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Rechtsanwalt Peter Nobel über das Ende des Machtkampfs bei Sika: «Strich drunter!»

Rechtsanwalt Peter Nobel hat mitgeholfen, den Deal zwischen der Familie Burkard, Sika und Saint-Gobain einzufädeln. Er sagt, welche Lehren aus dem Fall gezogen werden sollten.
Maurizio Minetti
Langjähriger Gutachter im Fall Sika: Wirtschaftsanwalt Peter Nobel. (Bild: Michel Canonica (Zürich, 31. Mai 2015))

Langjähriger Gutachter im Fall Sika: Wirtschaftsanwalt Peter Nobel. (Bild: Michel Canonica (Zürich, 31. Mai 2015))

Interview: Maurizio Minetti

Peter Nobel, Sie haben als Gutachter der oppositionellen Sika-Verwaltungsräte den Verkauf über drei Jahre lang bekämpft. Waren Sie an der Ausarbeitung der jetzigen Übereinkunft beteiligt?

Ja, ich war einer der Involvierten. Es gab neben mir aber verschiedene andere Personen, die an der Lösung gearbeitet haben. Es war ein ganzes Team, das hervorragend gearbeitet hat.

Wann begann der Deal zu reifen?

Ich darf mich nicht zu den Einzelheiten äussern. Was ich aber sagen kann: Die drei Parteien haben vor rund 3, 4 Wochen angefangen, miteinander zu reden. Es ist also alles relativ schnell gegangen, wenn man bedenkt, dass Saint-Gobain zu Beginn des Streits nicht mit den Sika-Vertretern reden wollte.

Hat man bei Sika Wind bekommen vom Inhalt des bevorstehenden Urteils des Zuger Obergerichts und darum eine schnelle Lösung gesucht?

Nein, niemand weiss, wie das Obergericht entschieden hätte. Eine Niederlage von Sika hat sich nach dem Sieg vor dem Kantonsgericht aber sicher nicht abgezeichnet. Die drei Parteien haben nun alle Gerichtsverfahren beendet.

Ist die nun abgeschlossene Vereinbarung die bessere Lösung, als es ein eventueller Sieg von Sika vor dem zuständigen Obergericht gewesen wäre?

Ja, auf jeden Fall, weil auch ein Sieg von Sika vor dem Obergericht wohl dazu geführt hätte, dass das Verfahren vor Bundesgericht kommt und uns noch lange beschäftigt hätte. Zudem wäre am Ende die Familie Burkard auch bei einer Niederlage zurückgekommen.

Hat der ausgehandelte Deal keine Fallstricke?

Ich glaube nicht. Saint-Gobain kann bis auf weiteres kein Übernahmeangebot für Sika machen, sondern nur die eigene Beteiligung um ein paar Prozente erhöhen.

In einigen Jahren wird Saint-Gobain aber einen neuen Anlauf nehmen können.

Ja, aber das können bei einer börsenkotierten Firma prinzipiell alle. Der beste Schutz vor feindlichen Übernahmen ist deshalb ein hoher Aktienkurs. Am Freitag ist die Sika-Aktie nach Bekanntwerden des Deals stark angestiegen. Das habe ich so erwartet. Die Entwicklung zeigt, dass sehr viele Emotionen im Markt waren. Selbst während des Belagerungszustandes ist der Kurs ständig gestiegen. Jetzt hat die Sika-Aktie einen Befreiungssprung nach oben gemacht.

Um den Deal finanziell stemmen zu können, steht Sika nun aber unter Druck, den Aktienkurs hoch zu halten.

Der Druck ist nicht höher als bei anderen Unternehmen. Ausserdem werden die von der Familie erworbenen Aktien mittels einer Kapitalherabsetzung vernichtet. Die Auswirkung des Deals auf die Sika-Bilanz ist verkraftbar.

Mit der geplanten Einführung der Einheitsaktie werden auch Vinkulierung und Opting-out abgeschafft. Das heisst aber auch, Sika ist wieder anfälliger für feindliche Übernahmeversuche von aussen.

Wenn jemand Sika übernehmen will, muss er heute viel Geld in die Hand nehmen. Und ob man dann eine Mehrheit erreicht, ist mehr als fraglich. Aber ich schliesse nichts aus. Sehen Sie: Sika hat sich nicht gegen die Marktwirtschaft gewehrt, sondern dagegen, dass Management und Verwaltungsrat übergangen wurden und die Erbenfamilie vor dem Abschluss des Kaufvertrages mit Saint-Gobain nicht mit ihnen gesprochen hat.

Braucht es nun einen neuen starken Ankeraktionär?

Nein, Sika hat mit dem Ausstieg der Familie Burkard keinen Ankeraktionär mehr, und das ist gut so. Man kann als Publikumsgesellschaft gut leben.

Ein Streit hinterlässt immer auch einen Scherbenhaufen. Was ist im Fall Sika zerstört worden?

Im Verhältnis zwischen Sika und Saint-Gobain nichts. Saint-Gobain ist immer noch einer der grössten Kunden von Sika.

Zwischen dem Sika-Management und der Familie Burkard ist das Tuch aber zerschnitten.

Das spielt keine Rolle, die Familie ist weg, sie sitzt nicht mehr im Verwaltungsrat, sie hat sich verabschiedet. Strich drunter! Ich wüsste nicht, warum sich Management und Erben noch vertragen sollten.

Was bedeutet das Ende des Sika-Streits für die Schweizer Wirtschaft?

Die Lehre, die man daraus ziehen kann, ist folgende: Wenn ein Verwaltungsrat mutig genug ist, kann er eine Übernahmeschlacht gewinnen. Es war seitens des Sika-Verwaltungsrats unter dem Strich eine erfolgreiche Verteidigungsmassnahme. Bislang war es in der Schweiz ja eher so, dass Verwaltungsräte zwar wissen, was man zu tun hat, um eine feindliche Übernahme abzuwehren – sie machen es aber aus Furcht vor Konsequenzen nicht. Sika-Präsident Paul Hälg und die anderen haben jahrelang ohne Lohn gearbeitet und sind hartnäckig geblieben. Manager und Verwaltungsräte sollten also immer gut überlegen, wie man sich verteidigen kann – und dies dann auch durchziehen. Dass Sika weiterhin eigenständig bleibt, ist ein generelles Signal: Die Verkaufswut von Firmeneigentümern ist nicht immer das Gelbe vom Ei.

Zur Person

Peter Nobel (72) ist Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Wirtschaftsrecht und Kapitalmarktrecht. Er hat im Sika-Übernahmestreit ein Gutachten für die opponierenden Verwaltungsräte geschrieben. Der St. Galler führt eine Anwaltskanzlei in Zürich.

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