Telekommunikation
Spekulationen um Sunrise-Verkauf - Bald neuer Player auf Telekom-Markt?

Für den zweitgrössten Netzbetreiber der Schweiz sucht der Besitzer CVC Capital Interessenten, meldet Reuters. Laut Analysten gibt es eine Reihe von potenziellen Interessenten.

Matthias Niklowitz
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Das Logo von Sunrise (Archiv)

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Keystone

Sunrise-Besitzer CVC lotet einen Verkauf des zweitgrössten Telekomanbieters der Schweiz aus. Das meldete gestern Reuters unter Berufung auf drei Insider. Mandate seien noch keine vergeben worden. CVC, eine amerikanische Private-Equity-Gesellschaft, hatte Sunrise 2010 für 3,3 Milliarden Franken gekauft.

Sunrise hatte in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Rückgang beim Umsatz von 2,3 Prozent auf 1,504 Milliarden Franken ausgewiesen. Auch der Vorsteuergewinn auf Stufe Ebitda war von 488 auf 462 Millionen Franken zurück gegangen. Unter dem Strich resultierte ein Reinverlust von 70,5 Millionen Franken.

«Reine Spekulationen»

«Bei der Reuters-News handelt es sich um reine Spekulationen der Finanzmärkte», sagte ein Sunrise-Sprecher auf Anfrage. CVC Capital Partners habe seit dem Kauf von Sunrise im Jahr 2010 immer klar und deutlich kommuniziert, dass es mehrere mögliche Szenarien für den Ausstieg gebe. Dazu zähle auch ein Verkauf oder ein Börsengang von Sunrise. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Ausstieg von CVC Capital Partners jedoch kein Thema.»

«Das ist ein interessanter Move von CVC», sagt Uwe Neumann, Telekom-Analyst bei Credit Suisse. «Eigentlich hatten sie seinerzeit einen 5-Jahresplan und aktuell steigen ja die Investitionen. Offenbar will CVC die aktuelle Situation nutzen, in der der Markt und Investoren einen Wendepunkt bei den Mobilfunkumsätzen erwartet» Diese besseren Aussichten lassen die Preise von Telekomunternehmen steigen.

Einige Interessenten

Als mögliche Käufer wurden unter anderem Orange, Telecom Italia und die Deutsche Telekom genannt. Experten weisen indes darauf hin, dass Orange (ex France Télécom) bereits einmal auf dem Schweizer Markt präsent gewesen war - mit gemischtem Erfolg.

Telecom Italia fehlt die Finanzkraft. Und die Deutsche Telekom hatte sich laut Analysten bereits bei den bisherigen Handänderungen bei Sunrise und Orange die Bücher genauer angeschaut, ohne aber zu kaufen.

Denkbar sind laut Neumann folgende Kombinationen:

Ein zweiter Anlauf von Orange-Frankreich: Wenn man die gleichen Bewertungen wie beim Orange-Schweiz-Verkauf anlegt, kommt man beim 5,9fachen des Vorsteuergewinns von 630 Millionen Franken auf einen Kaufpreis von rund 3,7 Milliarden Franken. «Hier wären die Synergieeffekte am grössten», sagt Neumann.

Denkbar ist auch ein Kauf durch Liberty, dem Eigner von UPC Cablecom. «Das wäre wohl die zweitbeste Möglichkeiten Synergien zu schöpfen», sagt Neumann. Liberty ist derzeit auf Einkaufstour.

Eine weitere Variante ist Vodafone. Das Unternehmen schwimmt nach dem Verkauf seiner USA-Beteiligung förmlich im Geld und soll sich auch für Fastweb, die italienische Swisscom-Tochter interessiert haben. Allerdings gab es zu grosse unterschiedliche Preisvorstellungen.

Auch ein Privatinvestor käme in Frage, wie in Norwegen die Telco Data die Tele2 4G Spectrum vor der Nase weggeschnappt hat. Hier kämen laut Neumann Xavier Niel, Besitzer von Iliad in Frankreich in Frage. Er hatte zusammen mit Goldman Sachs auch für Orange geboten. Diese Kombination hätte aber keine Synergien.

Ein weiterer Privatinvestor ist Nagub Sawiris. Sein Bruder hat schon in Ferienhausanlagen in Andermatt investiert. «Auch hier gibt es keine Synergien und der potenzielle Kaufpreis eher niedrig», sagt Neumann.

Steigt Orange-Frankreich nochmals in den Schweizer Markt ein?
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Deutsche Telekom: War bereits bei den Handänderungen von Sunrise und Orange interessiert.
Vodafone schwimmt nach dem Verkauf der USA-Beteiligung im Geld.
Nagub Sawiris, der Bruder von Sami Sawiris gilt als möglicher Investor.

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Keystone