Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Frachtkosten und Iran-Sanktionen treiben Benzinpreis in die Höhe

Der Benzinpreis in der Schweiz wird in erster Linie vom Rohölpreis, dem Wechselkurs sowie den Frachtkosten bestimmt. Bei zwei dieser drei Faktoren herrscht derzeit grosse Unsicherheit. Insbesondere die Transportkosten dürften weiter steigen.
Raphael Bühlmann
Ein Frachtschiff passiert auf dem Mittelrhein die Sandbank bei der deutschen Stadt Oberwesel. Bild: Thomas Frey/Keystone (17. Oktober 2018)

Ein Frachtschiff passiert auf dem Mittelrhein die Sandbank bei der deutschen Stadt Oberwesel. Bild: Thomas Frey/Keystone (17. Oktober 2018)

Ab Montag tritt das alte Sanktionsregime gegen den Iran in Kraft. Dies, nachdem die Vereinigten Staaten im Mai das seit 2015 bestehende Nuklearabkommen mit Teheran einseitig aufgekündigt hatten. Die US-Regierung zielt dabei auf den bedeutendsten Wirtschaftszweig des Landes und will iranische Erdölexporte so weit als möglich unterbinden. Bereits die Ankündigung hat in den vergangenen Wochen ihre angedachte Wirkung nicht verfehlt. Aus Angst, es sich mit den USA zu verscherzen, haben sich viele Importländer nach alternativen Beschaffungsmöglichkeiten umgesehen.

«Obwohl die US-Ölsanktionen gegenüber dem Iran erst am Montag in Kraft treten, sind Irans Rohölexporte bereits stark zurückgegangen – seit April um etwa 900 000 Fass pro Tag», weiss UBS-Analyst Giovanni Staunovo. Dies hatte unweigerlich auch Einfluss auf den Benzinpreis in der Schweiz. Anfang Oktober kostete ein Fass der international gehandelten Sorte Brent wieder knapp 85 Dollar – so viel wie seit vier Jahren nicht mehr.

85 Dollar pro Fass bis Ende Jahr erwartet

Im Oktober haben die Preise allerdings wieder etwas nachgelassen. Dies wohl nicht zuletzt deshalb, weil derweil absehbar ist, dass das von der US-Regierung erklärte Ziel, die iranischen Exporte auf null zu bringen, nicht realisierbar ist. Staunovo: «China, Indien und vermutlich auch die Türkei werden weiterhin iranisches Öl kaufen.» Die iranischen Ausfälle seien zudem durch Russland und Saudi-Arabien aufgefangen worden. Ferner versuchten einige Länder wie Indien – Irans wichtigster Ölkäufer –, eine Aussetzung der Sanktionen zu erwirken. Laut Staunovo seien aber die Kapazitätsreserven stark gefallen, was den Ölmarkt für weitere Produktionsausfälle anfälliger machen würde. «Wir erwarten, dass der Ölpreis bis Jahresende wieder Richtung 85 US-Dollar pro Fass ansteigen wird», so Staunovo. Keinen Einfluss sollte der Wechselkurs, der zweite wichtige Faktor in der Preisentwicklung, haben. Die Ökonomen der UBS sehen den Dollar weiterhin um die Marke von 1.00 Franken schwanken.

Kritischer beurteilt Staunovo aber den dritten wesentlichen Einflussfaktor für den Schweizer Treibstoff- und Ölpreis. «Problematischer ist die Wassermenge im Rhein, die Ölimporte in die Schweiz limitiert und sich auf die Benzin- und Dieselpreise preisstützend auswirken könnte», so Staunovo. Auf Nachfrage ist bei den Schweizer Rheinhäfen von einer «angespannten Situation» die Rede. Per 19. Oktober 2018 musste die Grossschifffahrt weitgehend eingestellt werden. Tankschiffe fahren noch eingeschränkt. Entsprechend besorgt gibt man sich beim Verband der schweizerischen Erdölwirtschaft. «Wegen tiefer Pegelstände auf dem Rhein kommen nur wenige Tanker bis Basel, die kaum beladen sind», schreibt David Suchet von der Erdöl-Vereinigung auf Anfrage. Die Kapazitäten der Bahn- und Pipeline-Importe seien ebenfalls nahezu ausgeschöpft mit dem Resultat, dass die Frachtkosten entsprechend angestiegen sind.

Jetzt kommen die trockenen Monate

Normalerweise beträgt der Transportanteil von Rotterdam nach Basel für einen Liter Bleifrei 95 rund 1 bis 2 Rappen pro Liter. Gemäss der Erdöl-Vereinigung betrug der Anteil Anfang Oktober 10 Rappen. Letzte Woche waren es 14 Rappen pro Liter (siehe Grafik). Der Konsument spürte dies an der Zapfsäule bisher nur bedingt. Die steigenden Frachtkosten wurden im Oktober noch vom kurzfristig schwächeren Rohölpreis kompensiert. Doch die Situation könnte sich bald verschärfen.

Eine Einschätzung der Auswirkungen der US-Sanktionen gegen den Iran bleibt für Experten schwierig, könnte aber den Rohölpreis mittelfristig weiter anheizen. Auf jeden Fall prekär bleibt die Situation in Basel. Denn in den nächsten Monaten ist nicht mit mehr Wasser im Rhein zu rechnen. Im Gegenteil. Gemäss Bundesamt für Umwelt sinkt die Abflussmenge der Gewässer mit alpinen Einzugsgebieten in den Spätherbst- und Wintermonaten generell auf den tiefsten Wert des Jahres. «Wenn es in nächster Zeit auf der Alpennordseite wenig regnet – oder es kalt bleibt und der Niederschlag in Form von Schnee fällt –, wird der Rheinpegel weiter sinken», schreibt Edith Oosenbrug von der Abteilung Hydrologie des Bundesamtes für Umwelt. Auf die Frage, ob es auch Tankschiffe bald nicht mehr nach Basel schaffen, schreibt eine Sprecherin der Schweizer Rheinhäfen: «Es ist schwierig, Prognosen zu machen. Wir beobachten die Situation.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.