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SEMPACH: 100 Ideen, 10 Projekte, 1 Knaller

Der frühere Klebstoffhersteller Collano hat eine Start-up-Farm aufgebaut. Dort werden Produkte-Ideen entwickelt – und dann verkauft.
Rainer Rickenbach
Die Brüder Stefan (links) und Adrian Leumann bestimmen die Geschicke der Innovationsfabrik LAS. (Bild Nadia Schärli)

Die Brüder Stefan (links) und Adrian Leumann bestimmen die Geschicke der Innovationsfabrik LAS. (Bild Nadia Schärli)

Rainer Rickenbach

Stefan Leumann (46) leitet seit neun Jahren die Geschicke des Familienunternehmens. Vor drei Jahren stiess sein Bruder Adrian Leumann (39) im Führungsgremium dazu. Der Vater und Firmengründer Gerry Leumann zog sich damals als Verwaltungsrat und Mehrheitsaktionär aus dem Geschäftsleben zurück. 2013 wurde es gegen aussen hin vorerst einmal still um den Sempacher Klebstoffspezialisten; die jährlichen Medientermine zur Publikation der Geschäftszahlen entfielen.

Die Firma in kleine Betriebe zerlegt

Doch der Eindruck von aussen täuscht. Es ist in den zurückliegenden Jahren sehr viel geschehen bei der LAS (Leumann-Adrian-Stefan), wie die Holding heute heisst. Die Unternehmensgruppe erfand sich sozusagen selber neu. Sie setzt sich heute aus sechs Firmen mit meist eigenen Verwaltungsräten zusammen. Die Klebemittelproduktion Emerell und die Entwickler-Start-ups von Nolax agieren weitgehend unabhängig am Markt. «Wir haben sie für den Wettbewerb geöffnet», sagt Stefan Leumann.

Den Weg, den die Familien-Holding seit neun Jahren beschreitet, bezeichnet er als «radikal-innovativ». «Während die grossen Klebemittelhersteller über Fusionen noch mehr Grösse anstreben, gingen wir den umgekehrten Weg und zerlegten das Unternehmen in kleine, flexible, unabhängige Betriebe und Dienstleister», erklärt Stefan Leumann.

Auch Konkurrenten als Kunden

Konkret heisst das zum Beispiel bei der LAS-Firma Emerell, dass sie nicht mehr bloss für die Schwesterfirmen Spezialklebstoffe herstellt, sondern auch für Kunden ausserhalb der Gruppe. Die 150 Emerell-Mitarbeitenden stellen chemische Erzeugnisse für Branchen und Industrien her. Der Umsatzanteil der Drittkunden beläuft sich bereits auf 40 Prozent, Tendenz steigend.

«Emerell stellt keine eigenen Produkte mehr her, sondern führt ausschliesslich Aufträge aus. Auch für Konkurrenten der Schwesterfirmen, wenn es sich so ergibt», sagt Adrian Leumann. Er leitet Emerell. Handkehrum kann sich Emerell der Aufträge der andern LAS-Betriebe nicht mehr sicher sein. Denen steht es frei, Aufträge an einen andern Klebstoffhersteller zu vergeben, wenn dessen Offerten besser sind.

Tüftlerteams suchen Marktlücken

Stefan Leumann ist für Nolax zuständig. Der Kulturwandel ist hier besonders ausgeprägt, der Betrieb ist die Spielwiese für Start-ups. Die 60 Tüftler erhalten nicht mehr Aufträge, für dieses oder jenes ein Produkt zu entwickeln. Sie suchen vielmehr in kleinen Teams selber nach heute unzureichenden Lösungen in der Verbindungstechnik und machen sich dann an die Arbeit. Hat ein Team eine schlaue Idee konkretisiert und dafür ein ansprechendes Marktpotenzial geortet, kann es sich dann mehrere Jahre lang der Produktentwick­lung widmen. Grosses Potenzial für Nolax bietet zum Beispiel die Automobilindustrie. «Die Autos müssen aus verschiedenen Gründen leichter werden. Die Zeit der Stahl- und Metallkonstruktionen neigt sich dem Ende zu – und mit ihr auch Schweiss- und Lötprozesse im Karosseriebau. Das eröffnet Chancen für die Klebstoff­industrie und ihre Technologien», erklärt Stefan Leumann.

Liegt ein neues Produkt mit dem Potenzial zu einem Verkaufsrenner zu werden vor, zieht man nicht, wie in anderen Unternehmen üblich, hastig Herstellungs- und Vertriebslinien hoch – Nolax verkauft vielmehr die Neuheit an einen Klebstoffhersteller.

«Distribution und Marketing gehören nicht zu unseren Kernfähigkeiten. Wir sind gut im Aufspüren von Kundenbedürfnissen. Mit den Lösungsideen dafür verdienen wir unser Geld», sagt Stefan Leumann. Um einen anständigen Preis für die Erfindung zu erzielen, müssen den Ideenkäufern vielversprechende Geschäfte winken. «Ein Marktpotenzial von mindestens 50 bis 100 Millionen Franken sollte mit dem neu entwickelten Produkt schon drinliegen», verrät Stefan Leumann.

Risikobehaftetes System

Vor zwei Jahren gelang es Nolax, ein Start-up an einen Konzern zu veräussern. Ein weiterer ist bereit für den Verkauf. Längst nicht alle Ideen stellen sich indes als Kassenschlager heraus. Stefan Leumann: «Dieses Risiko bringt das Farmteamsystem natürlich mit sich. Aus hundert Ideen gehen vielleicht zehn konkrete Projekte hervor, und eines davon ist der ‹Knaller›, der genug Einnahmen einbringt, um die Entwicklungsarbeit weiterzuführen.»

Nolax bietet sich zudem für Klebstoffproduzenten als Entwickler an, wenn diese aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, selber das gewünschte Produkt zu ersinnen.

Weitere Tochterfirmen der LAS-Gruppe sind nebst Nolax und Emerell die Aktiengesellschaften Artimelt (Schmelzklebstoffe), Collano Adhesives (Klebstoffe für Holz, Bau und Textilanwendungen), Meraxo (Consulting und Management) und LAS Immobilien. Alle befinden sich vollumfänglich im Besitz der Leumanns.

Der Start ist geglückt

Der Start mit dem «radikal-innovativen» Unternehmenskonzept sei geglückt, bilanziert Stefan Leumann. «Wir hatten Wachstum, und die Produkte­pipeline ist gut bestückt. 2014 war das beste Jahr der Firmengeschichte. Ohne Frankenschock hätte sich das vergangene Jahr nahtlos angeschlossen.» Es sei gelungen, einen Platz näher am Markt zu besetzen. Umsatzzahlen veröffentlicht das Familienunternehmen seit 2013 nicht mehr. Die Mitarbeiterzahl lässt indes auf Wachstum schliessen. Ihre Zahl liegt mit 346 Personen höher als noch vor vier Jahren.

Zusammenarbeit in wechselnden Teams

rr. Ein Unternehmen voller Unternehmer: Das schwebt Stefan Leumann von Nolax vor. Die neue Unternehmenskultur soll auch in den realen Arbeitsplätzen im Neubau ihren Niederschlag finden. Auf dem Betriebsareal in Sempach-Station entsteht für rund 13 Millionen Franken ein neues, zweistöckiges Gebäude.

Keine fixen Arbeitsplätze

Im Nolax-Haus werden nach der Eröffnung in knapp einem Jahr die Start-ups zu Hause sein. Rund 60 Mitarbeitende aus Entwicklung, Anwendungstechnik und Marketing zählen dazu. Feste Arbeitsplätze gibt es dort nicht, man arbeitet in wechselnden Teams zusammen und verbringt die Arbeitsstunden dort, wo es die Arbeit gerade verlangt.

«Auch ich werde über keinen festen, mir zugeteilten Arbeitsplatz verfügen», sagt Nolax-Chef Stefan Leumann. «Die Nolax-Leute sollen dauernd in Kontakt miteinander stehen, auch externe Leute werden dort ein- und ausgehen», sagt Stefan Leumann.

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