Räumliche Entwicklung
Solidarität von fünf Gemeinden

Um das Eigenamt in seiner Ausstrahlung als Arbeitsplatzgebiet zu positionieren, werden kleinräumige Einzelinteressen in den Dienst des Ganzen gestellt.

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Industriequartier

Industriequartier

Aargauer Zeitung

Peter Belart

Lupfigs Gemeindeammann Richard Plüss zeigte sich hoch- zufrieden: «Wir haben hier Pionierarbeit geleistet.» Das sehen nicht nur er und seine Gemeindeammannskollegen aus Birr, Birrhard, Brunegg und Hausen so; auch der Bund und der Kanton honorieren das Projekt, indem sie die ganzen bisher aufgelaufenen Kosten je hälftig tragen.

Sie dokumentieren damit das übergeordnete Interesse, hier, an verkehrstechnisch hervorragender Lage, eine klar durchdachte Entwicklung anzustreben und deshalb zum Beispiel die Bau- und Nutzungsordnungen der beteiligten Gemeinden zu harmonisieren. Schweizweit ist es offenbar das erste Mal, dass sich in einer umfassenden, auf Solidarität gründenden Zusammenarbeit ein ganzer Industrie- und Gewerberaum auf gemeinsame Werte und ein gemeinsames Vorgehen verständigt.

Bauland-Info-Pool

Im Richtplan des Kantons Aargau wird das Eigenamt als Entwicklungsschwerpunkt für Industrie- und Gewerbegebiet von kantonaler Bedeutung bezeichnet. Vor diesem Hintergrund haben die fünf Gemeinden einen Bauland-Info-Pool ins Leben gerufen. Als Ziele werden unter anderem genannt: Koordination der Entwicklung, optimale Nutzung der vorhandenen Baulandreserven, Neueinzonungen vermeiden sowie eine vereinheitlichte Erschliessungs- und Nutzungsplanung realisieren.

Es soll eine Datenbank geschaffen werden, ein Instrument zur gemeinsamen Vermarktung der zur Verfügung stehenden Kapazitäten. Interessierte erhalten hier Erstinformationen über Grundstücke, Räumlichkeiten und Nutzungsbestimmungen.

Verkehr und Verkehrsführung

Die ganze Thematik wird aber nicht isoliert betrachtet. Die Bedeutung von Bauland in unmittelbarer Nähe zu den bestehenden und zukünftigen Arbeitsplätzen wurde erkannt, und so ergeht auch die Einladung an weitere Eigenamt-Gemeinden, sich am Projekt zu beteiligen.

Weiter gilt das Augenmerk verschiedenen Aspekten der Verkehrsführung. Drei Stossrichtungen wurden definiert: Erstens will ein Bus-Erschliessungskonzept dem öffentlichen Verkehr mehr Beachtung schenken und die Gemeindezentren besser miteinander verbinden. Zweitens soll ein regionales Langsamverkehrskonzept Gewähr leisten, dass das Eigenamt sowohl als Wohn- und Arbeitsort als auch als Ausflugsziel und Erholungsraum qualitativ gestärkt wird.

Und drittens will man die Attraktivität des Eigenamts mit einer direkten S-Bahn-Verbindung mit Zürich erhöhen, ein Plan, der zunächst von vielen als utopisch abgetan wurde, in der Zwischenzeit aber gemäss Richard Plüss ernsthaft diskutiert wird.

Entscheidung im Herbst

Für die Umsetzung des Vertrags «Räumliche Entwicklung Eigenamt» wird mit Kosten von 120 000 Franken gerechnet. Diese Summe wird unter den beteiligten Gemeinden nach einem austarierten Schlüssel aufgeteilt. Nebst einem Sockelbeitrag spielen die Einwohnerzahl und die Parzellenzahl im Industriegebiet eine Rolle. An den Winter-Gemeindeversammlungen wird über die Budgets befunden.