Übernahme
SIG eifert Tetra Pak nach

Schweizer Verpackungsspezialistin expandiert in neue Wachstumsmärkte.

Daniel Zulauf
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Der SIG-Hauptsitz in Neuhausen.

Der SIG-Hauptsitz in Neuhausen.

Keystone

Das in Neuhausen am Rheinfall ansässige Verpackungsunternehmen SIG Combibloc sucht neue Wachstumsfelder. Zu diesem Zweck übernimmt der Konzern vom amerikanischen Mitbewerber Evergreen dessen Asien-Geschäft. Die 335-Millionen-Dollar-Akquisition ist kein Riesendeal für SIG. Deren Börsenwert beträgt immerhin 8,5 Milliarden Franken.

Den Investoren gefällt die Transaktion, wie die positive Börsenreaktion (+1,7 Prozent auf 24.50 Franken) am Mittwoch gezeigt hat. SIG will in Asien in den Verpackungsmarkt für Frischprodukte einsteigen. Im Vordergrund steht Frischmilch, die offenbar vor allem in China immer stärker nachgefragt wird. Bislang verkaufte SIG Verpackungslösungen nur für keimfreie Produkte – darunter auch viele sterile Milchprodukte.

Geld verdient der Konzern einerseits mit dem Verkauf und der Wartung seiner über 1000 Abfüllmaschinen in mehr als 60 Ländern. Anderseits zahlen die SIG-Kunden auch für die Verpackungen. Die nach Kundenbedarf zugeschnittenen Kartonmäntel und Verschlüsse werden zusammen mit den Maschinen in mehrjährigen Liefer- und Serviceverträgen verkauft.

Aktienkurs hat sich nahezu verdoppelt

Dieses Geschäftsmodell hat sich als überaus stabil erwiesen. Seit die ehemalige Schweizerische Industriegesellschaft im Herbst 2018, nach einer mehr als zehnjährigen Odyssee durch die Hände verschiedener Finanzinvestoren, via Börsengang an der Six Swiss Exchange wieder zur Publikumsgesellschaft wurde, hat sich der Aktienkurs nahezu verdoppelt. Von der Pandemie blieb SIG weitgehend verschont.

SIG lässt sich für die geleistete Arbeit fürstlich bezahlen. Der Konzern erwirtschaftete 2020 mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro einen Betriebsgewinn von 498 Millionen Euro, was einer Marge von über 27 Prozent entspricht. Die zu übernehmende Evergreen-Tochter kommt mit einem Umsatz von 160 Millionen Dollar und einem Betriebsgewinn von 28 Millionen Dollar nur auf gut 17 Prozent.

Grund für diese Differenz ist der Umstand, dass die keimfreie Abfüllung höhere technische Anforderungen stellt als die Frischverpackung.

Weltmarktanteil von 25 Prozent

Doch von dieser Margenverwässerung lassen sich die Investoren nicht beirren. Sie gewichten neuen Wachstumschancen höher. Das ist freilich nicht überraschend. Denn im angestammten Geschäft hat SIG bereits einen Weltmarktanteil von gegen 25 Prozent. Die Konkurrentin Tetra Pak, die zum schwedischen Laval-Konzern gehört, kommt auf rund zwei Drittel des Weltmarktes. Diversifikation ist in dieser Lage schon fast unumgänglich.

Dass SIG vieles richtig macht, bescheinigen übrigens just die Schweden. Haldor Foundation, die Holding der ­Tetra-Pak-Gründerfamilien, ist mit einer Beteiligung von fast zehn Prozent auch die grösste SIG-Aktionärin. Viel weiter dürften die Skandinavier gar nicht mehr gehen, ohne die Wettbewerbsbehörden auf den Plan zu rufen.