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SPITZENWEINE: Der Preis für den Bordeaux schenkt ein

Die Primeurs, das sind die Fashion Weeks von Bordeaux. Dann kann der neue Jahrgang erstmals gekostet werden, dann werden die Preise festgelegt. Die Händler sind besorgt, aber nicht wegen dem neuen Wein.
Gerhard Bläske
Bordeaux-Weine gehören nach wie vor zu den begehrtesten Spitzenprodukten der Branche. Im Bild Gäste einer Primeur-Degustation Anfang April im französischen Departement Gironde. (Bild: Keystone/Taris Philippe)

Bordeaux-Weine gehören nach wie vor zu den begehrtesten Spitzenprodukten der Branche. Im Bild Gäste einer Primeur-Degustation Anfang April im französischen Departement Gironde. (Bild: Keystone/Taris Philippe)

Gerhard Bläske

Bordeaux-Liebhaber können sich freuen. 2015 war ein sehr gutes Jahr. Viel Sonne, aber auch Regen, als es nötig war, gutes Wetter bei der Lese. «Weiche Tannine» sowie eine schöne Fruchtigkeit und Abgerundetheit erkennt der weltbekannte Weinexperte Michel Rolland, der von einem «ganz grossen Jahrgang» spricht. Ulrich Sautter, Chefredakteur Wein beim Lifestyle-Magazin «Falstaff» und Herausgeber des Branchennewsletters «Weinverstand Brief», ist ein bisschen weniger enthusiastisch. 2015 sei ein «guter bis sehr guter, aber im Allgemeinen nicht ganz grosser Jahrgang». Er zweifelt an der Lagerfähigkeit eines Teils der schon jetzt häufig ungewöhnlich weichen und samtigen Weine.

3 Prozent geben den Ton an

Bei den gerade zu Ende gegangenen «Primeurs» hat die Fachwelt die noch sehr jungen Weine getestet. Etwa 6000 Experten aus der ganzen Welt kommen dazu jedes Jahr Anfang April in den Weingütern der Region um Bordeaux zusammen. «Die Primeurs sind die Fashion Weeks von Bordeaux», sagt Philippe Bongrand, der bei Europas grösstem Weinproduzenten, der Castel-Gruppe, für deren höherpreisige Chateaux-Weine verantwortlich ist. Rund 300 Weingüter stellen ihre Weine vor. Das sind zwar nur 2 bis 3 Prozent der gesamten Produktion der Region, doch sie bestimmen den Trend.

Geduldsprobe von 18 Monaten

Die ganze Branche schaut deshalb gespannt auf die Analysen der Experten. Ihre Urteile bestimmen zu einem grossen Teil die Preise, die die Weingüter dann festlegen. Die zugelassenen Händler aus Bordeaux haben Exklusivverträge mit den Produzenten und können dann direkt bestellen. Anschliessend verkaufen sie an Einzelhändler beziehungsweise Endverbraucher weiter, die jedoch 18 Monate bis zur Auslieferung warten müssen. Inzwischen lagern die Weine in Fässern, werden verschnitten und dann abgefüllt.

Es passierte, was nie passieren soll

Lange hat das System gut funktioniert, weil alle gut daran verdienten. Die Weingüter hatten schon lange vor der Auslieferung Einnahmen. Die Händler verdienten gut, weil sie ihre Ware meist schnell und mit Gewinn weiterverkauften. Und wer sich frühzeitig mit den Weinen eindeckte, machte meist ein gutes Geschäft, weil die Preise bis zur Auslieferung meist stiegen. Doch in den letzten Jahren sorgten Gier und Spekulation dafür, dass die Preisschraube überdreht wurde. Nach den exorbitanten Preissteigerungen zwischen 2005 und 2010 wurden auch die qualitativ deutlich schlechteren Jahrgänge 2011 und 2014 nur wenig günstiger angeboten. Vor allem Amerikaner und Chinesen, die zudem unter der schwächeren Konjunktur und dem Kampf gegen Korruption litten, stiegen aus. Es passierte, was eigentlich nicht passieren soll. Der Handel blieb teilweise auf den Weinen sitzen, die Preise gaben nach. Um die teuren Lagerbestände zu reduzieren, verkauften Händler mit Verlusten.

Bis zu 13 Prozent mehr

Sautter ist in diesem Jahr «besonders gespannt» auf die Preisfindung. Erste Weingüter haben ihre Preise bekannt gegeben. Die Steigerungen liegen bei 10 bis 13 Prozent. Viele halten das für zu viel. Immerhin. Das Interesse bei den Verkostungen war in diesem Jahr gross. Olivier Bernard, Chef der Domaine de Chevalier und Präsident der Union Des Grands Crus, der Vereinigung der Spitzengüter, freut sich. Vor allem Briten und Amerikaner, Asiaten, überraschenderweise aber auch Russen, seien in grosser Zahl gekommen. Ausländische Käufer haben für Bordeaux überragende Bedeutung. 80 Prozent der Spitzen-Bordeaux gehen in den Export. Bernard ist zuversichtlich, dass es diesmal keine Preisexzesse geben wird: «Die Qualität ist zwar gut, wegen der schwachen Konjunktur sind aber die Käufer deutlich preissensibler als etwa 2009 und 2010.»

Das bestätigt Peter Delpechitra, CEO von Schuler St. Jakobs Kellerei. Seit 40 Jahren ist das Schwyzer Unternehmen im Bordeaux-Geschäft tätig. Lange standen die Franzosen bei den Franzosen ganz hoch im Kurs. Nun hat sich das Blatt gewendet. Im Vergleich zu den 90er-Jahren hat die Nachfrage nach Bordeaux-Weinen nachgelassen, «zu Gunsten von einer erhöhten Nachfrage nach spanischen und italienischen Weinen», wie Delpechitra betont. Ein anderer Schweizer Weinhändler, Bindella, hat sich bereits vor Längerem aus dem Bordeaux-Geschäft zurückgezogen und fokussiert sich gänzlich auf Weine aus Italien.

Briten sind besorgt

Das bekannte britische Weinmagazin «Decanter» fürchtet dennoch, dass das gesamte System der Primeurs in Gefahr geraten könnte, weil Händler in den letzten Jahren zu häufig Geld verloren hätten.

Das berühmte Château Latour in Pauillac hat sich ganz aus den Primeurs zurückgezogen. Château Palmer, eine andere erste Adresse, will nur die Hälfte der Produktion bei den Primeurs verkaufen. «Die andere Hälfte lassen wir in unseren Kellern liegen und bieten sie an, wenn die Weine die nötige Reife haben. So können die Weinliebhaber, die das wünschen, sie in trinkfähigem Stadium erwerben», sagt Generaldirektor Thomas Duroux.

Bernard relativiert die Probleme. Spekulative Übertreibungen habe es allenfalls bei den 30 absoluten Spitzengütern gegeben. Aber ein Mouton- Rothschild habe trotzdem keine Mühe, seine gesamten Weine zu verkaufen. Nicht jeder will, kann oder muss gleich mehrere hundert Euro für einen guten Bordeaux ausgeben.

«Jahrgang ist matchentscheidend»

Beim Jahrgang 2015 versprechen laut Sautter auch niedrigere Preislagen um die 10 bis 20 Euro hervorragende Qualität. Er glaubt ausserdem, dass die Weine schon in sehr jungen Jahren sehr gut trinkbar sein werden. Peter Delpechitra beziffert den Mindestpreis für einen ordentlichen Bordeaux im Schweizer Niedrigpreissegment bei rund 12 Franken. Für eine Flasche im mittleren Segment muss der Weinliebhaber mit 30 bis 60 Franken rechnen. Spitzenprodukte sind ab 100 Franken zu haben. Obwohl natürlich «der Jahrgang matchentscheidend ist», sagt Delpechitra. Na dann: Prost!

Darauf können Sie beim Degustieren achten

Tipps bu. Wie finden ich den passenden Wein? Auf was muss ich beim Kosten achten? Ein paar Tipps:

Geruchsprüfung

Führen Sie das Glas mit ruhiger Hand zur Nase. Achten Sie darauf, dass Sie das Glas nicht schwenken. Der erste Eindruck gibt Aufschluss darüber, ob ein Wein rund und vollmundig ist oder ob er einen lieblichen, süssen Charakter besitzt. Erst um die weiteren Aromen zu entdecken, schwenken Sie das Glas.

Geschmacksprüfung

Nehmen Sie nur einen ganz kleinen Schluck, und lassen Sie ihn im ganzen Mund zergehen. Auf diese Weise können Sie die verschiedenen Geschmackseindrücke des Weines erfahren und die allgemeine Harmonie beurteilen. Um die verschiedenen Aromen noch besser unterscheiden zu können, ziehen Sie in einem zweiten Schritt ein wenig Luft durch die Nase ein. Danach spucken Sie den Wein aus und beobachten Sie, wie lange die Geschmackseindrücke des Weines anhalten. Achten Sie besonders auf den Abgang. Der letzte Eindruck ist jener, der am meisten zählt.

Lagerung

Manche mögen es heiss, nicht aber Weine, dann altern sie zu schnell. Achten Sie deshalb darauf, dass sich die Temperatur im Keller immer zwischen 12 und 14 Grad bewegt. Auch die Luftfeuchtigkeit im Raum sollte konstant bei zirka 70 bis 80 Prozent liegen. Befindet sie sich darunter, besteht die Gefahr, dass der Korken austrocknet. Liegt die Luftfeuchtigkeit darüber, können der Korken wie auch die Etikette beschädigt werden.

Licht

Ein besonderes Augenmerk gilt es auch dem Licht zu schenken. Weine mögen es nicht zu grell. Das Licht sollte deshalb möglichst gedämpft sein. Auf Neonröhren ist wann immer möglich zu verzichten.

Hinweis
Die Tipps stammen von der Plattform www.bordeaux.com

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