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SICHERHEIT: Weihnachtsmarkt: Glühwein zwischen Betonblöcken

In der Adventszeit fahren Schweizer nach Montreux oder Stuttgart, um über die dortigen Weihnachtsmärkte zu flanieren. Reisen dorthin verkaufen sich gut – trotz erhöhter terroristischer Bedrohung.
Andreas Lorenz-Meyer
Barriere am Weihnachtsmarkt im deutschen Lübeck: Die zugedeckten Sandsäcke sollen die Besucher nebst Betonblöcken und Pollern vor Terrorattacken mit Lastwagen schützen. (Bild: Jens Büttner/Key (21. November 2017))

Barriere am Weihnachtsmarkt im deutschen Lübeck: Die zugedeckten Sandsäcke sollen die Besucher nebst Betonblöcken und Pollern vor Terrorattacken mit Lastwagen schützen. (Bild: Jens Büttner/Key (21. November 2017))

Andreas Lorenz-Meyer

Lebkuchenherzen, Glühwein, Adventslichter. Landauf, landab eröffnen gerade die Weihnachtsmärkte. Manche dauern einen Monat, manche nur wenige Tage. Auch jenseits der Grenzen, in Deutschland oder im Elsass, sind in den Innenstädten die traditionellen Holzstände aufgebaut. Für Reiseveranstalter ein klassisches Jahresendgeschäft. Railtour Frantour, Weihnachtsmarkt-Spezialist von Kuoni, hat in- und ausländische Destinationen im Programm. In der Schweiz läuft Montreux gut, sagt Mediensprecherin Liliane Rotzetter. Basel oder Zürich hätten auch schöne Weihnachtsmärkte, seien aber eher Tagesausflugsziele.

Im Ausland gehören grenznahe Städte wie Stuttgart, München, Strassburg, Innsbruck oder Konstanz zu den Klassikern. Dorthin geht es mit der Bahn. Bei Zielen wie Berlin, Hamburg, London, Wien oder Prag reist man im Flugzeug. «Der Besuch von Weihnachtsmärkten dauert bei nahen Destinationen häufig nur eine Nacht», erklärt Rotzetter. Bei entfernteren Städten sind zwei Nächte die Regel. Die Nachfrage war im Oktober noch etwas verzögert, da die hohen Temperaturen kaum weihnachtliche Stimmung aufkommen liessen.

Sicherheitserwägungen spielten laut Rotzetter keine Rolle. In den letzten zwei Jahren habe es zwar gehäuft Anschläge gegeben. «Die Menschen lassen sich davon aber nicht abhalten. Im Gegenteil, Kurzreisen zu Weihnachtsmärkten boomen.» Und die Stadtbehörden würden die Areale nun praktisch überall mit Betonblöcken und zusätzlichem Polizeiaufgebot sichern.

Hotelplan Suisse bietet Arrangements ins Ausland an. Die Top 3 bilden Wien, Nürnberg und Strassburg. Dieses Jahr neu mit Weihnachtsmarkt: Krakau. «Die Stadt ist beliebt, nicht zuletzt wegen des Direktflugs ab Zürich», sagt Mediensprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir. Bei den Reisen sollten Anreise und Unterkunft inklusive sein und das Hotel möglichst zentral liegen. Passend zur Preisvorstellung der Kunden, gibt es verschiedene Sternekategorien. Rund 50 Prozent der Gäste reisen mit dem Flugzeug, der Rest via Bahn, vereinzelt mit Bus oder auch mit dem Auto, wenn der Weihnachtsmarkt im nahen Ausland ist.

Leichtes Ziel für «primitive Attacken»

Aktuell liegt Hotelplan bei den Buchungen klassischer Weihnachtsmarktziele leicht über dem Vorjahr. Und die Sicherheit? Die spielt immer eine Rolle bei den Kunden, doch je länger die Anschläge her sind, desto eher werden sie vergessen. Huguenin-dit-Lenoir: «Wenn nicht kurzfristig an einem Weihnachtsmarkt ein negatives Ereignis vorkommt, dürfte das Thema keinen Einfluss auf die Buchungen haben.»

Bald ein Jahr her ist der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Dort raste der Attentäter mit einem entführten LKW in die Menge und tötete 12 Menschen. Die Sicherheitsvorkehrungen im Nachbarland sind in diesem Jahr verstärkt worden. In Karlsruhe etwa hat man weihnachtlich geschmückte Wasserbehälter vor dem Weihnachtsmarkt aufgestellt, um die Besucher vor Angriffen mit Fahrzeugen zu schützen.

Und in der Schweiz? Mauro Mantovani, Dozent Strategische Studien an der Militärakademie der ETH Zürich, schätzt die Gefahrenlage hierzulande so ein: «Anschläge sind praktisch nicht vorauszusehen, weil sich Täter auch über Nacht radikalisieren können. Weihnachtsmärkte sind ein leichtes Ziel für primitive Attacken mit Hieb- und Stichwaffen oder Bomben. Einen gewissen Schutz bieten einzig physische Vorkehrungen.» Dazu gehören Polizeipräsenz und Videoüberwachung, aber auch Zufahrtsblockaden. Mantovani hat selbst erlebt, dass Zufahrtstrassen durch querstehende Fahrzeuge abgeriegelt worden sind, «offensichtlich gegen Fahrzeugattacken». Auch Betonblöcke, Sandsackbarrieren oder Poller gibt es öfter. Der Sicherheitsaufwand habe in den letzten Jahren zugenommen, auch wenn es hierzulande noch keine Anschläge gegeben hat.

Eine Möglichkeit, Hinweise auf bevorstehende Attacken zu erhalten: Die Polizei steht in engem Kontakt mit örtlichen Speditionen, welche sofort informieren, wenn ein Fahrer sich nicht meldet. Denn das könnte auf ­einen entführten LKW und eine geplante Attacke hindeuten. Mantovani: «Das scheint mir eine sinnvolle, aber bei weitem nicht ausreichende Massnahme.»

9 von 10 Schweizern fühlen sich sicher

Das benachbarte Ausland hat der Terrorismus schon heimgesucht, doch das allgemeine Sicherheitsempfinden der Schweizer Bevölkerung ist gross. Neun von zehn Schweizern fühlen sich immer noch sicher im eigenen Land, ergab die Studie «Sicherheit 2017» vom Center for Security Studies und der Militärakademie der ETH Zürich. 29 Prozent der Befragten gaben dabei «sehr sicher» an, 64 Prozent «eher sicher».

Was tun die örtlichen Polizeistellen? Die Luzerner Polizei gibt «aus einsatztaktischen Gründen» keine näheren Auskünfte. Mediensprecher Urs Wigger: «Wie bei jeder Veranstaltung machen wir im Vorfeld eine Lagebeurteilung und kontaktieren Veranstalter und sämtliche involvierte Partnerorganisationen. Getroffene Massnahmen können je nach Situation und neuen Entwicklungen oder Erkenntnissen ver­ändert werden.» Auch die Kantonspolizei Zürich nennt keine Details. Laut Mediensprecherin Carmen Surber überprüft man die Sicherheitslage im Kanton Zürich laufend. «Wir stehen in engem Kontakt mit anderen Polizeikorps und dem Bund. Falls nötig treffen wir Massnahmen und erhöhen die Präsenz vor Ort.»

Hinweis: Eine Übersicht zu den Weihnachtsmärkten in der Zentralschweiz »

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