SPORT: Fit werden abseits des Asphalts

Trendsportarten verlieren oft nach kurzer Zeit wieder ihren Reiz. Glücklicherweise gibt es immer wieder neue Trends. Oft sind diese schneller und riskanter.

Bernard Marks
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Trail-Running ist die Lauf-Alternative für den Herbst. (Bild: Getty)

Trail-Running ist die Lauf-Alternative für den Herbst. (Bild: Getty)

Dreckverspritzt und von den Strapazen gezeichnet nahm Urs Jenzer (43) die letzten Betontreppen auf Pilatus Kulm in Angriff. Bevor der Frutiger im August als Gewinner des Mountainmans 2014 und zugleich als Schweizer Meister im Trail-Running feststand, musste er sich aber sammeln. Seine Hände zitterten von den Strapazen. Er hatte den 80 Kilometer langen Ultralauf aus Engelberg via Brünig auf den Pilatus in 8 Stunden, 36 Minuten und 51 Sekunden hinter sich gebracht.

Erlebnis abseits des Asphalts

Immer mehr Läufer wie Jenzer stellen sich in der Schweiz der Herausforderung, in unwegsamem Gelände im Laufschritt möglichst schnell möglichst weit zu kommen. «Trail-Running findet immer mehr Anhänger», bestätigt Mario Simmen, Geschäftsleiter von Wirth Sport in Luzern. Mehr Menschen suchen den Laufspass dort, wo der Asphalt aufhört – auf ausgetretenen Pfaden, Wanderwegen –, oder indem sie einfach quer durch das Gelände laufen: Das ist Trail-Running.

Der Laufuntergrund wechselt beim Trail-Running von weichen Pfaden, Natur- und Wurzelwegen über Wiesen und Geröllfelder. Man läuft durch Bäche oder über Wander- und Bergwanderwege. «Es geht beim Trail-Running aber nicht nur um Kilometer und Zeiten. Es geht auch um das Erlebnis in der Natur, das Abenteuer und die Herausforderung», sagt Simmen.

Das richtige Zubehör immer dabei

Der Schwiegersohn des Schweizer Olympiamedaillen-Gewinners, Seppi Wirth, kennt die Läuferszene gut. Ein Grund für die Beliebtheit von Trail-Running sei, so sagt er, dass immer mehr Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 das Wandern entdeckt haben. «Die Jugendlichen wechseln dann schnell ins Trail-Running», sagt Simmen. Fachgeschäfte wie Wirth Sport haben sich daher bereits seit einiger Zeit auf die Wünsche dieser Kunden eingestellt. «Die Ausrüstung für Trailläufer hängt sehr stark von der geplanten Tour ab», sagt Simmen. Gerade in alpinen Regionen kommen Wetterwechsel sehr schnell und können zu einem erheblichen Risiko werden. «Nicht nur die Schuhe müssen den Anforderungen an das Terrain entsprechen», sagt Simmen. Auch Kleidung und Accessoires wie Gamaschen, Sportuhren, Trinkrucksäcke oder Windjacken müssen auf das Gelände beim Trail-Running gut abgestimmt sein.

Wie ein Trend entsteht

Aufkommende Trendsportarten wie Trail-Running sind oft schneller und riskanter als herkömmliche Sportarten. Dahinter steckt meist mehr als nur der Wunsch, Sport zu treiben. Oft entspringt ein Trend der Lebenshaltung einer Generation.

Zwar steht das herkömmliche Wandern bei Herrn und Frau Schweizer immer noch hoch im Kurs auf Platz 1 der Rangliste der beliebtesten Sportarten. Das ergab eine Umfrage des Bundesamtes für Sport (Baspo), die diesen Sommer veröffentlicht wurde. Danach wandern heute 6,8 Prozent mehr Menschen in der Schweiz als noch im Jahr 2008. Auch Joggen bleibt beliebt. 8,8 Prozent mehr Schweizer gaben an, dass sie in ihrer Freizeit laufen. Doch vor allem junge Leute finden klassische Sportarten allerdings schnell eher zu langweilig. Deshalb ändern sie die Regeln von bereits bestehenden Sportarten oder erfinden ganz neue. Erreicht eine sportliche Idee dann viele Leute, etwa durch Turniere oder Sportveranstaltungen, wird aus einer Nischenbewegung schnell ein Trendsport. Auf diese Weise entstand zum Beispiel Nordic Walking in den 90er-Jahren. Spitzenlangläufer benutzten damals bereits seit Jahrzehnten auch im Sommer ihre Stöcke, um Geh-, Lauf- und Sprungtechniken zu üben. 1997 wurde Nordic Walking zum Trend. Anschliessend wurde daraus eine Massenbewegung.

Abgesagte Grossveranstaltungen

Heute ist die Begeisterung um Nordic Walking abgeklungen, der Boom ist vorbei. Das zeigt auch die Umfrage des Bundesamtes für Sport. Seit 2008 hat die Beliebtheit von Nordic Walking in der Schweiz um 1,3 Prozent abgenommen. Nur 2,9 Prozent der Befragten gaben an, Nordic Walking als Hauptsport zu betreiben. «Der Hype ist vorbei», das bestätigt auch Markus Ryffel, Geschäftsführer der Ryffel Running Event GmbH. Der Silbermedaillengewinner von Los Angeles 1984 über 5000 Meter war einer der Initianten von Nordic Walking in der Schweiz. «Auch die Leiterausbildungen haben in den letzten zwei Jahren stark abgenommen», sagt Ryffel. Dass Nordic Walking weniger beliebt ist, zeigt auch die Absage des Nordic-Walking-Events kürzlich in Luzern oder die Absage des Swiss-Walking-Events in Solothurn in diesem Jahr. Nicht nur die Teilnehmerzahlen gingen in beiden Fällen zurück, Sponsoren sprangen ab. Schweizer Sportausrüster haben deshalb ihr Nordic-Walking-Sortiment längst angepasst. «Nach den Nordic-Walking-Boom-Jahren 2005 bis 2008 hatte sich das Thema auf einem tiefen Level eingependelt», sagt Stefan Probst, Leiter Grosshandel bei Intersport. «Es ist seit Jahren kein Hype mehr», so Probst weiter.

Das Zeug zur Massenbewegung

Aufgenommen in ihre Befragung hat das Bundesamt für Sport die neue Trendsportart Trail-Running zwar noch nicht. Doch betrachtet man die grosse Zahl an jährlichen Sportveranstaltungen, wird klar, dass Trail-Running ähnlich wie Nordic Walking das Zeug zur Massenbewegung hat. Denn jeder kann diesen Sport ausüben. «Der Dienstleistungssektor geht bereits auf die Wünsche der Kunden ein – in diesem Fall weg von der vom Asphalt umgebenen urbanen Umgebung zurück in die Natur», sagt Ryffel.

Mehr Infos zu Events, Trainings sowie Laufkursen unter www.transviamala.ch, www.swissathletics.ch, www.trail-maniacs.ch, www.trainingsworld.com, www.laufschule-scuol.ch