Wohlstandsbericht

Sozial integratives Wachstum: Schweiz erhält gute Noten vom WEF

Ein Bericht des WEF rät den Politikern zu einer Neuvermessung des Wohlstands. Wichtiger werden Gleichheit und der Einbezug breiter Schichten.

Tommaso Manzin
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Hoch auf dem Treppchen: Die Schweiz belegt im Wohlstandsbericht des WEF einen Spitzenplatz.

Hoch auf dem Treppchen: Die Schweiz belegt im Wohlstandsbericht des WEF einen Spitzenplatz.

Keystone

Dass die Schweiz im jährlichen Report des World Economic Forum (WEF) über die Wettbewerbsfähigkeit einen Spitzenplatz reserviert, daran hat man sich fast gewöhnt. Doch auch wenn es um Nachhaltigkeit und Integration, also die Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten am Wachstum, geht, liegt die Schweiz auf den vordersten Rängen.

Dies zeigt der diesjährige «Inclusive Growth and Development Report», den das WEF einen Tag vor seinem jährlichen Treffen in Davos veröffentlicht hat. Das Weltwirtschaftsforum öffnet am Dienstag seine Tore. Erwartet werden über 3000 Teilnehmer, darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs, unter anderem Chinas Präsident Xi Jinping und die britische Premierministerin Theresa May.

Der WEF-Bericht analysiert mehr als 100 Staaten weltweit nach 140 Kriterien, deren Verfolgung es ermöglichen soll, Wachstum sozial integrativer – frei übersetzt: beteiligungsfreundlicher – zu machen, ohne die Anreize zum Investieren zu hemmen. Die Schweiz liegt nach Norwegen und Luxemburg auf Platz drei (siehe dazu die Tabelle).

Länderranking Integratives Wachstum

Dem WEF geht es bei diesem Ranking um die Verbreitung neuer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und ganz besonders darum, die soziale Beteiligung am Wirtschaftswachstum auszudehnen. Statt nur auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) abzustellen in der Beurteilung des Gedeihens einer Volkswirtschaft werden auch alternative Kriterien beigezogen. Dazu gehören die Reduktion der Ungleichheit und die Ermöglichung, am wirtschaftlichen Erfolg zu partizipieren. Technologischer Wandel und Globalisierung brächten Verunsicherung und Ungleichheit. Deshalb seien von der Politik effektive Massnahmen zur Abfederung gefordert.

Der Grundgedanke besteht darin, dass ein sozial breit abgestützter Fortschritt im Lebensstandard – und dazu zählt das WEF neben Einkommen auch Chancengleichheit, Sicherheit und Lebensqualität – von den Politikern als das letztendliche Ziel des Wachstums anerkannt werden sollte und nicht das schiere Wirtschaftswachstum gemessen an der Zunahme des BIP. Anders gesagt: Es will der Politik ein neues Messinstrument zur Hand geben, an dem sie den Fortschritt ihres Landes in Richtung dieser Ziele ablesen kann.

Konkret werden die Staaten an drei Hauptkriterien gemessen: Wachstum und Entwicklung (BIP, Beteiligung der Bevölkerung am Arbeitsmarkt und Produktivität sowie Lebenserwartung); Inklusion (mittleres Einkommen, Armut und Einkommensverteilung); Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit zwischen den Generationen (Sparen, demografische Struktur, Staatsschulden und Kohlenstoffemissionen).