Zypern-Krise
Spezialfall Zypern: Wieso erstmals Kleinsparer direkt eingebunden werden

Auch wenn es als «Spezialsteuer» bezeichnet wird - die EU beschreitet bei der Rettung der Banken in Zypern neue Wege. Hier die wichtigsten Punkte dazu.

Matthias Niklowitz
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Bei der UBS-Rettung wurden nur die Aktionäre zur Kasse gebeten. Besitzer von Obligationen und Sparkonnten wurden nicht behelligt.

Bei der UBS-Rettung wurden nur die Aktionäre zur Kasse gebeten. Besitzer von Obligationen und Sparkonnten wurden nicht behelligt.

KEYSTONE

Die Ausgangslage ist klar und einfach: Zypern hat ein monströs aufgeblasenes Bankensystem. Es hat Einlagen von 125 Milliarden Euro. Das entspricht dem siebenfachen der Wirtschaftsleistung der Insel.

Mit dem letzten Freitag beschlossenen Plan sollen 5,8 Milliarden Euro aufgebracht werden, um die Banken wieder ausreichend mit Eigenkapital zu versorgen. Der Staat Zypern selber ist finanziell gar nicht in der Lage, sich an der Rettung der Banken zu beteiligen. Die Eurogruppe erwartet zudem, dass sich auch die russische Regierung an der Rettung des Bankensystems beteiligt. Denn laut Agenturberichten ist Zypern in den letzten Jahren zu einem Hort der Fluchtgelder russischer und britischer Bürger geworden.

Ja. Das gilt nicht nur hinsichtlich der Grösse des Bankensystems. Die Banken selber haben lediglich Obligationen im Wert von 2 Milliarden Euro ausstehend. Laut Analysten ist das zu wenig, um die Banken zu retten. Laut EU-Kommissar Olli Rehn soll es bei dieser einmaligen Rettungsaktion bleiben.

Dazu gibt es ausserhalb der Eurozone einige Beispiele. Der klassische Weg führt zunächst auf der Passivseite der Bilanz über das Aufstocken des Eigenkapitals nach grossen Verlusten. Diesen Weg hatte die UBS gewählt. Nach den Aktionären werden üblicherweise in einem zweiten Schritt die Besitzer von speziellem «Hybridkapital» zur Kasse gebeten. Bei diesen oft hoch verzinslichen Obligationen bestehen Klauseln, unter welchen Bedingungen diese Obligationen automatisch in Aktien umgewandelt werden können.

Damit erschöpft sich das Repertoire konventioneller Bankenrettungsschritte. «Normale» ausstehende Obligationen gelten als sakrosant. Diese Gläubiger sind auch bei der Rettung der UBS nicht zur Kasse gebeten worden.

Ein Spezialfall der Bankenrettung ist die Auslagerung von illiquiden und/oder faul gewordenen Anlagen in eine spezielle Zweckgesellschaft, eine «Bad Bank». Dieser Schritt wurde bei der UBS ebenfalls vorgenommen und gilt als brauchbar, wenn sich diese ausgelagerten Wertpapiere zu einem späteren Zeitpunkt doch noch als werthaltig erweisen könnten und eine Aufstockung des Eigenkapitals zu dermassen ungünstigen Bedingungen vorgenommen werden müsste, dass kaum Altaktionäre neue Papiere zeichnen würden.

Der Zugriff auf die Einlagen der Sparer gilt als Ultima Ratio einer Bankenrettung.

Sparer kamen auch beim Konkurs der britischen Northern Rock sowie beim Kollaps der isländischen Banken zu Schaden. In Europa gibt es jetzt die Auffassung, dass man lieber die Stakeholder einer Bank (Aktionäre, Obligationäre, Einleger) zur Kasse bittet als die Probleme den Staaten zu überbürden. Eine Ausnahme war die niederländische SNS-Bank, die verstaatlicht wurde. Das klappte, weil die Niederlande (noch) eine gute Bonität an den Bondmärkten hat und sich das leisten konnte. Zypern hat diesen Spielraum schon längst nicht mehr.

Ja. Dabei handelt es sich jedoch um ein psychologisches Problem. In den anderen Problemländern der Eurozone (Spanien, Italien) ist das Bankensystem im Vergleich zur Volkswirtschaft deutlich kleiner. Der Rückgriff auf die Sparer in Zypern gilt zudem nicht als «Kreditereignis». Erst ein solches würde auch die Obligationen betreffen und weil diese Obligationen typischerweise von Anlegern in aller Welt gehalten werden, würde aus einer zypriotischen Krise ein weltweites Problem werden. Mit ihrem Vorgehen in Zypern schützt die Eurozone die Bond-Holder.

In Asien hat der Euro bereits am Montagmorgen deutlich an Boden verloren. Das dürfte sich heute auch in Europa und im nordamerikanischen Handel fortsetzen. Zu einem wenig beachteten Ausverkauf dürfte es auch bei nachrangigen Obligationen von Banken aus den Mittelmeerländern kommen. Der Fall der italienischen Monte Paschi zeigte aber, dass sich die Auswirkungen in Grenzen hielten und auch nur wenige Anleger Geld abzogen.