Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

STADLER-FÜHRUNG: Peter Spuhler: «Den Moment nicht verpassen»

Peter Spuhler übergibt 2018 die operative Leitung des Schienenfahrzeugherstellers Stadler an Thomas Ahlburg. Ein verantwortungsvoller Unternehmer müsse diesen Schritt frühzeitig tun, sagt Spuhler.
Thorsten Fischer
Glatte Übergabe: Stadler-CEO Spuhler (links) und Nachfolger Ahlburg am Firmensitz in Bussnang. (Bild: Thi My Lien Nguyen (20. September 2017))

Glatte Übergabe: Stadler-CEO Spuhler (links) und Nachfolger Ahlburg am Firmensitz in Bussnang. (Bild: Thi My Lien Nguyen (20. September 2017))

Interview: Thorsten Fischer

Peter Spuhler, sind Sie nach dem operativen Führungswechsel häufiger oder seltener am Stadler-Hauptsitz in Bussnang anzutreffen?

Weniger, weil ich mein Büro nach Frauenfeld verlegen werde. Dort wird die Kommandozentrale der PCS Holding eingerichtet. Die PCS Holding ist die pri­vate Gesellschaft, welche die Anteile an Stadler und weiteren Firmen hält und die zu 100 Prozent in meinem Besitz ist.

Wie sieht es punkto Auslandreisen aus – werden Sie noch mehr international unterwegs sein?

In etwa gleich wie jetzt. Es kommt natürlich darauf an, wie viel grössere strategische Projekte in der Pipeline sind. Im Moment laufen Verhandlungen für zwei grosse Joint Ventures, und diese werden von mir auch weitergeführt.

Wo sind diese Projekte angesiedelt?

Das eine betrifft Indien, das andere ist vorderhand noch geheim.

Was ist mit dem Vorhaben in den USA?

In den USA bauen wir ein Werk vor Ort, aber dabei handelt es sich nicht um ein Joint Venture, sondern um eine Tochtergesellschaft.

Sie haben die Veränderung bei Stadler am Tag der Bundesratswahl bekannt gegeben. Sofort wurde spekuliert, Sie selbst könnten ein künftiger Bundesrat sein. Wollten Sie indirekt ein politisches Zeichen setzen?

Überhaupt nicht. Der Prozess zum Generationenwechsel bei Stadler wurde bereits vor rund vier Jahren gestartet. Zuerst hat die Division Deutschland den Generationenwechsel vollzogen, als nächstes der Finanzchef, und jetzt bin ich an der Reihe. Dieser Ablauf war von Anfang an so durchgetaktet und fixiert – lange bevor wir wussten, wann die Bundesratswahl ist.

Öffnen sich jetzt unternehmerisch weitere Perspektiven – werden Sie sich verstärkt bei Ihren privaten Beteiligungen engagieren?

Ich bin insgesamt in vier grossen Gesellschaften im Verwaltungsrat, drei davon börsenkotiert: Rieter, Autoneum und Allreal. Hinzu kommt Aebi Schmidt. Dort gibt es noch ein paar Hausaufgaben mit der Integration der zwei neuen Standorte in den USA. An dieser Stelle kann ich mich punktuell durchaus wieder mehr einbringen. Das hatte ich allerdings auch schon zuvor gemacht, wenn es nötig war. Ob es noch ein fünftes Engagement geben wird, ist offen.

Strategisch bleibt auch Stadler weiterhin gefordert. Was sind aus Ihrer Sicht die grössten Aufgaben?

Im Moment versuchen chinesische Anbieter, im Markt Anteile zu gewinnen. Dann gibt es Gerüchte, dass Siemens mit Bombardier fusionieren will. Das würde ich für Stadler eher als Chance denn als Herausforderung sehen. Denn nach solchen Fusionen sind Konzerne bekanntlich vor allem mit sich selber beschäftigt. Generell muss ein Unternehmen natürlich stets die strategische Produktentwicklung im Auge haben und technologisch an der Spitze bleiben. Und es gibt Ideen für einzelne Übernahmen, um bestimmte Lücken zu schliessen.

Das wird Ihren Nachfolger zum Teil auch beschäftigen. Hatten Sie Thomas Ahlburg vor ein paar Jahren bereits mit dem Gedanken ins Unternehmen geholt, ihm operative Aufgaben zu übertragen?

Ich hatte es nicht ausgeschlossen. Der Verwaltungsrat achtete stets darauf, dass wir Kandidaten ins Unternehmen holten, bei denen man sich später höhere Führungsfunktionen vorstellen konnte.

Und Thomas Ahlburg hat sich offensichtlich bewährt?

Ja, absolut.

Wie gut wird der Wechsel gelingen? Sie haben die heutige Stadler aufgebaut und werden auch von aussen mit ihr stark identifiziert. Fällt es Ihnen leicht, einen Teil der Verantwortung abzugeben?

Als Unternehmer fällt es einem immer schwer, ein Kind, das man 30 Jahre gehegt und gepflegt hat, teilweise in neue Hände zu geben. Ein verantwortungsvoller Unternehmer muss diese Herausforderung aber frühzeitig angehen. Das bringt die Zeit mit sich – auch ein Peter Spuhler wird älter. Man darf den richtigen Moment nicht verpassen, den Generationenwechsel zu vollziehen. Es gibt genügend andere Beispiele, wo dies nicht gelang, weil man zu lange wartete. Oder anders gesagt: Man soll die Party verlassen, wenn die Musik noch spielt.

Sind nach der Veränderung in der Führung auch Wechsel in den Besitzverhältnissen vorgesehen – bis hin zum Gesamtverkauf der Stadler?

Nein. Was es sicher nicht geben wird, ist ein Gesamtverkauf. Ein Börsengang ist, wie ich schon früher erwähnt habe, eine mögliche Option, doch im Moment ist nichts geplant. 80 Prozent der Stadler-Aktien kontrolliere nach wie vor ich, 10AABB22Prozent hält die deutsche RAG-Stiftung, weitere 10 Prozent gehören gut 160 Kadermitarbeitern von Stadler.

Wie haben die Mitarbeitenden auf den Wechsel reagiert?

Gut und verständnisvoll. Ich ziehe mich ja auch nicht komplett zurück, sondern gebe einen Teil der bisherigen Verantwortung ab. Irgendwann kommt eben dieser Moment – lieber ein paar Jahre früher als zu spät.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.