focus» den Namen Hoeness tatsächlich selbst recherchiert. Ansonsten liessen die Indizien den Schluss zu, dass Hoeness bereits aufgeflogen war oder die Kommunikation mit der ermittelnden Steuerfahndung oder der Staatsanwaltschaft nicht gut gemanagt wurde: «Dass hier eine prominente Persönlichkeit wie Uli Hoeness medial die Hosen runterlässt und mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit geht, ist nicht nur irre, das riecht nach einem Deal zwischen Hoeness und der Staatsanwaltschaft», vermutet der Mann.

Promi-Selbstanzeige schreckt ab

Der Jurist, der sich selbst mit Fällen von Selbstanzeigen auseinandersetzt, ist überzeugt: Die Steuerermittler sind Hoeness bereits auf die Spur gekommen. «Ich denke, da wurde Herr Hoeness zu bereits einem gewissen Grad enttarnt.» Möglicherweise sei es danach zu einem Deal mit der Staatsanwaltschaft gekommen. Hoeness habe sich womöglich damit einverstanden erklärt, sich prominent zu outen.

«Wenn ein Mann wie Hoeness hinsteht und sagt, er zeige sich wegen Steuerhinterziehung selbst an, dann wirkt das abschreckend auf diejenigen, die selbst noch unversteuerte Gelder versteckt haben. Die Staatsanwaltschaft kann vom prominenten Namen also profitieren, das ist also auch im Sinne der Anklagebehörde.» Hoeness selbst habe mit der Selbstanzeige ein Strafverfahren verhindert. In der Regel laufe eine Selbstanzeige nach anderen Mustern: «Bei Selbstanzeigen achtet jede Anwaltskanzlei akribisch darauf, dass der Name des Kunden nicht an die Öffentlichkeit gelangt.» Hoeness wird die unversteuerten Gelder nun zurückerstatten müssen – zuzüglich 6 Prozent Zins und des Honorars für Berater und Anwalt von mehreren zehntausend Franken.

In der Praxis gilt: Wird jemand von den Ermittlern ertappt, nützt ihm eine Selbstanzeige nur noch bedingt – sie kann möglicherweise nur noch strafmildernd oder im besten Fall strafbefreiend wirken. Je höher die unversteuerten Gelder, desto höher das Strafmass. Wer über 1 Million vor dem Fiskus versteckt, kommt um eine unbedingte Gefängnisstrafe kaum mehr herum.

Der Münchner Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich hat die Einleitung des Ermittlungsverfahrens aufgrund der Selbstanzeige Medien gegenüber bestätigt. Hoeness kündigte volle Kooperation an. Er arbeite «in vollem Umfang» mit seinen Anwälten und Beratern mit. «Ich vertraue voll und ganz auf die Arbeit der mit dem Fall befassten Behörden und bitte, mit Respekt darauf von weiteren Anfragen abzusehen», meinte der Bayern-Präsident.

FC Bayern äussert sich nicht

Kenntnis von dem Verfahren hat auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Er sei bereits vor geraumer Zeit über die Selbstanzeige informiert worden, sagte er gegenüber der Onlineausgabe der Münchner «Abendzeitung». «Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln.»

Hoeness hatte neben seiner Tätigkeit als Fussballmanager beim «FC Hollywood» 1985 die Howe Wurstwaren KG mitgegründet. Das Unternehmen ist überaus erfolgreich und wird mittlerweile von Hoeness’ Kindern geführt. Die Firma beliefert unter anderem Aldi und McDonald’s sowie weitere Unternehmen. Der Jahresumsatz der Howe Wurstwaren KG lag laut «Handelsblatt» im Jahr 2011 bei rund 45 Millionen Euro.

Der FC Bayern wollte sich nicht zu dem Bericht äussern. Wenigstens am gestrigen Resultat konnte sich Hoeness aber freuen: Der FC Bayern fegte Hannover 96 auswärts mit 6:1 vom Platz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.