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SIKA: «Wir sind bereit zu diskutieren»

Die Strategie der Sika-Chefs ist bisher aufgegangen. Präsident Paul Hälg will mit Saint-Gobain, der Erbenfamilie Burkard und den Aktionären eine Lösung finden. Die Fronten bleiben jedoch verhärtet.
Ernst Meier
Das Sika-Management hält an seiner Strategie fest: Verwaltungsratspräsident Paul Hälg gab sich am gestrigen Investorentag zuversichtlich.

Das Sika-Management hält an seiner Strategie fest: Verwaltungsratspräsident Paul Hälg gab sich am gestrigen Investorentag zuversichtlich.

Interview Ernst Meier

Die Burkards wollen an der ausserordentlichen Generalversammlung Ihren Verwaltungsratskollegen Daniel Sauter abwählen. Was sagen Sie dazu?

Paul Hälg:Ich sehe es als eine rein taktische Massnahme von der Gegenseite, was diese ja auch entsprechend kommuniziert hat. Man will uns damit beunruhigen und gleichzeitig eine Berechtigung für die Durchführung der Generalversammlung vom 24. Juli schaffen.

Werden Sie die Abwahl zulassen, indem Sie die Stimmrechte der Familie beim entsprechenden Traktandum nicht beschneiden?

Hälg: Darüber haben wir im Verwaltungsrat noch nicht entschieden. Wir haben aber immer kommuniziert, dass am jetzigen Zustand nichts geändert werden soll, bis der juristische Prozess abgeschlossen ist. Eine Abwahl von Daniel Sauter macht keinen Sinn. Als ausgewiesener Finanzexperte bringt er wichtige Kompetenz in unser Gremium.

Die Gegenseite bezeichnet Sauter als Ideologen und Scharfmacher unter den opponierenden Verwaltungsräten.

Hälg:Das gehört wohl zur Kampagne der Gegenseite und trifft nicht zu. Ich kann bestätigen, dass alle unabhängigen Verwaltungsräte geschlossen hinter unserem Vorgehen stehen. Wir haben alle Entscheide einstimmig gefällt.

Eine ausserordentliche GV am 24. Juli durchzuführen, macht wenig Sinn, nachdem das Zuger Obergericht vor zwei Wochen den Entscheid des Kantonsgerichts bestätigt hat.

Hälg:Die Versammlung vom 14. April hat die ausserordentliche GV beschlossen, und der Entscheid des Obergerichts erlaubt uns, die Stimmrechte der Schenker-Winkler-Holding der Familie Burkard zu beschränken. Wir arbeiten im Moment an den Vorbereitungen zur ausserordentlichen GV, haben im Verwaltungsrat aber über die Durchführung noch nicht entschieden.

An der GV haben die Burkards den Lohn des gesamten Verwaltungsrates gestrichen. Manager gelten allgemein als Geld-motiviert. Wie ist das für Sie, in diesem Jahr gratis zu arbeiten?

Hälg: Dass unser Entlöhnungsbudget nicht genehmigt worden ist, habe ich mittlerweile bereits vergessen. Wir haben eine Aufgabe. Zu der haben wir Ja gesagt, also nehmen wir sie wahr. Ich denke, dass sich das Problem irgendwann einmal lösen wird, sodass wir zumindest unsere Spesen gedeckt haben.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den drei Verwaltungsräten Urs Burkard, Jürgen Tinggren und Willi Leimer, welche die Schenker-Winkler Holding der Erbenfamilie vertreten?

Hälg:Wir haben die normalen Verwaltungsratssitzungen, wo wir ganz sachlich über die Geschäfte diskutieren. Ansonsten ist das Verhältnis sehr distanziert. Ich bin nach wie vor enttäuscht über das Vorgehen der Familie Burkard. Ich kann verstehen, dass sie sich von ihrer Sika-Beteiligung trennen will. Die Art und Weise, wie man vorgegangen ist, kann ich aber heute noch nicht nachvollziehen.

Die Situation ist total blockiert. Gibt es eine Lösung?

Hälg:Wir sind bereit, mit den Parteien an einen Tisch zu sitzen. Es gibt Lösungsvorschläge, die sowohl die Familie Burkard als auch Saint-Gobain miteinbeziehen. Wichtig ist, dass alle Lösungen unter Mitsprache der Publikumsaktionäre erfolgen. Sie sollen das Recht haben, einen Vorschlag anzunehmen oder abzulehnen.

Sie haben mit dem Vermögensverwalter Southeastern und deren Partner Nassef Sawiris einen neuen Grossaktionär. Was bedeutet das?

Hälg: Ich habe dies auch erst gestern erfahren. Für uns ist es sehr positiv. Laut ersten Angaben unterstützt Southeastern ganz klar unsere Strategie – wie das auch Cascade, die Investmentfirma von Bill Gates, Ethos sowie die Gruppe Sika-Spirit tun.

Haben Sie schon mit Nassef Sawiris gesprochen?

Hälg:Nein, wir haben uns noch nie getroffen. Von meiner Tätigkeit als CEO bei Dätwyler in Altdorf kenne ich aber seinen Bruder Samih Sawiris.

Drei Ihrer Verwaltungsratskollegen sehen sich mit einer Verantwortlichkeitsklage konfrontiert. Auch Sie will man noch einklagen, hat die Familie Burkard verkünden lassen. Was sagen Sie dazu?

Hälg:Bisher handelt es sich um reine Gesprächsverhandlungen vor dem Friedensrichter, welche die Verwaltungsräte Monika Ribar, Ulrich Suter und Christoph Tobler erhalten haben. Eine effektive Klage mit einer genauen Schadenersatzforderung liegt nicht vor.

Sie müssen sich aber auf eine Klage gefasst machen?

Hälg:Wir haben das Risiko von Anfang an miteinbezogen. Wir haben nicht den Eindruck, dass wir irgendetwas falsch gemacht haben. Das Tagesgeschäft von Sika hat keinen Schaden genommen. Wir sind auch im laufenden Jahr sehr gut unterwegs und verzeichnen steigende Umsätze. Niemand im 167-köpfigen Top-Management hat in den vergangenen sieben Monaten gekündigt. Für den Abwehrkampf setzen wir vorwiegend externe Mitarbeiter ein, damit das Unternehmen nicht belastet wird. Dass dies etwas kostet, ist klar. Die Kosten weisen wir offen aus. Sie sind deutlich tiefer als der Schaden, der entstehen würde bei einer Übernahme.

Wie stehen die Chancen, dass es zu einer gütlichen Einigung kommt?

Hälg: Eine Prognose will ich nicht abgeben. Wir werden den eingeschlagenen Weg weitergehen und sind bereit für Gespräche. Bis ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, können Jahre vergehen.

Sawiris-Clan steigt bei Sika ein

eme. Das Sika-Management hat im Kampf um den Verkauf der Kontrollmehrheit an den Konzern Saint-Gobain einen neuen Verbündeten gewonnen. Der US-Vermögensverwalter Southeastern Asset Management hat 3 Prozent der Sika-Aktien erworben und unterstützt die unabhängigen Verwaltungsräte im Kampf gegen die Erbenfamilie Burkard. Der Deal solle nicht wie derzeit geplant verlaufen, gab Southeastern bekannt. Der Einstieg der Investmentfirma hat selbst Sika-Präsident Paul Hälg überrascht (siehe Interview).

Diese Unterstützung bringt neue Brisanz in den hart geführten Übernahmekampf. Nicht nur, weil sich ein neuer Grossinvestor (verwaltete Vermögen: 25 Milliarden Franken) neben die bekannten Sika-Stützen Cascade (Anlagefirma von Bill Gates), Fidelity und Threadneedle gesellt. Southeastern hält die Sika-Aktien in einem Fonds, der mit dem ägyptischen Investor Nassef Sawiris (53) und anderen strategischen Investoren assoziiert ist.

Bruder von Samih Sawiris

Nassef Sawiris ist Chef des ägyptischen Baukonzerns Orascom Construction, Lafarge-Grossaktionär und designierter Verwaltungsrat von Lafarge-Holcim. In der Schweiz kennt man vor allem seinen Bruder Samih Sawiris, Tourismusunternehmer in Andermatt. Man habe die Sika-Aktien über die vergangenen Wochen am Markt erworben, gab Southeastern gestern bekannt. Den Kauf betrachte man als langfristige Investition. Sika sei ein innovativer Marktführer und habe globales Wachstumspotenzial. Ob sich Southeastern den Klagen von Bill Gates & Co. anschliesse, wisse man derzeit nicht. Im Interesse aller Aktionäre suche Southeastern den Dialog mit allen Parteien.

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