SMI schliesst deutlich tiefer – Aktienmärkte in Europa mit Abgaben

Die Aktienmärkte hierzulande und in Europa haben am Montag deutliche Einbussen erlitten. Politische und konjunkturelle Unsicherheiten belasteten die Stimmung der Investoren. Insbesondere die Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May, die geplante Abstimmung über den Brexit-Vertrag mit der EU zurückzuziehen, sorgte für Abwärtsdruck.

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Karikatur von Theresa May, Boris Johnson, Michael Gove und David Davis mit den Worten «Brexit is a monstrosity» (Der Brexit ist eine Monströsität» vor dem Parlamentsgebäude in London.  (Bild: Dan Kitwood/Getty (London, 10. Dezember 2018))

Karikatur von Theresa May, Boris Johnson, Michael Gove und David Davis mit den Worten «Brexit is a monstrosity» (Der Brexit ist eine Monströsität» vor dem Parlamentsgebäude in London. (Bild: Dan Kitwood/Getty (London, 10. Dezember 2018))

(awp sda) May will bei der EU um weitere Zugeständnisse nachfragen, intensiviert aber gleichzeitig die Vorbereitungen für einen ungeregelten Austritt. Damit bleibt völlig offen, wann und ob überhaupt eine Einigung erzielt werden kann, und wann und ob das Parlament darüber votiert. Am Morgen hatten bereits schwache Daten vom chinesischen Aussenhandel die Stimmung belastet. Die Zahlen hätten die Skepsis der Anleger mit Blick auf die Folgen des Handelsstreits bestätigt, hiess es.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor 2,17 Prozent auf 8'551,02 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Anfang Juli, wobei der Abstand zum Jahrestief nur noch rund 180 Punkte beträgt. In Europa büssten der DAX in Frankfurt und der CAC 40 in Paris je 1,5 Prozent ein. Der FTSE an der London Stock Exchange hielt sich mit -0,8 Prozent vergleichsweise gut, das Britische Pfund fiel jedoch zum Euro und Dollar um 1,5 Prozent. Die Wall Street zeigt am Montagabend mit -1,6 Prozent beim Dow Jones ebenfalls abwärts.

In der Schweiz waren die Aktien des Halbleiterherstellers AMS mit -7,4 Prozent die grössten Verlierer bei den Blue Chips. Einmal mehr belasteten Meldungen zum Absatz beim Apple-iPhone. Apple zählt zu den grössten Kunden von AMS. Bei Dufry (-4,1%) drückte derweil der sich abzeichnenden Vorstoss des Onlineriesen Amazon ins Geschäft für Zollfreiwaren an Flughäfen auf die Stimmung.

Für die Luxusgütertitel Richemont (-3,0%) und Swatch (-3,3%) gilt China als ein Schlüsselmarkt. Sie wären von einem weiter eskalierenden Handelsstreit besonders tangiert und so reagierten die Kurse mit Abschlägen auf die enttäuschenden Wirtschaftsdaten aus dem «Reich der Mitte». Zudem hat Goldman Sachs für beide Papiere das Kursziel gesenkt.

Julius Bär (-4,2%) und UBS (-3,1%) verloren ebenfalls deutlich, während Credit Suisse (-2,5%) etwas weniger einbüssten. Die zweitgrösste Schweizer Bank wird am Mittwoch ihren Investorentag durchführen.

Die Schwergewichte gaben dem Gesamtmarkt keinen Halt. Nestlé (-2,0%) und Novartis (-2,4%) verloren kräftig. Eine Zeitlang hatte sich Roche (GS -1,4%) im Tagesverlauf im Plus halten können, drehte im späten Handel dann aber ebenfalls ins Minus. Roche bekommt mit William Anderson einen neuen Pharmachef.

Theresa May verschiebt Brexit-Abstimmung im Unterhaus

Weil der Widerstand in der konservativen Regierungspartei zu gross wurde, sah sich Premierministerin May gezwungen, das Votum über den Brexit zu verschieben. Parteirivalen bereiten nun ihren Sturz vor.
Sebastian Borger, London