SKISPORT: Stöckli investiert 4 Millionen

Der Skihersteller Stöckli investiert in die Produktion und in den Vertrieb. CEO Mark Gläser ist indes trotz Aufhebung des Mindestkurses zuversichtlich für die Firma im Premium-Markt.

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Einblick in die Produktion des Zentralschweizer Skiherstellers Stöckli in Malters. (Bild Dominik Wunderli)

Einblick in die Produktion des Zentralschweizer Skiherstellers Stöckli in Malters. (Bild Dominik Wunderli)

Bernard Marks

Salomon, Atomic, Völkl oder Blizzard sind längst keine eigenständigen Skifabrikanten mehr. Der Grund ist einfach erklärt: Die Verkaufszahlen für Ski sind seit Jahren sinkend. Die weltweiten Verkäufe stagnieren bei rund 3,3 Millionen Paar Ski. Vor zehn Jahren waren es noch acht Millionen Paar. Die Konsolidierung in der Branche hat zur Bildung grosser Sportkonzerne geführt. Die amerikanische Jarden Corporation mit Hauptsitz in Florida zum Beispiel, zu der die Skihersteller Völkl und K2 gehören, macht 7 Milliarden Dollar Umsatz.

Salomon und Atomic sind Teil des französischen Sportkonzerns Salomon. Blizzard gehört zur Tecnica-Gruppe mit Sitz in Italien. Als einer der wenigen namhaften Skihersteller hat es die Stöckli Sport AG bisher geschafft, eigenständig zu bleiben. Eine bemerkenswerte Leistung in einem hart umkämpften Markt.

Konstant 50 000 Paar Ski

Ein Grund dafür dürfte sein, dass sich der Schweizer Markt punkto verkaufter Ski seit 1995 im Vergleich zum internationalen Markt deutlich weniger konsolidiert hat. Insgesamt ging der Verkauf von Ski seit den 90er-Jahren um 21 Prozent auf 313 000 Paar Ski und Snowboards zurück (siehe Grafik). Die Firma Stöckli verkauft jährlich rund 50 000 Paar Ski und konnte dieses Niveau seit Jahren stabil halten.

Geht es nach dem neuen CEO der Firma, Marc Gläser (46), soll sich in den kommenden Jahren bei Stöckli aber einiges verbessern. «Wir wollen unsere Produktion steigern und vor allem die Produktivität verbessern», sagt Gläser im Gespräch mit unserer Zeitung. Dafür sind Investitionen in Millionenhöhe geplant. Allein 2 Millionen Franken investierte der Skihersteller in den Maschinenpark und den Ausbau der Immobilie für die Skiherstellung in Malters. «Wir wollen die Herstellungskosten unserer Ski durch Prozessoptimierungen und Investitionen in Maschinen senken», sagt Gläser.

Bikedivision gegründet

Auch im Bereich Freizeiträder will Stöckli Fortschritte und zusätzlichen Umsatz generieren. Dazu hat man bei Stöckli eine eigene Bikedivision gegründet und einen Leiter Bike eingestellt. «Dieser strategische Schritt zeigt, dass wir es im Bikebereich ernst nehmen und die saisonalen Schwankungen unseres Geschäftes ausgleichen wollen», sagt Gläser. «Hierbei sind wir gut unterwegs», sagt Gläser.

Auf welchem Niveau die Stöckli-Mountainbikes sind, zeigen Top-Sportler wie Jolanda Neff und Matthias Flückiger, die im nächsten Jahr mit einem Stöckli-Bike zu den Olympischen Spielen nach Brasilien fahren. «Stöckli-Bikes sollen neben den eigenen Filialen künftig auch vermehrt im Fachhandel verkauft werden», sagt Gläser. Dazu hat Stöckli einen Verkaufsleiter für die Schweiz eingestellt. «Insgesamt investieren wir mit allen diesen Massnahmen in unseren Standorten rund 4 Millionen Franken», schätzt Gläser.

Kritik an der SNB

«Stöckli-Ski verkaufen sich derzeit gut», sagt Gläser – und das trotz des schlechten Winters in diesem Jahr. Allein die Geschäfte im Bekleidungsbereich laufen weniger zufriedenstellend. «Die Leute kommen einfach nicht richtig in Winterstimmung», sagt Gläser.

Der vorgestrige Entscheid der SNB, den Mindestkurs zum Euro aufzuheben, werde seiner Ansicht nach den Detailhandel zusätzlich unter Druck setzen. «Es war klar, dass die SNB das nicht langfristig durchhalten konnte, die 1.20 zum Euro zu verteidigen, das wäre ruinös. Doch die Art und Weise ist radikal», sagt Gläser. Er hätte sich einen schrittweisen Rückgang gewünscht: «Damit die Unternehmen Zeit haben, sich darauf einzustellen», so Gläser. Eine Differenz von rund 15 Prozent können Unternehmungen nicht in einem halben Jahr wettmachen. «Das bringt grosse Herausforderungen für den Export und den Detailhandel Schweiz», denkt Gläser.

Auch Stöckli ist vom Export abhängig. Der Skiexportanteil der Firma liegt bei 40 Prozent. «Der Preisdruck für Stöckli-Ski wird sich erhöhen», sagt Gläser. «Aber wir sind im Ausland ohnehin im Premium-Segment tätig, wo die Preissensitivität etwas geringer ist.» Gläser zieht denn auch gerne den Vergleich mit der Automarke Porsche: «Die haben den Umsatz in den letzten fünf Jahren verdoppelt», sagt Gläser. «Wir finden, dass unser Produkt Porsche-Qualität und -Eigenschaften bezüglich Leistung wie Fahrverhalten, Verarbeitungsqualität und Geschwindigkeit hat.» Zudem konnte Stöckli laut eigenen Angaben die Produktion leicht erhöhen. «Die Prognosen zeigen, dass Skifahren in der Schweiz eine der beliebtesten Sportarten bleibt, das freut uns. Davon wollen wir profitieren», sagt Gläser.

Teilverlagerung nach Malters

Aber auch im Export von Ski will Stöckli weiter zulegen: Um das zu erreichen, will Marc Gläser den Produktionsbetrieb in Malters und die Unternehmenszentrale in Wolhusen Schritt für Schritt zusammenführen. «Ein Wegzug von Stöckli wäre eine einschneidende Massnahme», sagt der Gemeindepräsident von Wolhusen, Peter Bigler. «Nicht nur rund 40 Arbeitsplätze gingen damit in der Gemeinde verloren», sagt Bigler. Schliesslich habe Stöckli-Ski in der Gemeinde Wolhusen eine lange Tradition.

«Es ist mein Wunsch, nahe am Herzen der Firma zu sein – der Skimanufaktur», sagt derweil Gläser. Davon verspricht sich der neue Stöckli-Chef dank kürzerer Wege zwischen den Abteilungen mehr Effizienz. «Wir verlegen zunächst aber nur gewisse Abteilungen nach Malters», sagt Gläser. Das betreffe zehn bis zwölf Mitarbeiter aus dem Einkauf und dem Marketing. Alles andere ist Wunschdenken. «Wir können in Malters das Gebäude aufstocken», sagt Gläser. Es sei möglich, in Malters einen zweiten oder dritten Stock auf die Fabrik zu bauen. Die Abteilungen Produktentwicklung, Siebdruck und der Rennsport könnten in den ersten Stock zügeln, und im Erdgeschoss könnten damit die Produktionsflächen vergrössert werden. «Der Shop in Wolhusen, die Geburtsstätte von Stöckli, in dem 15 000 Kunden jedes Jahr einkaufen, wird bleiben», so Gläser.