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SIX und Worldline verkünden Traumhochzeit

Die Schweizer Finanzdienstleisterin wird Junior-Partner bei Europas grösstem Zahlungsabwickler.
Daniel Zulauf
Für die Arbeitsplätze der 1600 SIX-Mitarbeiter soll die Partnerschaft keine Bedrohung sein. (Ennio Leanza/Keystone)

Für die Arbeitsplätze der 1600 SIX-Mitarbeiter soll die Partnerschaft keine Bedrohung sein. (Ennio Leanza/Keystone)

In einer Stadt, in der die Hochhäuser wie Pilze aus dem Boden schiessen, ist es langfristig besser, Stockwerkeigentümer im höchsten Gebäude zu werden, statt Herr im eigenen Häuschen zu bleiben. Frei nach diesem Motto bringen die Schweizer Banken ihr bei der gemeinsamen Börsen- und Finanzmarktinfrastrukturbetreibe­rin Six angesiedeltes Geschäft mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr in eine «strategische Partnerschaft» mit der französischen Wordline ein.

Die SIX avanciert so zur zweitstärksten Aktionärin (27 Prozent) hinter dem französischen IT-Konzern Atos (51 Prozent) in dem nun mit Abstand grössten Anbieter in Europas Zahlungsbranche. Worldline-Chef Gille Grapinet sprach gestern von einer Traumhochzeit («Dream-Deal»).

Die Six bringt einen jährlichen Umsatz von über 630 Millionen Franken oder umgerechnet rund 530 Millionen Euro in die Partnerschaft ein. Damit steigt das Geschäftsvolumen von Worldline auf 2,3 Milliarden Euro und die Franzosen werden quasi über Nacht mehr als doppelt so gross wie ihr nächster Verfolger, die dänische Nets.

Six geht beträchtliches finanzielles Risiko ein

Für das Geschäft, das im vergangen Jahr mehr als 50 Millionen Franken oder rund ein Fünftel zum Betriebsgewinn von Six beigesteuert hatte, lassen sich die Schweizer fürstlich bezahlen – wenn auch nicht ohne Inkaufnahme eines beträchtlichen finanziellen Risikos: Fast 90 Prozent des Gesamtpreises von 2,8 Milliarden Franken bezahlt Wordline über die Ausgabe von 49 Millionen neuen Aktien. In Bar fliessen lediglich 338 Millionen Franken. Und die Worldline-Aktien sehen nicht gerade billig aus. Seit dem Börsengang der Gesellschaft im Juni 2014 sind die Titel von gut 16 Euro auf zuletzt über 44 Euro gestiegen. Gestern legten die Papiere mehr als 2 Prozent zu.

Doch die Six verfolge einen langfristigen Plan, versicherte deren Präsident Romeo Lacher. Es gehe darum, die Konsolidierung in der europäischen Zahlbranche aktiv mitzugestalten, und zwar so, dass die Gesellschaft «auch in Zukunft der zentrale Anbieter» für Bezahldienstleistungen bleibe. Im Zahlkarten- beziehungsweise im ­Acquiring-Geschäft übernimmt die SIX gegen eine kleine Trans­aktionsgebühr Dienstleistungen, die nötig werden, wenn ein Kunde im Laden oder im Restaurant per Karte bezahlt.

Es ist ein margenarmes Geschäft, das von Skaleneffekten lebt: Je mehr Transaktionen, desto rentabler, lautet die Formel. In den vergangen Jahren investierte die Six jährlich 40 Millionen Franken und erreichte damit gerade mal den achten Platz in der europäischen Rangliste der grössten Anbieter. Die mit der neuen Partnerschaft erreichte Grösse schafft also ein erhebliches Synergiepotenzial. Worldline spricht von 110 Millionen Euro pro Jahr ab 2022.

Apple und Google machen Banken Konkurrenz

Für die Arbeitsplätze der 1600 SIX-Mitarbeiter, die voraussichtlich Ende Jahr einen neuen Arbeitgeber erhalten, sei die Partnerschaft keine Bedrohung, betonte Lacher. Nicht nur würden sich die Geschäftsfelder der beiden Firmen geografisch geradezu perfekt ergänzen. Vielmehr sei die Partnerschaft auch klar auf Wachstum angelegt.

Ein wichtiger Treiber der Konsolidierung im europäischen Zahlungsgeschäft war die Standardisierung des Zahlungsverkehrs im Euroraum vor gut drei Jahren. Der Schulterschluss zwischen Worldline und SIX werde diese Konsolidierung nun weiter befeuern, meinte Grapinet. Diese Prognose ist auch deshalb plausibel, weil die Banken im Zahlungsgeschäft zunehmend Konkurrenz von Technologiefirmen wie Apple und Google erhalten und entsprechend viel in neue kontaktlose Bezahlsysteme investieren müssen. Allein die Entwicklung von Twint in der Schweiz hat bislang rund 70 Millionen Franken verschlungen.

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