So schröpfen uns Handy-Anbieter in den Ferien
So schröpfen uns Handy-Anbieter in den Ferien

Wer im Ausland mit dem Handy telefoniert, wird geschröpft. Während die EU Roaming- Gebühren abschaffen will, lässt Bern die Telekom-Anbieter gewähren.

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Mit Handy am Strand

Mit Handy am Strand

Keystone

Sven Millischer

Sommerzeit ist Reisezeit. Und damit steigt auch das Bedürfnis, im Ausland zu telefonieren: Rasch Bescheid geben, dass man sicher angekommen ist. Den Daheimgebliebenen die ersten Eindrücke von Land und Leuten schildern. Was läge da näher, als am Strand oder in den Bergen zum Mobiltelefon zu greifen? Doch aufgepasst . Die anfallenden Roaming-Gebühren können einem die Ferienlaune gründlich verderben. So kosten Gespräche aus dem Ausland in die Schweiz ein Mehrfaches im Vergleich zu den einheimischen Tarifen. Es gibt jedoch Optionen und Alternativen, die den Preisschock abmildern (siehe Box).

Leicht verdientes Geld

«Für die Telekom-Anbieter sind die Gebühren fürs Ausland-Roaming leicht verdientes Geld», sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis. Zum einen stünden die höheren Verbindungs- und Abrechnungskosten in keinem Verhältnis zu den verlangten Roaming-Gebühren. Zum anderen sei die Preissensitivität der Kundschaft nach wie vor gering.

Allerdings zeigen sich zwischen den einzelnen Anbietern Unterschiede: Bei den Standardtarifen (ohne Ausland-Optionen) zahlen Orange- und Sunrise-Abonnenten im benachbarten Ausland praktisch doppelt so viel wie Mobilfunk-Kunden der Swisscom.

So sparen Sie im Ausland - Wer im Ausland aufs Handy nicht verzichten möchte, sollte vor den Ferien bei seinem Anbieter unbedingt eine Roaming-Option beziehen. Im Vergleich zum Standardtarif lassen sich so bis zu 60 Prozent sparen. - Vor der Abreise gilt es, die Combox auszuschalten. Denn auf die Sprachmailbox umgeleitete Anrufe kosten dreimal: ein erstes Mal für die Verbindung, ein zweites Mal für die Umleitung auf die Combox und ein drittes Mal fürs Abhören der Mailbox im Ausland. - Sich aus der Schweiz aufs Hotelzimmer verbinden lassen. - SMS schreiben statt telefonieren. - Öffentliche Telefone benutzen. Quelle: Comparis  

So sparen Sie im Ausland - Wer im Ausland aufs Handy nicht verzichten möchte, sollte vor den Ferien bei seinem Anbieter unbedingt eine Roaming-Option beziehen. Im Vergleich zum Standardtarif lassen sich so bis zu 60 Prozent sparen. - Vor der Abreise gilt es, die Combox auszuschalten. Denn auf die Sprachmailbox umgeleitete Anrufe kosten dreimal: ein erstes Mal für die Verbindung, ein zweites Mal für die Umleitung auf die Combox und ein drittes Mal fürs Abhören der Mailbox im Ausland. - Sich aus der Schweiz aufs Hotelzimmer verbinden lassen. - SMS schreiben statt telefonieren. - Öffentliche Telefone benutzen. Quelle: Comparis  

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Mehr Geschäftskunden

Je nach Land variieren die Grosshandelspreise für die Telekom-Anbieter: In klassischen Feriendestinationen wie Spanien sind die Konditionen für den Einkauf schlechter, da mehr Urlauber in die Heimat telefonieren wollen als Spanier aus der Schweiz. Umgekehrt verhält es sich beispielsweise in skandinavischen Ländern oder Deutschland. Am Schluss ergibt dies für die jeweilige Tarif-Region eine Mischrechnung.

Zwar schweigen sich die drei Telekom-Anbieter über ihre Kennzahlen zum Ausland-Roaming geflissentlich aus. Doch es ist davon auszugehen, dass sowohl Sunrise wie Orange mehr inländische Gesprächsminuten verkaufen, als die beiden Anbieter im Ausland einkaufen müssen. Denn gerade die global agierende Orange-Gruppe bringt viel eigene ausländische Kundschaft auf ihr Schweizer Netz. Als Verkäufer von Gesprächsminuten haben die beiden Anbieter also gar kein Interesse an tieferen Roaming-Gebühren.

Gute Konditionen im Einkauf

Auf die Preisunterschiede zur Swisscom angesprochen, betont Orange, man sei beim Mobiltelefonieren insgesamt günstiger als der blaue Riese: «Internationale Roaming-Verbindungen machen nur rund 10 Prozent der Handynutzung aus.» Sunrise dagegen spricht von deutlich höheren Kosten: «Wir verfügen über massiv weniger Volumen und besitzen viel weniger Business-Kunden.»

Gerade diese Geschäftskunden bringen es mit sich, dass bei der Swisscom wohl mehr Abonnenten im Ausland telefonieren, als ausländische Kunden das hiesige Netz nutzen. Mit der Konsequenz, dass der blaue Riese zumindest im Einkauf an besseren Konditionen interessiert ist. Die tieferen Roaming-Preise für Endkunden sind wohl auch als politische Konzession des dominanten Mobilfunk-Anbieters zu verstehen.

Politischer Wille fehlt

Es gilt, den Regulator milde zu stimmen. Denn vor drei Jahren hatte die EU-Kommission für den Binnenmarkt die Roaming-Gebühren um mehr als 70 Prozent gesenkt und befristet eine Obergrenze für Grosshandel- und Endkunden-Preise festgesetzt. Dies, nachdem europäische Anbieter zuvor bei Auslandgesprächen Gewinnspannen von bis zu 400 Prozent einstrichen. Erst diesen Monat erklärte der Europäische Gerichtshof den Preisdeckel für rechtens, nachdem grosse Mobilfunk-Anbieter geklagt hatten. Und bereits will die EU einen Schritt weitergehen: Bis in fünf Jahren sollen die Roaming-Gebühren innerhalb der Europäischen Union ganz fallen.

Während die EU also im Sinne der Konsumenten agiert, lässt man in Bundesbern die hiesigen Mobilfunkanbieter gewähren. Bereits vor drei Jahren forderte der damalige Preisüberwacher Rudolf Strahm in einem Brief den Bundesrat auf, ein Arrangement mit der EU zu treffen, «um die Roaming-Tarife möglichst im Gleichschritt mit den EU-Staaten senken zu können». Denn es bestehe ein «erhebliches volkswirtschaftliches Interesse (Tourismus, Geschäftsreisen)». Geschehen ist seither nichts.

Eine solche Regelung sei nur im Rahmen eines bilateralen Abkommens möglich, heisst es beim Bundesamt für Kommunikation lapidar. Traktandiert wurde das Geschäft bislang allerdings nicht.

Zwar fehlt der politische Wille, die Roaming-Gebühren zu senken. Doch zumindest soll die Kundschaft wissen, worauf sie sich beim Mobiltelefonieren im Ausland einlässt: Ab Juli müssen deshalb alle Mobilfunkanbieter beim Einwählen per SMS informieren, wie hoch die Kosten für Anrufe in die Heimat maximal ausfallen.