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SOMMERFERIEN: Griechenland anstatt Tunesien

Wer Tunesien gebucht hat, kann kostenlos umbuchen. Davon profitiert ausgerechnet das klamme Griechenland.
Rainer Rickenbach
Gute Stimmung herrschte gestern bei Griechenland-Touristen vor dem Parthenon auf der Akropolis in Athen. (Bild: AP/Daniel Ochoa de Olza)

Gute Stimmung herrschte gestern bei Griechenland-Touristen vor dem Parthenon auf der Akropolis in Athen. (Bild: AP/Daniel Ochoa de Olza)

Rainer Rickenbach

Bereits am Samstag gingen die ersten Annullationen von Tunesien-Buchern bei Hotelplan Suisse ein. Es war der Tag, nach dem ein Terrorist im weitläufigen Imperial Marhaba Hotel bei Sousse 39 Personen tötete und 39 weitere verletzte. Die Bilder gingen um die Welt. Wer schon ein Ticket für Tunesien auf dem Schreibtisch oder im PC abgelegt hatte, kam ins Grübeln – und viele buchten um. «Die Mehrheit unserer Tunesien-Kunden hat annulliert oder entschied sich für ein anderes Land mit Strand und Meer», sagt Hotelplan-Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir.

Euro und Kreditkarten mitnehmen

Viele der Umbucher wählen nun Griechenland. Dort herrscht keine Terrorgefahr, dafür verstrickt sich das Land immer tiefer in die Währungskrise. «Unsere Kunden entschieden sich zu einem schönen Teil für die griechischen Inseln. Die Bilder, die in den letzten Tagen im Fernsehen von langen Menschenschlangen vor den Geldautomaten zu sehen waren, stammten aus der Hauptstadt Athen. Auf den Inseln ist die Situation zurzeit nicht so gravierend. Dort ist noch genügend Liquidität vorhanden», erklärt Huguenin. Sie empfiehlt den Griechenland-Reisenden trotzdem, genügend Euro in bar und Kredit- sowie Maestrokarten mitzunehmen (siehe auch Tipps des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten, EDA). Mit diesen Zahlungsmitteln ist man gemäss Huguenin auf der sicheren Seite.

Die Risiken in Griechenland seien beherrschbar, heisst es auch bei den beiden anderen grossen Schweizer Reiseveranstaltern TUI und Kuoni. Die Pauschalreisen sind gemäss ihnen «bestens abgesichert». Zudem funktioniere die Infrastruktur am Flughafen und in Hotels. Bei Kuoni lässt ebenfalls die Mehrheit der Kunden von den geplanten Ferien im östlichen Maghreb-Staat ab. «Diese Kunden wollen einfach Strandferien machen. Das können sie auch auf den Balearen oder in Griechenland tun», sagt Sprecher Peter Brun. Letztlich handle es sich um einen «Bauchentscheid», ist Roland Schmid überzeugt, Sprecher von TUI Schweiz. «Wer mit keinem guten Gefühl nach Tunesien reist, der soll umbuchen», sagt er.

Die drei grossen Schweizer Reiseveranstalter haben für ihre Kunden die Fristen verlängert, um sich kostenlos nach einem neuen Reiseziel umzusehen. Wer sich bei Hotelplan Suisse und Kuoni für einen Flug und ein Hotel in Tunesien entschieden hatte, dem bleibt bis zum 31. Juli Zeit, sich für Sommerferien in einer anderen Destination zu entscheiden. TUI lässt den Kunden sogar bis zum 15. September Zeit, um dann nicht mehr nur Sommer-, sondern alternierend auch gleich Herbstferien anzubieten.

Marokko und Ägypten

Nebst Griechenland sind die spanischen Inseln und Zypern bei den Umbuchern beliebt. Keine Buchungseinbrüche zog der Terrorakt in Tunesien gemäss Huguenin in den anderen arabischen Destinationen nach sich. Die Golfstaaten stehen bei den Freunden von Luxushotels und Shoppingtouren nach wie vor hoch im Kurs. In Marokko nimmt das Tourismusgeschäft seinen gewohnten Gang. Für Ägypten – das schon mehrmals Schauplatz von Attacken auf Touristen war – stieg die Buchungsrate dieses Jahr sogar um 70 Prozent. Das vollzog sich freilich auf tiefem Niveau. Denn im vergangenen Jahr riet das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten während gut fünf Monaten von Ferien im Taucherparadies Scharm el Scheich ab.

Die Steigerung um 70 Prozent in Scharm el Scheich verdeutlicht auch, wie kurz das Gedächtnis eines grossen Teils von Touristen ist. Und in Tunis überfielen am 18. März dieses Jahres Terroristen das Nationalmuseum von Bardo in der tunesischen Hauptstadt. Insgesamt wurden 24 Menschen, darunter 20 Touristen, getötet.

Nicht alle lassen sich vertreiben

Bis Dienstag sind 227 Hotelplan-Suisse-Kunden in Tunesien. Sie verzichteten auf die Möglichkeit, vorzeitig nach Hause zu fliegen. «Die meisten von ihnen befinden sich auf der Ferieninsel Djerba», so Huguenin. Darunter etliche, die regelmässig ihre Ferien in Tunesien verbringen und sich auch nicht von Terrorakten von ihrem Ferienziel vertreiben lassen. «Wir erhielten Anrufe von regelmässigen Tunesien-Reisenden, die sagten, jetzt würden sie erst recht dorthin fliegen, um dazu beizutragen, dass der Tourismus in der jungen Demokratie nicht zum Erliegen kommt.»

Nicht zu den Profiteuren zählt die Schweiz. «Es mag sein, dass sich vereinzelt Gäste dafür entscheiden, lieber zu Hause zu bleiben. Grundsätzlich gilt, dass Reisende ihre Urlaubsdestination nach ihren spezifischen Ferienbedürfnissen ausrichten – in diesem Falle Strand und Meer», sagt Schweiz-Tourismus-Sprecherin Daniela Bär.

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