SPORT IM TV: Swisscom bedrängt Cablecom

Swisscom hat bei den Sportübertragungen die Nase deutlich vorn. Hauptkonkurrentin Cablecom schaut in die Röhre. Mit ihr die Mehrheit der TV-Zuschauer.

Rainer Rickenbach
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Ein Kameramann des Teleclub im Einsatz in Neuenburg. (Bild: Keystone)

Ein Kameramann des Teleclub im Einsatz in Neuenburg. (Bild: Keystone)

Bei Swisscom TV haben es die sportbegeisterten Fernsehzuschauer bequemer und günstiger. Sie können sich darauf verlassen, bei ihrem Anbieter Woche für Woche sämtliche Meisterschaftsspiele des Schweizer Fussballs und Eishockeys zur Auswahl zu haben. Der Preis pro gemietetes Teleclub-Spiel: 3.50 Franken. 800 000 Fernsehkunden sind nicht zuletzt dank der starken Stellung des Telekom-Riesen im Sportübertragungsgeschäft innerhalb von nur acht Jahren bei Swisscom gelandet. Über die Swisscom-Digitalbox flimmern jährlich rund 3000 Live-Sportanlässe in die Stuben. Das Angebot reicht von Golfturnieren über Formel-1-Rennen bis hin zu FCL und EVZ:

Sportpakete mit Spielfilmen

UPC Cablecom hat mit 1,5 Millionen Kunden – davon nutzen rund 700 000 digitales Fernsehen – zwar die stärkere Marktstellung als Swisscom. Doch beim Sport kann die frühere Kabelfernseh-Monopolistin nicht mithalten. Cablecom- und auch Sunrise-Kunden kommen nämlich nicht umhin, bei Teleclub Sportpakete zu abonnieren. Diese sind aber nur mit einem Grundpaket für 39.90 Franken zu haben. Alles in allem kostet das die sportbegeisterten Cabelcom- und Sunrise-Kunden mindestens 49.80 Franken im Monat. Für den Preis erwerben sie obendrein eine Menge Filme mit, die viele von ihnen gar nicht sehen wollen.

Bei den Schweizer Fussball- und Eishockeymeisterschaften schauen die Sportfans mit Kabelanschluss aber trotzdem oft in die Röhre: Mit dem Teleclub-Sportpaket gibt es nämlich nicht alle Meisterschaftsspiele, sondern nur eine Auswahl zu sehen. Wer also mit dem EV Zug oder dem FC Luzern fiebert, kann an manchen Wochenenden höchstens die Konkurrenten seines Lieblingsvereins live mitverfolgen. Das für fast 50 Franken im Monat – zuschauerfreundlich geht anders. Bei Swisscom können Sportfans die Spieler ihres Lieblingsklubs viermal im Monat für insgesamt 14 Franken live in Aktion sehen, und selbst die Sportpakete schanzt der Teleclub 7 Franken günstiger den Swisscom-Kunden zu.

Wofür zahlen die Kunden?

Dass der Teleclub Swisscom gegenüber deren Mitbewerber so stark bevorzugt, kommt natürlich nicht von ungefähr. Teleclub gehört zu 67 Prozent der Fernseh- und Filmrechtehändlerin Cinetrade AG, an der wiederum die Swisscom mit 49 Prozent beteiligt ist. Den Deal hatte der Telekom-Branchenprimus 2006 eingefädelt und seither die Vormachtstellung seiner TV-Sparte im Sport Schritt für Schritt ausgebaut.

«Wofür sind die Kunden zu zahlen bereit? Für Sport und für Erwachsenenfilme. Swisscom musste als halbstaatliches Unternehmen etwas Sauberes anbieten, entschied sich für Sport-Events und ist damit über Cinetrade äusserst erfolgreich», sagt Serge Rotzer, Analyst bei der Bank Vontobel. Cablecom blieb nicht viel anderes übrig, als auf nackte Haut zu setzen, ein Genre, das freilich im Internet starker Konkurrenz ausgesetzt ist.

Ein Selbstläufer war das Sport-Pay-TV-Programm von Cinetrade und Swisscom freilich nicht. Rotzer: «Das hat zuvor Premiere auf dem Schweizer Markt auch versucht und ist gescheitert. Entscheidend ist in diesem Geschäft der Lokalbezug: Die Walliser wollen den FC Sion sehen, die Innerschweizer den FC Luzern.»

28 Millionen für die Fussballliga

Wenn es um Zahlen geht, üben sich Swisscom und Cinetrade in Geheimniskrämerei. Einschaltquoten, Marktanteile nach Sportarten, Umsätze – kein Kommentar. Einzig der Betrag von 28 Millionen Franken ist bekannt, den Cinetrade für die Übertragungsrechte der Fussball-Meisterschaftsspiele pro Saison überweist. Die Höhe der Vergütung an den Eishockey-Verband gilt ebenfalls als Betriebsgeheimnis.

Dass Sport für Swisscom-TV unter dem Strich ein gewinnbringendes Geschäft ist, daran zweifelt Serge Rotzer nicht. «Es ist wohl eine Mischrechnung. Das exklusive Sportangebot bringt Swisscom neue Kunden. Diese kann der Telekom-Anbieter auch für seine anderen Produkte wie Natel, Festnetztelefonie oder Computeranschluss gewinnen», sagt er.

Der Bank-Analyst erwartet für dieses Jahr «die nächste Schlacht» zwischen Swisscom und Cablecom. Anlass dazu bietet das Verschwinden der Analogkabel. «Viele Fernsehzuschauer sind nun in der Lage, zwischen den beiden grossen TV-Anbietern auszuwählen, ohne grosse Umstellungen an ihrem Fernsehgerät vorzunehmen», erklärt Rotzer. Swisscom habe dabei mit der starken Stellung im Sportgeschäft einen starken Trumpf in der Hand.

Wettbewerbshüter eingeschaltet

Offen ist indes die Frage, ob die Wettbewerbskommission der Swisscom den Trumpf nicht aus der Hand schlagen wird. Denn die Wettbewerbshüter glauben Anzeichen einer marktbeherrschenden Stellung des Duos Swisscom-TV und Cinetrade erkannt zu haben und leiteten vergangene Woche eine Untersuchung ein.

Höchste Zeit, findet man bei Cablecom. Dort ist der Unmut über die Programm- und Preisstrategie von Teleclub und dessen Besitzerinnen schon seit Jahren gross. «Swisscom hat eine Monopolstellung, und die nützt sie voll aus. Die übrigen 2,7 Millionen TV-Haushalte haben aber auch ein Anrecht auf Sport-Direktübertragungen», sagt Cablecom-Sprecher Andreas Werz.

Swisscom-Sprecher Olaf Schulze entgegnet: «Die Sport-Übertragungsrechte werden in der Schweiz wie in anderen Ländern auch für eine bestimmte Zeit vergeben. Cablecom hat in einem fairen Wettbewerb ebenfalls mitgeboten.» Swisscom und Cinetrade verhielten sich beim Vermarkten von Sportinhalten über Pay-TV rechtmässig, das Angebot an Live-Übertragungen sei heute für alle Kunden so breit wie nie zuvor. Auch das Unterjubeln von Spielfilmen an Sportpaket-Abonnenten verteidigt er: «Das ist europaweit üblich. Sonst ist eine Refinanzierung kaum möglich.»