Bitcoin Suisse schlägt Alarm: Liechtenstein lockt Zuger Kryptofirmen

In Liechtenstein nimmt ein Blockchain-Gesetz Formen an. Das zieht Firmen aus dem Zuger Crypto Valley an. Der Pionier Bitcoin Suisse bekennt sich zu Zug – und rechnet mit Bundesbern ab.

Maurizio Minetti
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Arthur Vayloyan, CEO von Bitcoin Suisse mit Sitz in Zug. (Bild: PD)

Arthur Vayloyan, CEO von Bitcoin Suisse mit Sitz in Zug. (Bild: PD)

Am vergangenen Mittwoch hat die Regierung von Liechtenstein die Vernehmlassung für ein Blockchain-Gesetz gestartet. Es ist weltweit das erste seiner Art. Liechtenstein schafft damit Rechtssicherheit für die dort entstehende Kryptobranche; aber auch Kundenschutz sowie mögliche Reputationsrisiken für Liechtenstein sollen damit geregelt werden.

Schon allein die Tatsache, dass ein Gesetz entsteht, hat viele Kryptounternehmen angelockt. Gerade auch solche, die sich in den letzten Jahren im Zuger Crypto Valley angesiedelt haben. Während das neue Gesetz erstmals das Rechtskonstrukt des «Token» im liechtensteinischen Recht einführt, gibt es hierzulande dazu erst eine Wegleitung der Finanzmarktaufsicht Finma. Allein 2017 habe Liechtenstein Anfragen von über 100 Unternehmen erhalten, sagte Liechtensteins Regierungschef Adrian Hasler.

«Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir in der Schweiz geduldet sind, während man uns in Liechtenstein den roten Teppich ausrollt.»

Arthur Vayloyan verfolgt die Entwicklung in Liechtenstein ganz genau. Der 56-Jährige ist seit November 2017 CEO von Bitcoin Suisse mit Sitz in Zug. «Das älteste Schweizer Kryptounternehmen», wie er sagt. Dieser Tage hat Bitcoin Suisse seinen fünften Geburtstag gefeiert. Angefangen hat das von Niklas Nikolajsen gegründete Unternehmen als Wechselstube für Kryptowährungen. Mittlerweile bietet Bitcoin Suisse eine ganze Palette an Finanzdienstleistungen im Kryptoumfeld an. Über 65 Personen arbeiten derzeit bei Bitcoin Suisse – Ende 2017 waren es erst 20. Bald sollen es 100 sein. «Das Unternehmen ist profitabel und hat ein langfristig orientiertes Aktionariat», sagt Vayloyan.

Unbestritten ist in der Zuger Kryptoszene, dass Bitcoin ­Suisse zusammen mit Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin massgeblich dazu beigetragen hat, das Zuger Crypto Valley zu etablieren und international bekannt zu machen. Bitcoin Suisse hat also auch eine symbolische Bedeutung für das Zuger Crypto Valley. Umso mehr Gewicht erhält die kürzlich in der «Handelszeitung» von Bitcoin Suisse gemachte Aussage, wonach man angesichts der schleppenden Blockchain-Reformen in der Schweiz «nicht mehr auf Zug fixiert sei».

Arthur Vayloyan relativiert diese Aussage, aber man hört aus seinen Worten eine gewisse Ernüchterung: «Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir in der Schweiz geduldet sind, während man uns in Liechtenstein den roten Teppich ausrollt.» Die Schweiz habe mit dem Crypto Valley Pionierarbeit geleistet. «Die Kombination der Erfahrung des Finanzplatzes und das Technologie-Know-how der hiesigen Hochschulen verschaffen uns grosse Vorteile.» Nun riskiere man aber, den Anschluss zu verlieren. Vayloyan verdeutlicht die Situation mit einem Bonmot eines früheren Bundesrates: «Die Schweizer stehen zwar früh auf, aber sie erwachen spät.»

Lob für Kanton und Stadt Zug

Der ehemalige Credit-Suisse-Banker legt Wert auf die Feststellung, dass Kanton und Stadt Zug stets sehr proaktiv seien, die Kryptofirmen zu pflegen: «Der Reformstau besteht auf Bundesebene.» Einen Wegzug aus Zug kann sich Vayloyan dennoch nicht vorstellen. «Ich schliesse aber nicht aus, dass wir in Liechtenstein ein zweites Standbein aufbauen.» Liechtenstein ist im Gegensatz zur Schweiz Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR). «Das ermöglicht uns einen leichteren Zugang zu Europa», sagt er.

Mittlerweile hat der Bund reagiert. Er will bis Ende Jahr einen Bericht zur Regulierung der Blockchain-Branche erstellen. Vielen Akteuren der Schweizer Kryptoszene dauert das aber zu lange. In Liechtenstein läuft die Vernehmlassung zum Gesetz noch bis zum 16. November 2018. Das Blockchain-Gesetz dürfte bereits im Sommer 2019 in Kraft treten.

ZUG: Stabübergabe beim Krypto-Broker

Der älteste Schweizer Broker für Kryptowährungen, Bitcoin Suisse, installiert einen Banker auf dem Chefposten. Er will nicht jeden «Krypto-Börsengang» mitmachen.
Maurizio Minetti