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SHAREHOLDER-VALUE: Weckruf des Weltkapitalisten

Blackrock ist der weltgrösste Treuhänder von Firmenaktionären. Der Branchengigant sieht sich in der Verantwortung, die finanziellen und ideellen Ziele seiner Kunden in Übereinstimmung zu bringen.
Daniel Zulauf
Blackrock als neue Instanz sozialerer Anlagestrategien? (Bild: Dyma Gavrysh/KEY (New York, 15. Februar 2006))

Blackrock als neue Instanz sozialerer Anlagestrategien? (Bild: Dyma Gavrysh/KEY (New York, 15. Februar 2006))

Daniel Zulauf

Der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock ist ein Riese in der Welt des Investmentgeschäfts. Mit den rund 6 Billionen Dollar, die er im Namen unzähliger Fondssparer und Kleinan­leger in vielen Ländern verwaltet, zählt der Konzern auch in der Schweiz fast in jedem grösseren Unternehmen zum Kreis der wichtigsten Aktionäre.

Nun muss Blackrock tun, was Milton Friedman, der geistige Vater des Sharholder-Value-Prinzips, in seinem Weltbild vor bald 50 Jahren nicht vorausgesehen hatte. Als Fondsmanager und treuhänderischer Vermögensverwalter steht Blackrock in der Verant­wortung, die finanziellen und ideellen Ziele seiner Kunden in Übereinstimmung zu bringen. Der Grund dafür ist, dass die Mehrheit der Blackrock-Kunden sogenannte Index-Fonds halten. Damit entscheiden sie selber bloss, in welche Märkte sie investieren. Verletzen die im Index enthaltenen Unternehmen das Werte­system ihrer wirtschaftlich berechtigten Aktionäre (den Blackrock-Kunden), bleiben sie trotzdem in deren Portefeuille.

«Das Erreichen finanzieller Ziele reicht nicht aus»

Der nobelpreisgekrönte Ökonom Friedman hatte sich das anders vorgestellt. Nach seiner Theorie, die noch vor einigen Jahren kaum jemand in Frage stellte, hätten die Aktionäre allfällige Abweichungen von ihren individuellen ethischen Präferenzen einfach durch den Verkauf ihrer Anteile zum Ausdruck bringen sollen.

Die Firmenchefs hätten sich so allein auf die Gewinnmaximierung konzentrieren können, die Einhaltung von Gesetzen und ­Sitten natürlich vorausgesetzt. In diesen Tagen erhalten die Chefs der weltgrössten Publikumsgesellschaften einen Brief von Blackrock-Chef Larry Fink, der ihnen das Ende des Friedmanschen Shareholder-Value-Konzeptes vor Augen führt. Im Zug des hohen Zuspruchs von Indexanlagen ­stehe Blackrock mehr denn je in der Verantwortung, sich in den Unternehmen einzubringen und die Stimmrechte der Kunden wahrzunehmen. Deshalb legt Fink nun so etwas wie den Rohentwurf dessen vor, was er selber wohl als Glaubensbekenntnis eines verantwortungsvollen Kapitalisten verstanden haben möchte. Fink schreibt deutlich, dass es im Geschäft nicht nur um die Gewinnmaximierung gehen könne. «Für das langfristige Gedeihen jedes Unternehmens reicht das Erreichen finanzieller Ziele nicht aus. Eine Firma muss auch zeigen können, wie sie positive Beiträge für die Gesellschaft leistet.» Fink verweist unter anderem auf das Paradoxon der hohen Renditen an den Aktienmärkten bei einem gleichzeitig hohen Stand des ­Sorgenbarometers in der Bevölkerung. «Die Gesellschaft verlangt, dass Unternehmen – ob staatlich oder privat – soziale Zwecke erfüllen.»

Idee wird von ­Versicherungen mitgetragen

Die Worte tönen eigenartig, zumal sie der Feder eines Mannes entspringen, dessen Jahresgehalt im Jahr 2016 über 25 Millionen Dollar betragen hatte. Wie ernst und konsequent Blackrock das Versprechen für ein stärkeres Engagement letztlich erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Ernst zu nehmen sind die Ankündigungen ­allemal. Erst vor wenigen Tagen verlangte die kalifornische Lehrerpensionskasse und Apple-Aktionärin Calstrs, man erwarte vom Smartphone-Hersteller Ideen, die geeignet seien, das suchtartige Konsumverhalten von Kindern einzudämmen.

Gleichzeitig versucht eine stetig wachsende Zahl von Grossinvestoren, insbesondere Ver­sicherungen, den von Blackrock angesprochenen Problemen durch eine Einschränkung des Investmentuniversums auf nachhaltigere Anlagen Rechnung zu tragen. Im vergangenen Jahr kündigte beispielsweise Swiss Re mit diesem Ziel die Reduktion des investierbaren Anlageuniversums um einen Viertel auf nur mehr 725 Emittenten an.

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