Solar Industrie
Solarindustrie zieht nach Asien

Die Solartechnologie hat sich aus dem Pionierstadium verabschiedet. Als Folge sinken die Preise, was westeuropäische Photovoltaik-Produzenten unter Druck bringt. Jedoch bleiben Schweizer Unternehmen gemäss Analysten als Zuliefere gut aufgestellt.

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Solarzellen.

Solarzellen.

Keystone

Niklaus Mäder

Grosser Bahnhof in der ostdeutschen Provinz. In der Lausitz, nahe der polnischen Grenze, nimmt heute der grösste Solarpark Deutschlands offiziell seinen Betrieb auf. Zur Eröffnung erwarten die Investoren Aussenminister Frank-Walter Steinmeier und den brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck.

Im Kontrast zu diesem Festakt steht die Performance der deutschen Solarindustrie. So fuhr Q-Cells, einer der weltweit grössten Produzenten von Photovoltaikzellen, im ersten Halbjahr 2009 einen operativen Verlust von 48 Millionen Euro ein. Der Konzern will nun ältere Produktionslinien stilllegen, 500 Stellen streichen und alle Investitionsprojekte überprüfen.

Q-Cells ist beileibe kein Einzelfall. Die «Financial Times Deutschland» titelte diese Woche gar: «Solarindustrie droht der Kollaps.» Grund für den Einbruch ist nicht allein die Wirtschaftskrise, die vor der Solarindustrie nicht Halt macht und der Branche dieses Jahr volumenmässig ein Nullwachstum beschert. Die deutschen Hersteller kämpfen zusehends auch mit billigeren Anbietern aus Asien, insbesondere aus China.

So sind seit Oktober die Preise für Solarmodule um 20 bis 30 Prozent gesunken, die Industrie spürt den Margendruck, wie die Bank Sarasin in einer Studie schreibt. UBS-Analyst Patrick Hummel erwartet, dass auf nächstes Jahr die Preise nochmals rund 20 Prozent purzeln. «Die Chinesen bauen ihre Kapazitäten trotz der Krise weiter aus. Auch künftig wachsen die Produktionskapazitäten stärker als die Nachfrage», begründet Hummel.

Oerlikon mit umstrittenem Projekt

Die Situation der Schweizer Firmen schätzen Analysten trotz Krise besser ein. Grund: Diese produzieren vor allem Maschinen für die Hersteller von Photovoltaik-Zellen. Ob sie nach China oder Deutschland liefern, kann ihnen eigentlich egal sein. Die Berner Gruppe Meyer Burger etwa verkauft zu 78 Prozent in Fernost. Solange ihre Kundenbeziehungen im asiatischen Raum gut bleiben, sieht Hummel solche Firmen gut aufgestellt.

Probleme ortet Sarasin-Analyst Matthias Fawer hingegen bei Oerlikon Solar an, die zum OC-Oerlikon-Konzern gehört. Das Unternehmen nahm letzten Sommer im sankt-gallischen Trübbach eine Pilotfabrik für dünnschichtige Solarzellen in Betrieb. «Die heute gebräuchliche Silizium-Solarzelle wird als kostengünstigste Lösung der Standard bleiben», ist Fawer überzeugt.

Als normaler Prozess angesehen

Allgemein wird die Verlagerung der Produktion nach Fernost als normaler Prozess aufgefasst. «Solarzellen werden zur Commodity - zum Massengut -, was die Produktion in Billiglohnländern attraktiv macht», so Fawer.

Diese Einschätzung teilt die Branche. «Europa muss die Technologieführerschaft behalten, auf Massenmärkten hat es keine Chance», sagt Werner Buchholz, Informationschef bei Meyer Burger. Dies gelte auch für die Zulieferer. Meyer Burger sieht sich durch den jüngsten Zukauf auf dem richtigen Weg. Vor wenigen Tagen erwarb die Gruppe die US-Firma «Diamond Wire Technology», die zum Schneiden von Silizium Diamantdraht einsetzt - eine Akquisition, die auch Analyst Fawer überzeugt.

Die Gefahr, dass den Zulieferern billigere Anbieter den Rang ablaufen, stuft sein Berufskollege Hummel gering ein. Der Einsatz von Qualitätsmaschinen diene auch als Verkaufsargument für das Endprodukt. Dies sei von Bedeutung, da die westliche Welt der Hauptmarkt für Photovoltaikzellen bleibe.

Was die Analysten für die Schweizer Zulieferer ebenfalls positiv stimmt, sind die Erwartungen für den Gesamtmarkt. In den nächsten Jahren rechnet Sarasin mit einer deutlichen Zunahme von Photovoltaik-Anlagen. Dies würde auch die Nachfrage nach Produktionsmaschinen weiter anheizen.