Geldmarkt
SNB-Chef Jordan trifft sich mit Notenbankern an unscheinbarem US-Skiort

Im unscheinbaren Skiort Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming wurden schon oft wichtige geldpolitische Massnahmen angekündigt. Auch die Schweizer Nationalbank ist mit Präsident Thomas Jordan ist diesmal beim Treffen vertreten.

Tommaso Manzin
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Thomas Jordan trifft sich im unscheinbaren US-Skiort Jackson Hole mit den wichtigsten Notenbankern der Welt.

Thomas Jordan trifft sich im unscheinbaren US-Skiort Jackson Hole mit den wichtigsten Notenbankern der Welt.

Keystone

Von hier wurden in den vergangenen Jahren die Märkte zuweilen mehr bewegt als in New York, Frankfurt oder Tokyo: Jackson Hole. Im Touristenort im US-Staat Wyoming treffen sich alljährlich im August die wichtigsten Notenbanker zu einem Symposium. Mit dabei ist heuer auch Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Hier hatte 2010 der damalige Chef der US-Notenbank Ben Bernanke die zweite Runde von Anleihenkäufen bekannt gegeben und damit ein Feuerwerk an den Börsen entfacht. Es sollte eine weitere Auflage dieser Stützungsmassnahmen folgen, durch die Hunderte von Milliarden Dollar in die Finanzmärkte gepumpt wurden.

Das Beispiel machte schnell Schule: 2012 griff die japanische, im März 2015 die Europäische Zentralbank (EZB) auf dieses unkonventionelle Instrument der Geldpolitik zurück, um die Währung zu schwächen, die Exporte zu stimulieren und den Wert von Finanzanlagen zu steigern. Dadurch sollen sich Private reicher fühlen, mehr investieren und konsumieren.

Finanzgeschichte geschrieben

Vergangenes Jahr hatte Mario Draghi, Präsident der EZB, seine Rede in Jackson Hole praktisch in letzter Minute mit dieser Passage ergänzt: «Im August zeigten die Märkte ein Absinken der Inflationserwartungen an allen Fronten.» Das Augenmerk der EZB verschob sich danach dramatisch auf die Bekämpfung stetig fallender Preise, der Deflation. Bisheriger Höhepunkt war das im Januar angekündigte und im März vom Stapel gelassene Programm zum Kauf öffentlicher und privater Wertschriften.

2012 hatte Draghi zwar in Jackson Hole «geschwänzt». Nur Wochen später aber, im September, beschloss die EZB das an Reformbedingungen geknüpfte Anleihenkaufprogramm für kriselnde Staaten, mit dem die Eurokrise in ihrer akuten Form – zumindest an den Anleihenmärkten – ihr Ende fand.

Dass ausgerechnet die Chefin der US-Notenbank Janet Yellen dieses Jahr prominente Abwesende ist, muss also nichts heissen. Denn gerade um den nächsten US-Zinsentscheid Mitte September kreisen die Anlegerängste seit Monaten: Sollte Yellen die erste Zinserhöhung seit bald zehn Jahren wagen? Die US-Leitzinsen liegen seit Ende 2008 auf dem Rekordtief von 0 bis 0,25 Prozent. Aktienmärkte reagieren notorisch schlecht auf Zinserhöhungen.

Die Unsicherheit über den Zustand der chinesischen Wirtschaft hat die Notenbanker in Peking veranlasst, die Zinsen zu senken. Dies dürfte die Währung Renminbi abermals schwächen, nachdem sie bereits um insgesamt 3,5 Prozent geschwächt wurde. Keine gute Nachricht für andere Exportnationen und überhaupt die an schwachem Wachstum von Produktion und Preisen leidenden westlichen Industriestaaten. Durch billigere Importe aus Asien dürften die Preise weiter unter Druck geraten. Die US-Notenbank könnte deswegen den Zinsschritt ganz auf nächstes Jahr verlegen. Bisher galt als so gut wie sicher, dass sie dies spätestens im Dezember tun würde.

China drängt die USA

Auch die chinesischen Währungshüter wollen einen Aufschub: «Das Fed sollte nicht nur die US-Wirtschaft sehen, sondern auch die Weltwirtschaft betrachten, die sehr fragil ist», sagte der Leiter des zentralbankeigenen Forschungsinstituts für Finanzen und Banken, Yao Yudong, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.

In diesem Setting ist die SNB «Preisnehmer«, nicht «Preissetzer»: Insbesondere von der Geldpolitik der EZB ist ihre eigene abhängig. So kann sie unmöglich an eine Zinserhöhung denken, solange das die EZB nicht tut. Höhere Zinsen in der Schweiz würden noch mehr Geld in den Franken fliessen lassen und ihn aufwerten. Und schon der jetzige Kurs von rund Fr. 1.08 pro Euro macht der Schweizer Exportindustrie zu schaffen. SNB-Präsident Thomas Jordan erklärte in einer Diskussionsrunde am Freitag denn auch die Schwierigkeiten einer unabhängigen Geldpolitik für die SNB.