Der Globus-Retter im Stresstest – greift der schillernde Milliardär nun noch nach Jelmoli?

Der Globus-Käufer René Benko gilt als «letzter Hoffnungsträger des Kaufhauses als Geschäftsmodell». In Deutschland kämpft er aber mit einem hoffnungslosen Fall. 

Niklaus Vontobel
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Nathalie Benko and Rene Benko an einem Eröffnungsanlass

Nathalie Benko and Rene Benko an einem Eröffnungsanlass

Franziska Krug / German Select

In der Schweiz will René Benko Globus retten. Der Verkauf der Migros, den sie diese Woche bekanntgab, stiess vielerorts auf positives Echo. Zwar sei es schade, dass Globus in ausländische Hände gehe. Doch die neuen Besitzer wüssten, was sie tun.

In Deutschland gilt der österreichische Milliardär mittlerweile als «letzter Hoffnungsträger des Kaufhauses als Geschäftsmodell». Ein früherer Spitzenmann im Detailhandel sagt: Benko sei der Einzige, der sich für innerstädtische Warenhäuser einsetze. «Ohne ihn wären die Warenhäuser in Deutschland tot, mausetot!»

Benko ist Retter in Serie. 2014 titelte das deutsche Spiegel-Magazin: «Der Nächste, bitte!», als er die Warenhauskette Karstadt kaufte. Diese war damals längst ein Symbol für die Existenzkrise der Warenhäuser. Zuvor hatte ein anderer reicher Retter kapituliert.

Bald darauf war Benko der Erlöser beim nächsten Krisen-Symbol, dem Warenhaus Kaufhof. Auch dort waren zuvor zig Investoren gescheitert an der tristen Realität des deutschen Detailhandels.

Unvermeidliche Frage an Benko: «Übernehmen Sie sich da nicht?»

Doch Tatsache ist: Die Realität von Karstadt und Kaufhof ist noch immer trist. Rund 3000 Arbeitsplätze verschwanden 2019. Von Benko fusioniert, schreibt die neue «Galeria Karstadt Kaufhof» letztes Jahr hohe Verluste. Benko, der angeblich ein Privatvermögen von 4 Milliarden haben soll, schiesst über seine Signa Gruppe rund 200 Millionen Euro ein. Und kauft weiter zu, etwa die Reisebüros von Pleitier Thomas Cook. Die Medien fragen: «Übernehmen Sie sich da nicht?»

Zu Benkos Stärken zähle die Volksnähe, so ein Brancheninsider. Der 42-Jährige sei oft in den Warenhäusern unterwegs, auf Tagungen für Führungskräfte stets ansprechbar. Das gelte auch für Ernst Dieter Berninghaus, Leiter von Benkos Signa Gruppe und früher Handelschef bei der Migros. Benko wisse: Immobilien und Handel gehören zusammen. Sonst kenne der Vermieter das Geschäft nicht, optimiere die Liegenschaft nur zu seinem Vorteil. «Er arbeitet gegen den Mieter!»

Ein anderer Kenner des deutschen Detailhandels sieht den Serien-Retter skeptischer. «Wie die Rechnung aufgehen soll, habe ich nicht verstanden.» Er könne sich den Kauf von Kaufhof und Karstadt nur erklären, wenn es im Hintergrund eine zweite Einnahmequelle gebe. Diese müsste die Verluste im Detailhandel kompensieren.

In Deutschland ist nur noch Platz für eine Warenhaus-Kette

Die zweite Einnahmequelle könnten etwa Immobilien-Deals sein, so der Insider. Benko habe mit Kaufhof und Karstadt zugleich Immobilien gekauft, die sich verteilt über ganz Deutschland an bester Lage befänden. Er könne etwa versuchen, daraus teure Wohnungen zu machen. «Als Vehikel für solche Deals könnte der Kauf von Karstadt und Kaufhof doch Sinn ergeben.»

Die österreichische Übernahmelawine

«Die Walliser sind jetzt auch Österreicher.» So kalauerte im November 2018 die NZZ. Der österreichische Ski-König Peter Schröcksnadel hatte die Saastal Bergbahnen übernommen. Es war der Anfang einer Entwicklung, aus der eine mittlere Übernahmewelle wurde: Österreicher kaufen Unternehmen in der Schweiz auf.

Im Oktober 2019 kauft sich der österreichische Möbelriese XXXLutz im grossen Stile in der Schweiz zu. Die Österreicher übernehmen Möbel Pfister. Im November 2019 kommen von der Migros elf Filialen der Marke Interio hinzu. Es ist ein Paukenschlag. Wenige Monate später schlägt wiederum ein Österreicher zu. Der Milliardär René Benko übernimmt die Warenhauskette Globus. Noch ein Schweizer Traditionshaus geht in österreichische Hände über.

Die Gründe für diese Häufung dürften in der Schweizer Detailhandelskrise zu suchen sein. Durch den Frankenschock wurde Einkaufstourismus zum festen Bestandteil schweizerischer Shoppingkultur. Der Möbelhandel musste die Preise massiv senken. Zugleich litten die Bergbahnen unter dem Franken. Ihre österreichischen Konkurrenten konnten ihre Preise in Euro massiv erhöhen, blieben aber in Franken konkurrenzfähig.

In Deutschland ist nur noch Platz für eine grosse Warenhaus-Kette. Karstadt und Kaufhof in der gleichen Stadt, wenige Meter voneinander entfernt – für dieses Nebeneinander ist die Nachfrage zu klein. Also gilt in Deutschland, so der Branchenkenner: Eine gesunde deutsche Warenhaus-Kette könne nur entstehen, wenn Karstadt oder Kaufhof stirbt.

«Karstadt kann nur auf dem Grab von Kaufhof gedeihen; Kaufhof nur auf dem Grab von Karstadt.» Doch Karstadt oder Kaufhof zu schliessen, gilt als nahezu unmöglich. Die Kosten sind zu hoch. Entlassene Mitarbeiter erhalten mehr Entschädigung, je mehr Dienstjahre sie haben. Mitarbeiter von Karstadt und Kaufhof sind typischerweise schon zwanzig Jahre dabei. «Da kommt man auf Summen, die lassen sich nicht verdienen.»

Beim Globus-Kauf geht es um Immobilien, nicht um Detailhandel

Doch Benko ist bereits wieder Retter. Der Ehemann eines ehemaligen Schweizer Models hat für eine Milliarde Franken den Globus übernommen, zusammen mit der thailändischen Central Group.

Ein Schweizer Branchenkenner sagt dazu: «Dabei geht es nicht um Detailhandel, sondern um Immobilien.» So sei es immer gewesen, auch als die Migros sich Globus einverleibte. Vor allem das Haupthaus an der Bahnhofstrasse habe sie gewollt und das Glattzentrum. «Immobilien an zentralen Lagen kann man immer nutzen.»

Benko wird zusammen mit Central Group bei Globus voll auf Luxus setzen. Er wird die Mieterträge maximieren, wohl mit Shop-in-Shop von Luxusmarken. Passend dazu hat wenige Monate vor dem Kauf der Jelmoli-Chef zu Globus gewechselt. «Jelmoli ist heute eine Ansammlung luxuriöser Shop-in-Shops. Das dürfte auch mit Globus passieren.» Die alte Welt von Globus werde verschwinden, für alteingesessene Mitarbeiter die Luft dünn. «Benko installiert die eigenen Leute.»

Greift Benko auch nach Jelmoli?

Dann wird es an der Zürcher Bahnhofstrasse eng. Denn so würden sich zwei Warenhäuser mit dem gleichen Konzept konkurrenzieren. Der Insider sagt: «Ich wäre nicht überrascht, wenn Benko nach Jelmoli greift.» Und dann erneut zulangt: «Gut möglich, dass er sich das Glattzentrum schnappt.» Die Migros gab kürzlich bekannt, das umsatzstärkste Shoppingzentrum der Schweiz verkaufen zu wollen.

Globus ist ein Schweizer Symbol für die Krise der Warenhäuser. Die Migros ist daran gescheitert. Als sie Globus im Jahr 1997 kaufte, schrieb die Warenhauskette einen hohen Verlust. Die Migros versprach eine Neupositionierung. Man ergänze sich ideal, kenne den Schweizer Markt genau. Migros werde Globus unter die Arme greifen.

Mehr als 20 Jahre später war Migros müde. Im Juni 2019 wollte Chef Fabrice Zumbrunnen nicht mehr. Globus passe nicht mehr zu Migros. Er brauche Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Damit war auch Globus ein Fall für die tiefen Taschen von Benko.

Experte befürchtet zahlreiche Schliessungen von Standorten

Dass Benkos Luxus-Strategie in Genf oder an der Zürcher Bahnhofstrasse aufgeht, das glauben viele. Sein thailändischer Partner kann Luxus und hat es in mehreren Warenhäusern bewiesen. Die Luxus-Sparte von Benko, die Kadewe-Gruppe, soll sehr rentabel sein, sagt ein deutscher Insider. Ein anderer nennt es: «One-Stop-Shopping für Leute mit zu viel Geld.»

Kleinere Städte müssen womöglich andere Retter suchen. «In der Schweiz braucht es für eine Luxus-Strategie keine zwölf Warenhäuser, der Markt ist zu klein», sagt Experte Thomas Lang von Carpathia. Je eins in Zürich und in Genf reiche. «Ich gehe davon aus, dass zahlreiche Standorte schliessen. Anders geht die Rechnung nicht auf.»

Für Fredy Hasenmaile von der Credit Suisse wird es für Warenhäuser in kleineren Städten ohnehin schwieriger, Luxus hin oder her. Die Shopper ziehe es in grosse Städte, wo sie eine hohe Dichte an Marken und Läden vorfänden.

Benko und Thai Central kaufen Globus für über eine Milliarde

Jetzt ist es offiziell: Die Globus-Gruppe gehört zur Luxuswarenhausgruppe um die österreichische Signa und die thailändische Central Group. Gemeinsam mit dem Detailhandelsgeschäft verkauft die Migros auch acht Globus-Liegenschaften an die Gruppe.