SPONSORING: «Konzerne sponsern weniger»

Neben grossen Unternehmen sponsern auch Private immer mehr Kulturveranstaltungen wie das Lucerne Festival. Der Mäzen Christoph M. Müller erklärt im Interview, weshalb.

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Der Mäzen Christoph M. Müller, hier im KKL, engagiert sich unter anderem für das Lucerne Festival. (Bild: Dominik Wunderli)

Der Mäzen Christoph M. Müller, hier im KKL, engagiert sich unter anderem für das Lucerne Festival. (Bild: Dominik Wunderli)

Interview Bernard Marks

Christoph M. Müller, Sie sind Kulturmäzen. Als solcher unterstützen Sie zum Beispiel die Fondation Beyeler in Basel und auch das Lucerne Festival. In diesem Jahr unterstützen Sie das Konzert von Igudesman & Joo, das am 10. September stattfindet (siehe Box). Warum gerade dieses Konzert?

Christoph M. Müller: Es ist ein sehr humorvolles und lustiges Konzert, das auch für Familien mit Kindern sehr zu empfehlen ist. Humor ist ja das Motto des diesjährigen Lucerne Festival, und Humor haben diese aussergewöhnlichen Musiker jede Menge. Wir wollen möglichst vielen Menschen einen Zugang zu diesem einzigartigen Anlass in Luzern ermöglichen.

Die Frage drängt sich auf: Wie viel ist Ihnen der Spass denn wert?

Müller: Den Betrag möchte ich nicht bekannt geben. Sehen Sie, im Mäzenatentum galt früher der Grundsatz: geben und schweigen. Anders als im Sponsoring bleiben Mäzene im Hintergrund und spenden uneigennützig. Dass wir heute offensiver damit umgehen, hängt allein damit zusammen, dass wir andere wohlsituierte Private anregen möchten, es uns gleichzutun.

Warum sind Sie ausgerechnet Kulturmäzen geworden?

Müller: Meine Mutter war Kunstliebhaberin. Das hat mich sicherlich stark geprägt. In meiner Jugend spielte ich verschiedene Instrumente und war bereits früh sehr an Kultur interessiert. Meine Frau und ich haben im Leben viel Glück gehabt, was nicht selbstverständlich ist – davon wollen wir wieder etwas zurückgeben.

Sie greifen bereits seit 20 Jahren Kulturprojekten finanziell unter die Arme. Warum ist Kultur für Sie so unterstützenswert?

Müller: Ich glaube, Kultur ist heute die einzige Möglichkeit für Menschen, dem materialisierten Denken entfliehen zu können. Kunst macht den Menschen frei: Seine Existenz wird durch die Kunst auf eine höhere Ebene gehoben. Kunst ist immer innovativ und für die Weiterentwicklung der menschlichen Spezies unentbehrlich. Künstler haben es seit jeher verstanden, kritisch zu sein, Dinge zu hinterfragen und über den Tellerrand zu schauen. Das will ich gerne unterstützen.

Muss man Kultur denn überhaupt finanziell unterstützen?

Müller: Es ist wichtig, Kultur auch auf hohem Niveau zu pflegen. Das geht nur mit finanziellen Mitteln. Viele Musiker, die beispielsweise beim Lucerne Festival spielen, verdienen nicht besonders viel. Ohne Sponsoren wäre ihr Einkommen sicher niedriger oder sie hätten einfach viel weniger Gelegenheiten, vor Publikum aufzutreten.

Wie hat sich das Mäzenatentum heute verändert?

Müller: Wir beobachten einen Wandel. Viele Grosskonzerne stellen für das Kultursponsoring tendenziell weniger finanzielle Mittel bereit.

Wie meinen Sie das?

Müller: Grosse Konzerne, die bisher viel Geld in die Kultur gesteckt haben, sind heute weniger spendierfreudig, denn die verschärften staatlichen Regulierungen lassen höhere Ausgaben für Kultur nicht mehr zu. Hinzu kommt, dass Aktionäre heutzutage mehr Transparenz darüber verlangen, was ein Kulturengagement unter dem Strich tatsächlich bringt.

Wie wichtig sind private Geldgeber für die Kultur?

Müller: Sie werden immer wichtiger. Anlässe wie das Lucerne Festival kommen heute ohne Sponsoren nicht zu Stande. Sollten diese wegfallen, braucht es einen Ersatz. Hier sind private Geldgeber gefragt. Meine Frau und ich möchten mit unserem Engagement auch andere Privatpersonen motivieren, Ähnliches zu tun. Gleiches gilt im Übrigen auch für Stiftungen. Auch sie werden in Zukunft mehr in die Pflicht kommen, Kunst und Kultur in der Schweiz zu unterstützen.

Was wird sonst Ihrer Meinung nach passieren?

Müller: Die Kulturanlässe, die keine oder wenig Subventionen von der öffentlichen Hand erhalten, wie zum Beispiel das Lucerne Festival, werden es schwer haben, die hohe Qualität aufrechtzuerhalten.

Anwalt und Mäzen

bm. Christoph M. Müller (66) ist seit 1998 Mitglied des Verwaltungsrates und seit 2001 Verwaltungsratspräsident der Warteck Invest AG. Er ist seit 2007 ebenfalls Verwaltungsrat der Bieler Immobiliengesellschaft Espace Real Estate Holding AG und amtet hier seit 2010 als Präsident des Verwaltungsrates.

Müller ist ausserdem seit 1986 Mitglied des Gesellschafterausschusses und seit 2001 Mitglied des Aufsichtsrates der Vaillant Group, eines international tätigen, vor mehr als 140 Jahren gegründeten Familienunternehmens im Bereich Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik mit weltweit mehr als 12 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 2,4 Milliarden Euro.

 

Bild: ZHAW / Lea Siegwart

Bild: ZHAW / Lea Siegwart