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«SMARTER MEDICINE»: Trendtage Gesundheit Luzern: Patientennutzen vor Mengenrekorden

Die am Donnerstag zu Ende gegangenen Trendtage Gesundheit Luzern stellten nicht die Kosten, sondern den Patienten in den Mittelpunkt. Die beste Medizin würde ihm besser helfen als die maximale.
Balz Bruder
Der Mensch im Zentrum: Das war auch an den Trendtagen Gesundheit im KKL der Fall. (Bild: Monique Wittwer/PD (Luzern, 28. Februar 2018))

Der Mensch im Zentrum: Das war auch an den Trendtagen Gesundheit im KKL der Fall. (Bild: Monique Wittwer/PD (Luzern, 28. Februar 2018))

Balz Bruder

«Es ist ein Armutszeugnis, dass ich in meinem Politikeralltag mehr über Kosten als über Patienten höre», meinte der Luzerner Regierungspräsident Guido Graf an den Trendtagen Gesundheit 2018 im KKL. Es war denn auch kein Zufall, dass sich die 14. Austragung der TGL mit der «Suche nach klugen Entscheidungen für eine Medizin mit ­Augenmass» befasste. «Be smart» ist das Schlagwort der Stunde in der Gesundheitsdebatte, die ­notorisch ­zwischen befürchteter Unter- und vermuteter Über­versorgung pendelt.

Graf, gleichzeitig Gesundheitsdirektor und Präsident der Trägerorganisation Forum Gesundheit Luzern, wünschte sich vor diesem Hintergrund für einmal etwas mehr Fleisch und Blut. Und das bekam er – im übertragenen Sinn – ebenso wie die 700 Teilnehmer an den beiden Gesundheitstagen. Zum Beispiel von ­Erfolgsautor Gerd Gigerenzer, Pro­fessor am Berliner Max-Planck-­Institut für Bildungsforschung, der gründlich aufräumte mit der Art und Weise, wie wir uns als ­rationale Wesen unsere Ent­scheidungswege gerne vorstellen. Mehr positive Intuition und weniger defensive Absicherung täten auch den Ärzten gut, meinte Gigerenzer. Und erntete unter dem medizinisch durchaus gebildeten Publikum nicht den mög­lichen Sturm der Entrüstung – sondern vielmehr wohlwollende Zustimmung. Was nicht bedeutet, dass die medizinischen und monetären Folgen gleichsam handstreichartig vom Tisch wären. Die breite Palette an Fachreferaten und Podien jedenfalls vermittelte eher den Eindruck, dass das Wissen über die Ursachen und Wirkungen von Fehlanreizen im Gesundheitswesen zwar vorhanden ist. Gleichzeitig wurde aber ebenso deutlich, dass die Angst vor den Folgen, sich im «Medizin-Mikado» als Erster zu bewegen und eine unliebsame Erschütterung auszulösen, nach wie vor gross ist.

«Positiver Nebeneffekt»: Kosten sparen

Doch was bedeutet das für die «Smarter Medicine»? Für Jean-Michel Gaspoz, Professor und Chefarzt am Universitätsspital Genf, ist klar: «Das kluge Entscheiden mit Augenmass darf nicht von der Gesundheitsökonomie vereinnahmt werden, sondern ist eine Frage der Behandlungsqualität, der besten und nicht der maximalen Medizin, des Aus­tausches von Behandelnden und Patienten sowie der Verhinderung von unnützen und schädlichen Behandlungen.» Dass dabei unter Umständen Kosten eingespart werden können, «ist ein positiver Nebeneffekt», sagte Gaspoz, der den Verein «Smarter Medicine» präsidiert. Christoph A. Meier, Professor und Ärztlicher Direktor am Universitätsspital Basel, sagte es so: «Es sollte künftig um den Patientennutzen statt um die Menge medizinischer Leistungen gehen.» Und darum, dass die Bedürfnisse der Patienten nicht erst unter «ferner liefen» eine Rolle spielen, sondern auf Augenhöhe mit dem behandelnden Arzt verhandelt werden.

Es gibt denn auch der Initiativen mehr, wie die TGL 2018 vorführten. Es wird projektiert, pilotiert, projiziert und performiert, was das Zeug hält. Das hilft den Patienten – es schlägt sich aber noch nicht bei der Belastung der Prämien- und Steuerzahler nieder. Das sah auch Pascal ­Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG) so. «Gesundheitspolitik, Spitalpolitik, Tarifpolitik, aber auch Ideologie und vielfältige Partikularinteressen versperren einander den Weg», sagte er. Es stelle sich ­deshalb die Frage, ob sich die ­Ak­teure «zu einem griffigen ­Konsens durchringen können oder ob zunehmend Bund und Kantone eingreifen müssen».

Immerhin: Die nationalrät­liche Gesundheitskommission hat jüngst ein Zeichen für die Qualität gesetzt, indem sie dem Parlament einstimmig empfahl, die Schaffung einer eidgenössischen Qualitätskommission gesetzlich zu verankern. Das wird zwar das Gesundheitswesen nicht retten, ist aber nach der Leidensgeschichte um die Vorlage zur Qualität und Wirtschaftlichkeit ein kleiner Schritt nach vorn. Oder, wie es Strupler sagte: «Es geht im Gesundheitswesen um beides – um medizinische Leistungen zu zumutbaren Kosten einerseits und um bestmögliche Qualität dieser Leistungen andererseits. Beides zusammen ist letztlich smarte Medizin.»

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