WEF 2018
Sie ist die stille Schafferin im Hintergrund des WEFs

Hilde Schwab ist seit über 45 Jahren mit WEF-Gründer Klaus Schwab verheiratet und baute mit ihm das Forum auf. Ein Gespräch über die Anfänge, ihren Ehemann und ihre Stiftung.

Denise Erni
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Hilde Schwab und ihr Mann Klaus

Hilde Schwab und ihr Mann Klaus

GIAN EHRENZELLER

Frau Schwab, worauf freuen Sie sich am 48. WEF am meisten?

Hilde Schwab: Auf die vielen Begegnungen und Diskussionen mit den verschiedenen Menschen. Einige der Persönlichkeiten sehe ich während des Jahres an regionalen Treffen, andere nur einmal in Davos. Und ich meine damit nicht einmal so sehr die Stars und grossen Persönlichkeiten wie Präsidenten und Premiers, sondern Menschen, die ganz andere Aktivitäten und wichtige Projekte initiiert haben.

Klaus Schwab gründete das WEF
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Klaus Schwab (rechts) am WEF mit Musiker Elten John (v.l.), Schauspieler Shah Rukh Khan, Schauspielerin Cate Blanchett und seiner Frau Hilde.
Klaus Schwab.
Hilde und Klaus Schwab.

Klaus Schwab gründete das WEF

Sandy Mettler/Dukas

Welche Begegnung in all den Jahren war für Sie am unvergesslichsten?

Es gehören viele Begegnungen mit Künstlern, vor allem aber auch mit den Social Entrepreneurs dazu. Es gab auch Politiker und Unternehmer, die ich sehr schätze. Aber am imponierendsten in all den Jahren war für mich das Treffen mit Nelson Mandela 1992. Das war die Persönlichkeit, die das letzte Jahrhundert geprägt hat.

1971 hat Klaus Schwab das WEF, das damals noch European Management Symposium hiess, gegründet. Die damals 24-jährige Hilde Stoll aus dem Aargau stiess 1970 durch ein Inserat in der «NZZ» auf eine Stelle, für die Professor Schwab eine neue Mitarbeiterin suchte. Stoll wurde Schwabs erste Mitarbeiterin.

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Als Ihr Mann damals mit der Idee kam, Manager an einem Ort zu vereinen, um die Welt etwas zu verbessern, dachten Sie da nicht, dass er da einer Illusion hinterherrennt?

(Lacht) Überhaupt nicht! Ich fand seine Idee faszinierend und bewarb mich ja auch aus diesem Grund. Ich dachte: Wenn er mich anstellt, um das Symposium in Davos zu organisieren, dann habe ich den grössten Job. Das war faszinierend.

Stoll und Schwab verliebten sich, 1971 heirateten sie in Davos. 1973 kam Sohn Olivier zur Welt, zwei Jahre später Tochter Nicole.

Welche Erinnerungen haben Sie an dieses erste Symposium 1971?

Es war aufregend, weil es ja etwas ganz Neues war. Und es war natürlich auch ein Risiko. Einerseits finanziell, weil wir den Anlass vorfinanzieren mussten und die Mitgliederbeiträge erst später bekamen. Andererseits war es auch von der Teilnehmerseite her ein Risiko; fanden die Teilnehmer es interessant und wollten sie ein weiteres Treffen?

Aber Sie hatten Erfolg.

Ja. Als die Teilnehmer sagten: «Das ist toll und wir kommen wieder im nächsten Jahr», sahen mein Mann und ich, dass das Symposium etwas ist, das Bestand haben kann – aber auch weiterentwickelt werden muss.

Bekommt das WEF einen anderen Charakter, wenn ein amtierender US-Präsident anreist?

Wir empfangen jedes Jahr eine hochrangige amerikanische Regierungsdelegation, die in der Vergangenheit oft vom Vizepräsidenten geleitet wurde. Wir freuen uns nun natürlich, den Präsidenten dabei zu haben.

Welche Erwartungen haben Sie an den Besuch von Donald Trump?

Ich erwarte, dass der Präsident am globalen Dialog aktiv und konstruktiv mitwirkt.

Hätten Sie 1971 gedacht, dass es das WEF nach über 40 Jahren in dieser Grösse noch geben würde?

Nein, das haben wir beim ersten Mal nicht gedacht. Erst nach zwei Jahren wurde uns das langsam bewusst, als wir anfingen, die Menschen global zusammenzubringen und die Politik miteinzubeziehen. Denn bis dahin war es ein Treffen für Unternehmer und Intellektuelle.

Am Montagabend haben Sie Cate Blanchett, Elton John und Sha Rukh Khan den Crystal Award übergeben. Warum werden sie heuer geehrt?

Weil sich die Schauspielerin Cate Blanchett sehr für Flüchtlingsfragen engagiert, Elton John bei der HIV-Bekämpfung aktiv ist und der Bollywood-Schauspieler Sha Rukh Khan sich in der Gesundheit und Erziehung von Kindern sowie der Katastrophenhilfe starkmacht.

Hilde Schwab liegen soziale Projekte sehr am Herzen. Die Social Entrepreneurs sind auch ihre wichtigste Aufgabe. 1998 gründete das Ehepaar Schwab die Schwab Foundation for Social Entrepreneurship, deren Vorsitzende sie ist. Die Stiftung will soziales Unternehmertum fördern.

Was gab den Ausschlag, diese Stiftung zu gründen?

Wir haben in Davos Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft an einem Ort. Meiner Meinung nach fehlte es aber an Menschen von der Basis. Wir suchten Social Entrepreneurs auf der ganzen Welt, bauten ein Team auf und definierten einen Preis. Und wichtig: Der Preis besteht nicht aus Geld, sondern aus einem Diplom, und der Gewinner wird vor allem an regionale und nationale Treffen des Forums eingeladen. Das Highlight für den Gewinner ist die Einladung zum Jahrestreffen in Davos.

Was dem Social Entrepreneur die Möglichkeit gibt, auch an wichtige Behördenträger zu gelangen?

Die Menschen sind uns dankbar für diese Plattform. Es ist wichtig, dass die Social Entrepreneurs bei Regierungsmitgliedern ihre Anliegen vorbringen können.

Beim Gespräch spürt man, wie sehr Hilde Schwab die Stiftung am Herzen liegt. Am meisten Anmeldungen von Social Entrepreneurs kommen aus Indien – etwa 200 –, gefolgt von Brasilien mit etwa 100.

Sie sind seit über 45 Jahren mit Klaus Schwab verheiratet, arbeiten noch länger mit ihm zusammen. Kamen Sie je an den Punkt, an dem Sie Berufliches und Privates trennen wollten?

(Lacht) Ehrlich gesagt, überhaupt nicht. Ich hoffe, mein Mann sagt dasselbe. Natürlich sind wir sehr nahe beieinander, aber wir haben auch ein sehr grosses Spektrum an Diskussionsobjekten, da die Probleme der ganzen Welt im Forum behandelt werden. Ich bin immer noch glücklich und dankbar für ein faszinierendes Leben.