Emmi
So viel Zucker hats im «gesunden» Emmi-Joghurt drin

Stärken Aktifit-Joghurts von Emmi das Immunsystem? Daran scheiden sich die Geister. Eine EU-Behörde prüft das Versprechen auf seinen Wahrheitsgehalt. Was nicht belegt werden kann, wird künftig verboten.

Drucken
Fünf Würfelzucker inklusive

Fünf Würfelzucker inklusive

Irina Kisseloff

Die beiden Kinder auf dem Plakat von Emmi sind von oben bis unten mit Dreck verschmiert. Ihr Lachen zeugt von bester Gesundheit. «Stärken Sie die Abwehrkräfte Ihrer Kinder» steht darunter. Ein Plädoyer für mehr Schlammschlachten? Nein, Milchverarbeiterin Emmi wirbt damit für ihre neueste Kreation: das Aktifit-Joghurt.

Mythos Michsäurebakterium?

Wie der Aktifit-Drink, den es bereits seit 1996 gibt, enthält das Joghurt 6,5 Milliarden Keime des Lactobacillus GG (LGG). Dieses Milchsäurebakterium aktiviere die natürlichen Abwehrkräfte und fördere die Verdauung, verspricht Emmi auf der Verpackung. Es könne die Abwehrmechanismen der Darmschleimhaut unterstützen, heisst es vorsichtiger auf der Website.

«Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von LGG sind ausgiebig erforscht und dokumentiert worden», sagt Monika Senn, Mediensprecherin von Emmi dazu.

Künftig wird der Hinweis der Hersteller auf wissenschaftliche Studien aber nicht mehr genügen. Die Produzenten von Functional Food – von Lebensmitteln mit tatsächlichem oder vermeintlichem Zusatznutzen – werden genauer unter die Lupe genommen. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft derzeit 4637 so genannte Health-Claims wie «Stärkt die Abwehrkräfte» auf ihren Wahrheitsgehalt. Die EU-Kommission entscheidet dann aufgrund der Empfehlungen der EFSA, wer auch künftig mit den gesundheitsfördernden Eigenschaften seiner Produkte werben darf.

Die Schweiz muss im Rahmen der bilateralen Verträge die Liste der zulässigen Health-Claims übernehmen.

EU-Behörde ist sehr streng

«Rund 1000 Claims haben wir bereits geprüft, unsere Meinung zu einigen hundert weiteren werden wir Anfang Oktober veröffentlichen», sagt Lucia de Luca, Mediensprecherin der EFSA. Bis Ende 2011 sollen dann alle Anträge den EFSA-Check durchlaufen haben. Bisher hat die Behörde zwei Drittel der Anträge abgelehnt.

Emmi-Sprecherin Monika Senn hat aber keine Bedenken: «Wir sind zuversichtlich, dass wir auch künftig mit der Stärkung der Abwehrkräfte für Aktifit werben dürfen.» Wann der Entscheid über den Aktifit-Claim fallen wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Gleich viel Zucker wie andere Joghurts

Präventivmediziner David Faeh stösst sich an der Emmi-Kampagne: «Das Immunsystem reagiert auf den Genuss jedes Joghurts, das ist normal. Ich kenne aber keine Studie, die beweist, dass die Milchsäurebakterien in Joghurts und Drinks Krankheiten abwenden könnten.» Letzteres suggeriere die Werbung aber. «Ich würde niemals aus gesundheitlichen Gründen zum Konsum solcher Lebensmittel raten.

Denn neben den speziellen Keimen enthalten die Fruchtjoghurts vor allem viel Zucker.» Der Zuckergehalt in einem Becher Aktifit entspricht rund fünf Würfelzuckern – nicht mehr und nicht weniger als in den meisten Fruchtjoghurts.

Die Konsumenten glauben trotzdem an den Zusatznutzen von Aktifit & Co.: «Functional Food ist nach wie vor ein Nischenmarkt, verzeichnet aber ein starkes Wachstum», sagt Emmi-Mediensprecherin Senn. Die Hersteller freuts: Ein Aktifit-Erdbeer-Joghurt beispielsweise koste 78 Rappenpro 100 Gramm. Für 100 Gramm eines «normalen» Coop-Erdbeer-Joghurts sind dagegen nur 33 Rappen zu bezahlen.