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SPARPROGRAMM: Postfinance setzt den Rotstift an

Die Finanztochter der Post legt ihre Kontaktzentren zusammen und überprüft das Filialnetz. In Kriens gehen wegen Verlagerungen 74 Stellen verloren. Total baut Postfinance 45 Stellen ab.
Ernst Meier
Ein Mann bezieht am Postomaten der Poststelle am Bärenplatz in Bern Geld. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (16. Juli 2012))

Ein Mann bezieht am Postomaten der Poststelle am Bärenplatz in Bern Geld. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (16. Juli 2012))

Ernst Meier

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Postfinance vom Leiden anderer Banken in der Finanzkrise profitierte und gute Kunden mit Schokoladen-Truffes zu Weihnachten belohnte. Die Post-Bank leidet unter den Negativzinsen stärker als andere Finanzinstitute. Der grosse Zulauf an Kunden und Spargeldern in den letzten Jahren ist zu einer Bürde geworden, denn nach wie vor darf die Postfinance keine Hypothekarkredite und andere Darlehen vergeben. Auch vom Strukturwandel in der Branche mit der Digitalisierung und Automatisierung bleibt die Bank nicht verschont.

Was Postfinance im letzten November erstmals angetönt hat und aufgrund von Indiskretionen seit einigen Wochen immer konkreter wurde, ist seit gestern offiziell: Das Finanzinstitut steht vor einem umfangreichen Spar- und Umbauprogramm. So will Postfinance in den nächsten Monaten die Zahl der sogenannten Kontaktzentren und Büroflächen reduzieren. In der zentralen Administration plant sie einen Stellenabbau. Gesamthaft sind 400 Mitarbeitende von den Massnahmen betroffen. Rund 45 Stellen werden ganz gestrichen. Am stärksten betroffen von den Umstrukturierungen sind die Standorte Kriens und Münchenstein BL, die komplett geschlossen werden. Kriens zählt 107 Arbeitsplätze. 74 Personen arbeiten im Kontaktcenter. Diese Stellen werden nach Zofingen verlagert. «Für die 33 Mitarbeiter, die Geschäftskunden betreuen, suchen wir eine Lösung in der Region», sagt Postfinance-Sprecher Johannes Möri. In Münchenstein sind es 76 Stellen aus dem Kontaktcenter, die verschoben werden und 35 Geschäftskundenmitarbeiter, die den Arbeitsplatz in der unmittelbaren Region wechseln. In St. Gallen wird zwar das Kontaktcenter geschlossen, und 58 Stellen werden verlagert, es bleiben aber 163 Stellen. Durch die Anpassungen spart die Bank 2000 Quadratmeter Büroflächen ein, wie Sprecher Johannes Möri erklärt.

Die Mitarbeiter erhalten eine sogenannte Änderungskündigung – ein neuer Arbeitsvertrag mit neuen Bedingungen. «Da der Weg von Kriens und Münchenstein nach Zofingen laut Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter zumutbar ist, besteht für uns die Möglichkeit, das Arbeitsverhältnis zu kündigen, falls jemand den Umzug nicht mitmachen will», sagte Möri. Bei der Verlagerung von St. Gallen nach Netstal sieht es hingegen anders aus, weil die Zumutbarkeit des Ar­beitsortswechsels nicht gegeben ist. «Hier käme der Sozialplan zur Anwendung», erklärt der Postfinance-Sprecher.

Dringliche Anfrage der SP Luzern

Eine weitere Umstrukturierung betrifft 120 Angestellte, die für die Bearbeitung von Dokumenten und Belegen zuständig sind. Alle Mitarbeiter werden per 1. März 2018 zur Post-Tochter Swiss Post Solutions (SPS) ausgelagert. Die Massnahme wird mit der fortschreitenden Digitalisierung, welche die Zahl der Papier-Dokumente stark schrumpfen lässt, begründet.

Postfinance prüft im Rahmen des eröffneten Konsultationsverfahrens auch ihr Filialnetz mit 42 Standorten. «Die Schliessung einer Filiale ist nicht geplant», versichert Johannes Möri. Hingegen wolle man die schwach frequentierten Kundenzonen in den Filialen abbauen. Den von der Schliessung betroffenen Mitarbeitern biete man eine Stelle in einer anderen Filiale oder eine Umschulung Richtung Kundenberater an, heisst es.

Harsche Kritik auf die Pläne der Postfinance gab es gestern von Seiten der Gewerkschaften und der Politik. «Die Auslagerung der Belegsangestellten ist ein Skandal», sagt Syndicom-Sprecher Christian Capacoel. Die Gewerkschaft befürchtet, dass durch die Verlagerung die Löhne sinken und die Arbeitsbedingungen schlechter werden.

Sorgen um den Wirtschaftsstandort Luzern macht sich die SP. In einer Dringlichen Anfrage von gestern will die SP Kanton Luzern wissen, was Regierung und Wirtschaftsförderung getan haben, um den Abgang gewisser Firmen aus der Region zu ver­hindern. Sie spricht damit die Schliessung der Standorte von Postfinance in Kriens an, aber auch die geplante Fabrikschliessung der US-Firma Edwards Lifesciences in Horw (Ausgabe vom Mittwoch). Insgesamt sind davon rund 350 Stellen betroffen. Beim Bund soll sich die Regierung nun gegen die zunehmende Zentralisierung der bundeseigenen Betriebe wehren, heisst es bei der SP.

Bild: Grafik: mop

Bild: Grafik: mop

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