USA
So verteilt Wegelin das Raiffeisen-Geld

Allein der Steuerstreit dürfte die Bank Wegelin gegen 100 Millionen Franken kosten. Für den für den Rechtsstreit zurückgestellte Gelder dürfen gerade reichen. Die Nachfahren der Gründerfamilie Wegelin sind konsterniert.

Roman Seiler
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Der Hauptsitz der Bank Wegelin und Co. in St.Gallen spiegelt sich im Februar 2012 in einer Scheibe. KEystone

Der Hauptsitz der Bank Wegelin und Co. in St.Gallen spiegelt sich im Februar 2012 in einer Scheibe. KEystone

Jetzt hat die zweite Schweizer Bank den Steuerstreit mit den USA gelöst. Im Gegensatz zur UBS hat ihn die Bank Wegelin, das älteste Geldhaus der Schweiz, nicht überlebt. Das schmerzt insbesondere die Nachfahren der Gründerfamilie Wegelin, sagen Angehörige gegenüber der «Nordwestschweiz». Sie waren beschränkt haftende Gesellschafter, sogenannte Kommanditäre. Für sie ist unverständlich, dass sich die Bankchefs auf das tödliche Geschäft mit steuersäumigen US-Kunden eingelassen haben. Auch wenn das nicht gegen Schweizer Recht verstossen hat.

Wegelin kostet der Steuerstreit gemäss dem am Montag in New York verabschiedeten Urteilsspruch 74 Millionen Dollar oder 70 Millionen Franken. Dazu kommen exorbitante Anwaltskosten. Daher dürfte von den für den Rechtsstreit zurückgestellten 100 Millionen Franken kaum etwas übrig bleiben, sagen Insider.

Drei Investorengruppen

Die Raiffeisen Gruppe hat für die Übernahme des Nicht-US-Geschäfts 577 Millionen Franken bezahlt. Auf den von Wegelin übernommenen Aktiven im Wert von 389 Millionen soll Raiffeisen einen Rabatt von rund zehn Prozent erhalten haben. Vom Kaufpreis seien bisher 350 Millionen Franken an Wegelin geflossen, darunter die 100 Millionen für den Rechtsstreit. Weitere 120 Millionen sind auf einem Konto bei der UBS festgefroren. An die Eigner ausgeschüttet werden sie, wenn die vertraglich ausgehandelten Eckwerte erfüllt sind. Gegenüber der «Nordwestschweiz» wollte bei Wegelin niemand diese Zahlen kommentieren.

Rund 480 Millionen Franken aus dem Raiffeisen-Deal gehen an die Wegelin-Eigner. Es gibt drei Investorengruppen:

An Wegelin & Co. Privatbankiers beteiligten sich 19 Kommanditäre. Davon sind zehn ehemalige Wegelin-Mitarbeiter, die je eine Kommanditsumme von 100 000 Franken zeichneten. Die anderen sind Angehörige der Gründerfamilie, die total mit 21 Millionen Franken hafteten. Die Kommanditäre haben gemäss Informationen der «Nordwestschweiz» den grössten Anteil ihres Kapitals bereits zurückerhalten. Einen Verlust erlitten sie nicht, sagt ein Vertreter. Zugestimmt haben die Kommanditäre dem Notverkauf Ende Januar im bankeigenen Katharinen-Kloster in St. Gallen. Am anderen Tag gab Raiffeisen die Übernahme bekannt.

Die einstigen Wegelin-Mitarbeiter konnten sich an der Wegelin & Co. AG beteiligen. Die gegen 300 Aktionäre sollen ihr investiertes Geld zurückerhalten haben. Die meisten arbeiten für die von Raiffeisen übernommene Notenstein Privatbank.

Mit Magne Orgland und Adrian Künzi sind heute zwei der acht unbeschränkt haftenden Gesellschafter für Notenstein tätig. Künzi ist ihr Chef. Die bekanntesten der bei Wegelin verbliebenen Gesellschafter sind Otto Bruderer und Konrad Hummler. Er hatte die Bank stets lautstark gegen aussen vertreten. Die beiden stiegen Anfang der Neunzigerjahre bei Wegelin ein. Als der US-Steuerstreit 2012 eskalierte, zählte das Geldhaus 13 Standorte und 700 Mitarbeiter. Bruderer und Hummler bleiben vom Verkaufspreis gemäss gut unterrichteten Quellen letztlich weniger als je 30 Millionen Franken.

Schlussabrechnung folgt noch

Jetzt gilt es noch, die Liquidation der zwei Wegelin-Gesellschaften abzuwickeln. Dann folgt die Schlussabrechnung. Dies haben die verbliebenen sechs unbeschränkt haftenden Gesellschafter ihren einstigen Investoren versprochen. Aktionäre und Kommanditäre sollen dann noch einen Anteil der im Geldhaus zurückbehaltenen Gewinne erhalten.

Eine Frage war gestern nicht zu klären: Konrad Hummler ist noch immer Verwaltungsrat der «Neuen Zürcher Zeitung». Morgen Abend will der Verlag mitteilen, ob Hummler zurücktritt. Sein Mandat als Präsident hat er bereits im Februar 2012 sistiert.