SIX-Eigentümer beschenken sich reichlich

Das Gemeinschaftsunternehmen der Schweizer Banken zahlt abermals eine hohe Sonderdividende. Und gewährt seinen Eigentümern dicke Rabatte.

Daniel Zulauf
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Verkauf des Kartengeschäfts beschert SIX Riesengewinn. (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

Verkauf des Kartengeschäfts beschert SIX Riesengewinn. (Bild: KEYSTONE/ENNIO LEANZA)

SIX, die Betreiberin der Schweizer Börsen- und Finanzmarktinfrastruktur, lässt bei ihren Eigentümerbanken noch einmal so richtig die Kasse klingeln. 416 Millionen Franken Dividende erhalten die 125 Institute heuer, grösstenteils in Form einer Sonderausschüttung nach dem 2018 erfolgten Verkauf des Zahlkartengeschäfts an die französische Worldline-Gruppe.

Hauptnutzniesser sind die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, die zusammen 32 Prozent aller SIX-Anteile besitzen. Seit der Gründung der SIX im Jahr 2008 hat das Unternehmen mehr als 2 Milliarden Franken an ihre Aktionäre ausbezahlt. Darüber hinaus profitieren diese von beträchtlichen Rabatten auf den von SIX erbrachten Leistungen im Börsengeschäft und in anderen Bereichen. Die Preisnachlässe bewegen sich nach Angaben von Finanzchef Daniel Schmucki in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe.

Der Umsatz halbiert sich

In den nächsten Jahren dürfte der Geldfluss allerdings deutlich dünner werden. Nach der im November abgeschlossenen Worldline-Transaktion schrumpft der Umsatz des Konzerns von knapp 2 Milliarden Franken auf nur mehr gut die Hälfte zusammen. Dementsprechend schmilzt auch der ordentliche Gewinn aus den mit noch knapp 2500 Mitarbeitern fortzuführenden Geschäften. 2018 betrug dieser gemäss einer von SIX präsentierten Proforma-Rechnung noch 95 Millionen Franken. 2017 hatte die SIX im ordentlichen Geschäft, einschliesslich Zahlkarten, 207 Millionen Franken verdient.

Nach der vom neuen CEO Jos Dijsselhof durchgeführten Verschlankungskur ist die SIX nun also da, wo sie die Eigentümerbanken haben wollten. Das «Silo»-Denken, wie es in der alten Organisation vorgeherrscht habe, sei aufgebrochen. Jetzt könne die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe neu gestaltet werden, sagt der Niederländer. Der Rückzug auf das Kerngeschäft erfolgte allerdings nicht freiwillig. Schon vor Jahren musste die SIX ihren Anteil an der weltgrössten Derivatehandelsplattform Eurex der Deutschen Börse überlassen, nachdem sie von dieser zunehmend in die Rolle der Juniorpartnerin gedrängt worden war. Aus dem gleichen Grund gaben die Schweizer auch ihre Beteiligung am Indexanbieter Stoxx an die Deutsche Börse ab.

IT-Dienstleistungen und Kryptobörse

Der Verkauf des Zahlkartengeschäftes folgt einer ähnlichen Logik. Zwar steht dem Zahlkartengeschäft in Europa ein grosses Wachstum bevor. Doch wer in diesem Rappengeschäft vorne mitspielen will, muss vor allem gross sein. Dazu hätten die Schweizer Banken ihrem Gemeinschaftsunternehmen weitere Milliardenzukäufe ermöglichen müssen. Stattdessen haben sie sich entschieden auszusteigen, um als Minderheitsaktionär von Worldline (27 Prozent) wenigstens für eine gewisse Zeit passiv am erwarteten Wachstum des Marktes zu partizipieren.

Mit den freigesetzten Ressourcen will die SIX nun das verbleibende Geschäft forcieren. Nach den Sommerferien soll die Kryptobörse ihren Pilotbetrieb aufnehmen. Es geht um eine digitale Plattform, auf der die in Kryptowährungen denominierten Vermögenswerte gehandelt, abgewickelt und verwahrt werden können. Zudem will die SIX dem Finanzplatz eine sichere schweizerische «Cloud-Lösung» zu externen Speicherung besonders sensitiver Daten anbieten. 

Ferner sollen Banken dereinst die aufwendigen Prozesse zur Identifikation ihre Kunden an die SIX übertragen. Diese arbeitet an einem weitgehend automatisierten System. Rund 150 Millionen Franken hat die SIX im vergangenen Jahr in ihre neuen Kerngeschäfte investiert. Sie erhofft sich damit in Zukunft wieder auf das alte Umsatzniveau zurückkehren zu können.