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SNB: Jordan lässt sich nicht beirren

Der Franken bleibt stark und der Druck auf die Nationalbank hoch. Doch ändern will deren Chef, Thomas Jordan, nichts. Im Gegenteil: Er rechnet mit einer baldigen Entspannung beim Frankenkurs.
SNB-Präsident Thomas Jordan. (Bild: Keystone)

SNB-Präsident Thomas Jordan. (Bild: Keystone)

Bernard Marks

Harsche Kritik musste sich der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, gestern in Bern gefallen lassen. Die Geldpolitik der SNB bewirke eine Abwanderung der Industrie aus der Schweiz und führe zu mehr Arbeitslosigkeit, lautete die Kritik einiger Medienvertreter anlässlich der Präsentation der geldpolitischen Lagebeurteilung der SNB. Trotzdem will die Nationalbank an ihrem eingeschlagenen Kurs nichts ändern. Sie belässt den Zins auf Girokonten bei –0,75 Prozent – soweit sie über die ebenfalls unveränderten Freibeträge hinausreichen. Das Zielband für den 3-Monats-Libor beträgt weiterhin –0,25 bis –1,25 Prozent. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) kritisierte gestern die geldpolitische Lagebeurteilung der Nationalbank scharf. Der Entscheid des Gremiums, keine weiteren Massnahmen gegen die starke Überbewertung des Frankens zu unternehmen, sei inakzeptabel.

«Wir sind uns bewusst, dass der Wechselkurs des Frankens zum Euro für die Exporteure und den Tourismus eine schwere Belastung darstellt», sagte Jordan. «Wir anerkennen die grossen Herausforderungen, die sich den betroffenen Unternehmen stellen», sagte er. Doch es gebe derzeit keine Alternative zum Mittel der Negativzinsen. Mit der Einführung von Negativzinsen sei die SNB im internationalen Vergleich aber schon sehr weit gegangen, gab er zu.

100 Millionen Franken pro Monat

Sechs Monate nach der Einführung zieht Jordan eine positive Bilanz. Bei Sichtguthaben von derzeit rund 455 Milliarden Franken und Freibeträgen von ungefähr 300 Milliarden Franken unterliegen ungefähr 155 Milliarden Franken einer negativen Verzinsung von –0,75 Prozent. Dies beschert der Nationalbank Zinseinnahmen von etwa 100 Millionen Franken pro Monat. Und offenbar wirken die Negativzinsen auch am Geldmarkt. «Es hat sich gezeigt, dass das Zinsinstrument auch im negativen Bereich wirksam ist», sagte dazu SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg. Die Zinsdifferenz an den Geld- und Kapitalmärkten sei heute höher, als sie es ohne Negativzins wäre, so Zurbrügg. Sie liege aber immer noch deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Die grössere Zinsdifferenz trägt laut SNB dazu bei, dass Frankenanlagen relativ zu Anlagen in Euro und anderen Währungen weniger attraktiv seien. Das spiegle sich bereits in der Stabilisierung des Frankenkurses in jüngster Zeit wider.

Grund zum Optimismus, aber ...

Der Ausblick der SNB ist optimistisch. Bei der Nationalbank rechnet man für 2015 mit einem Wachstum der Schweizer Wirtschaft von knapp 1 Prozent. Vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses hatte sie noch ein Plus von rund 2 Prozent prognostiziert. «Eine gewisse Durststrecke ist für die Wirtschaft unvermeidbar», sagte Thomas Jordan dazu. Diese Abschwächung spreche gegen eine anhaltende Frankenstärke. Er rechnet zudem damit, dass sich die Lage mittelfristig für die Schweizer Wirtschaft bereits verbessern wird. «Wir gehen davon aus, dass die internationale Konjunktur wieder anzieht.» In den kommenden Monaten dürfte die Erholung der Weltwirtschaft die Nachfrage nach Schweizer Produkten allmählich verstärken. Dies wird den Wechselkursschock vom 15. Januar etwas abfedern. Dennoch bleiben Risiken für die Weltwirtschaft. Im Vordergrund stehen dabei die Finanzlage Griechenlands sowie geopolitische Spannungen. Die SNB behalte sich vor, am Devisenmarkt aktiv zu werden.

Hohes Zinsrisiko für Banken

Der aus dem SNB-Direktorium ausscheidende Jean-Pierre Danthine ermahnte die Schweizer Grossbanken, ihre Widerstandskraft weiter zu stärken. Punkto Eigenkapital erfüllten die meisten Grossbanken zwar bereits die Anforderungen für das Jahr 2019, doch vor allem im Bereich der «Laverage Ratio» sei noch einiges zu tun. Auch sollten Banken in Zukunft darauf vorbereitet sein, dass sich international die Kapitalanforderungen verschärfen werden. Die inlandorientierten Kreditbanken hätten 2014 ihr Engagement im Hypothekenmarkt zwar weiter ausgebaut, bei den neuen Hypotheken sei der Anteil der risikoreichen Kredite mit einer hohen Belehnung im Verhältnis zum Immobilienwert aber zurückgegangen. Doch Danthine sieht Zinsrisiken. Bislang seien die Hypozinsen nach Einführung des Negativzinses nicht im gleichen Ausmass gesunken. «In den für gewisse Banken relevantesten Negativszenarien würden die anfallenden Verluste einen Grossteil der Kapitalüberschüsse aufzehren», sagte Danthine.

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