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Smartphonekrieg: Wegen Trump kommt das neue Huawei-Handy (vorerst) nicht in die Schweiz

Das Huawei Mate 30 Pro ist technisch eine wahre Konkurrenz für das iPhone 11 Pro. Doch Donald Trump sorgt dafür, dass es sobald nicht auf den europäischen Markt kommen wird.
Raffael Schuppisser
Vier Kameras auf der Rückseite sollen aus jedem Schnappschuss ein perfektes Bild machen. (Bild: Huawei)

Vier Kameras auf der Rückseite sollen aus jedem Schnappschuss ein perfektes Bild machen. (Bild: Huawei)

Am Freitag kommt das iPhone 11 Pro auf den Markt. Besonders stolz ist Apple auf die Dreifach-Kamera auf der Rückseite. Dank Zoom und Weitwinkel soll diese dafür sorgen, dass jede Szenerie in einem perfekten Foto eingefangen werden kann.

Dass das noch nicht das Ende aller Kamera-Träume ist, hat gestern Huawei klar gemacht. Die Chinesen Kontern mit dem Mate 30 Pro, das gleich vier Kameras verbaut hat. Mit einem fünffachen optischen Zoom sollen auch Fotos aus der Ferne detailreich erscheinen. Bei der Entwicklung der Kameras hat Huawei erneut mit dem deutschen Kameraspezialisten Leica zusammengearbeitet.

China ist von der Produktionsstätte zum Designatelier geworden

Nun ist die Anzahl Kameras alleine noch nicht ausschlaggebend für die Qualität der Fotos Geräts. Doch die Fotos, die Huawei gestern an der Pressekonferenz präsentiert hat, sehen beeindruckend aus. Insbesondere der Nachtmodus überzeugt. Gut möglich, dass Huawei die beste Smartphone-Kamera vorgestellt ha. Tests werden das zeigen.

Was schon jetzt klar ist: Das Huawei-Gerät ist parat für das neue 5G-Internet. Das iPhone nicht. Auch haben es die Chinesen geschafft, die Kameras elegant ins Design des Geräts zu integrieren, während sie bei Apple augenfällig aus der linken oberen Ecke herausragen. China ist längst nicht mehr bloss Produktionsstätte von Smartphones, sondern auch Designatelier.

Dass Huawei Apple aber nicht zu gefährlich wird, dafür sorgt die Trump Regierung, die den Wettstreit auf dem Smartphone-Markt zum Handelskrieg erhebt. Im Frühling hat Donald Trump angekündigt, dass US-Unternehmen keine Geschäfte mit Huawei mehr machen dürfen. Nachdem dieser Bann kurzzeitig gelockert wurde, hat der US-Präsident nun ernst gemacht: Huaweis neue Geräte müssen auf Bestandteile von US-Unternehmen verzichten. Das gilt nicht nur für Hardware-Komponenten, sondern auch für die Software.

Das iPhone 11 hat drei Kameras, die merklich asu dem Gehäuse ragen. (Bild: Apple)

Das iPhone 11 hat drei Kameras, die merklich asu dem Gehäuse ragen. (Bild: Apple)

Zwar kann das Mate 30 Pro mit der neusten Android-Version von Google ausgestattet werden - die dem Bann nicht unterliegt, da sie Open Source ist. Allerdings muss sie ohne vorinstallierte Google-Apps wie Maps oder Youtube auskommen. Und vor allem: Ohne den Play Store, über den alle weiteren Anwendungen wie Facebook, Whatsapp aber etwa auch die Apps der SBB, des SRF oder dieser Zeitung geladen werden können. Damit wäre ein Handy auf dem europäischen Markt unbrauchbar.

Ohne Play-Store:
Google hat am Bann keine Freude

Deshalb lanciert Huawei das Gerät hierzulande vorerst nicht. Die Chinesen versprechen aber, es noch 2019 in der Schweiz zu bringen. Wie man das erreichen will, lässt der Konzern offen. Bemerkenswert ist, dass Huawei-Handys in China seit jeher ohne die Google-Dienste auskommen, weil sie aus Zensurgründen von der Regierung gesperrt werden. Die Chinesen haben ihre eigenen Alternativen zu Facebook, Google, Amazon und Co. Der Bann betrifft also lediglich das Auslandgeschäft. Im Inland sorgt China selber für ein Verbot der Internetdienste aus den USA – wenngleich aus anderen Gründen.

Die Qual der richtigen Farbwahl (Bild: Huawei)

Die Qual der richtigen Farbwahl (Bild: Huawei)

Das Mate 30 Pro zeigt, dass die Software letztlich die Hardware dominiert: Es ist eines der besten Handys, ohne die richtigen Programme aber ist es nutzlos. Zwar arbeiten die Chinesen mit Hochdruck an einem eigenem Betriebssystem, dem Harmony OS. Dieses wird das Problem aber selbst dann nicht lösen, wenn es besser sein sollte als Android. Denn sowohl das Google-Betriebssystem als auch Apples iOS leben von dem grossen Angebot an Apps anderer Entwickler. Auf all diese kann ein neues chinesisches Betriebssystem aber nicht zugreifen.

Die Kameras hat Huawei mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica zusammen entwickelt. (Bild: Huawei)

Die Kameras hat Huawei mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica zusammen entwickelt. (Bild: Huawei)

Apple spielte die Trump-Politik also durchaus in die Hände. Schliesslich entwickelt die Firma von CEO Tim Cook sowohl Hard- als auch Software selber. Anders sieht es mit Google aus. Zwar produziert der der Konzern seit 2013 auch eigene Smartphones. Doch diese machen bloss einen kleinen Anteil jener Geräte aus, auf denen das Betriebssystem Android läuft. Google ist darauf angewiesen, dass das Betriebssystem von anderen Smartphone-Herstellern genutzt wird – nach Samsung ist Huawei der zweitwichtigste Partner. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren Google-Manager dann auch das Verbot für eine Zusammenarbeit mit Huawei.

Dass der Boykott der USA letztlich auch der eigenen Industrie schadet, dürfte die grosse Hoffnung von Huawei sein. Denn auch wenn sich die Chinesen selbstsicher geben, alleine mit technischer Power dürfte der Krieg auf dem Smartphone-Markt nicht zu gewinnen sein.

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