Service public
Jetzt gibt es bei der Post nebst Briefmarken auch Krankenkassen-Beratung

Geteilte Kosten, halbes Leid: Neu sollen externe Partner helfen, das Filialnetz der Post zu finanzieren. Die Krankenkasse Sympany macht den Auftakt, weitere Versicherungen und Banken werden gesucht.

Florence Vuichard
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Sympany-Chef Michael Willer und Poststellennetz-Chef Thomas Baur besiegeln am Dienstag in Biel ihre Partnerschaft.

Sympany-Chef Michael Willer und Poststellennetz-Chef Thomas Baur besiegeln am Dienstag in Biel ihre Partnerschaft.

Keystone

Rund zwei Jahre hat die Post nach einem Partner gesucht für ihre 800 Poststellen, hat zuerst alle Versicherungen und später auch alle Banken angeschrieben. Nun ist sie endlich fündig geworden: Die Krankenkasse Sympany zieht in die Poststellen ein – wenn auch vorerst nur in bescheidenem Ausmass. Die Partnerschaft wird denn von der Post als «Auftakt» bezeichnet, als erster Schritt im Umbau des Poststellennetzes weg von gelben Büros mit postalischen Leistungen hin zu regionalen Dienstleistungszentren.

Soweit ist die Post aber noch nicht: Vorerst stellt Sympany ab September acht Beratungs-Glaskuben in acht Postfilialen – und zwar in Baden AG, in Frauenfeld TG, in den beiden Zürcher Gemeinden Dietikon und Winterthur ZH, in Zug, Genf, Lausanne VD sowie in der bernischen, zweisprachigen Seeländer Gemeinde Biel, wo die Partnerschaft am Dienstag verkündet und mit Unterschrift besiegelt wurde. In weiteren 91 Filialen sollen Post-Mitarbeitende der Kundschaft Beratungstermine mit Sympany-Versicherungsprofis vermitteln.

Der Vertrag ist vorerst auf drei Jahre beschränkt. In dieser Zeit soll die Präsenz der Krankenkasse, die schweizweit rund 250'000 Versicherte zählt, ausgebaut werden, wie Sympany-Chef Michael Willer betonte. Wie viele Glasboxen es letztlich geben soll, wollte er nicht verraten. Es sollen aber «deutlich» mehr sein als die nun bereits beschlossenen acht Stück.

Weitere Partner gesucht

Weitere Partnerschaften mit Dienstleistern sollen in den nächsten Monaten besiegelt werden. «Wir sind kein Retailer», präzisiert Poststellen-Chef Thomas Baur. «Das machen andere besser.» Gesucht sind Banken, Behörden und weitere Versicherer und Krankenkassen. Denn die Post kann einzelnen Anbietern keine Exklusivverträge anbieten. Das besagen die Vorschriften des Bundes: Demnach darf die Post zwar ihr Netz für Private öffnen, sie muss es aber allen anbieten und zu den gleichen Konditionen. Einzige Restriktion ist letztlich die Fläche.

Gänzlich unzufrieden mit der neuen Post-Sympany-Liaison zeigt sich die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Konkret fürchtet diese, dass die Krankenkassen die erst kürzlich erstellte Branchenvereinigung gegen die sogenannte «Kaltakquise» umgehen und einfach Neukundinnen und Neukunden via Poststelle statt via Telefon anwerben. «Diese Vereinbarung wurde getroffen, damit das teure Anwerben von Krankenkassen endlich eingedämmt wird und damit auch Kosten für Prämienzahler gesenkt werden», sagt SKS-Chefin Sara Stalder. «Dass damit die selbstgesetzten Regeln ausgetrickst werden, ist nicht tolerierbar.»

Das Poststellen-Versprechen der Post dauert nur bis 2024

Die von der Post angepeilten, zahlreichen «strategischen» Kooperationen sind notwendig, um das Postnetz besser auszulasten. So jedenfalls sieht es Poststellen-Chef Baur. Denn die traditionell angebotenen Dienstleistungen würden immer weniger gefragt. So sei im vergangenen Jahr die Zahl der am Schalter aufgegebenen Briefe um fünf Prozent gesunken, diejenige der Einzahlungen gar um zwölf Prozent.

Die Post hat versprochen, ihr Filialnetz von heute rund 800 selbst betriebenen Poststellen nicht weiter abzubauen. Doch dieses Versprechen dauert eigentlich nur bis 2024. Sollte also die Jagd nach weiteren, strategischen Partnern keinen Erfolg zeigen, dann dürfte auch die Zahl der Poststellen wieder zur Debatte stehen.