Stadler kommt in England an

Nach dem Grossauftrag im Silicon Valley steht Stadler Rail vor einer weiteren bedeutenden Order in einem neuen geografischen Markt: Grossbritannien.

Thomas Griesser Kym
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BUSSNANG. Die Bahngesellschaft Abellio kauft beim Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail insgesamt 58 Triebzüge des Typs Flirt. Laut einem Bericht des Branchenblatts «Railway Gazette» wird Abellio mit diesen Flirt sowie mit 111 neuen Zügen des Stadler-Konkurrenten Bombardier die ganze Flotte auf ihrem Netz im Norden und Osten Londons ersetzen. Dies, nachdem das britische Transportministerium Abellio kürzlich zum bevorzugten Bieter für die neue East-Anglia-Franchise erkoren hat. Diese hat eine Laufzeit von Oktober 2016 bis Oktober 2025 und folgt auf die Greater-Anglia-Franchise, die ebenfalls von Abellio gehalten wird.

Der Ersatz des veralteten Rollmaterials tut offensichtlich not. In Internetforen beklagen sich viele Bahnkunden und Fachleute über mangelhaften Service, Zugausfälle, Verspätungen usw. Deshalb wird Abellio auch viele der alten Züge auffrischen, bevor sie das neue Rollmaterial einsetzen kann. Stadlers Züge sollen 2019 in Betrieb gehen, jene Bombardiers 2020. Sie sollen dann zuverlässigere und schnellere Verbindungen ermöglichen mit höheren Frequenzen und einem grösseren Sitzplatzangebot als heute.

Intercity- und Regionalverkehr

Der Auftrag für Stadler Rail teilt sich in je zehn elektrische Flirt für den Intercity-Verkehr zwischen dem Londoner Bahnhof Liverpool Street und Norwich via Ipswich sowie für die Verbindung von Liverpool Street zum Flughafen Stanstead. Hinzu kommen 24 vierteilige und 14 dreiteilige dieselelektrische Flirt für den Regionalverkehr im Nordosten Londons. Die Bombardier-Züge, die der kanadische Konzern in seinem englischen Werk in Derby herstellt, sind für den Vorortverkehr bestimmt.

Eine Handvoll Trams

Das Investitionsprogramm ist 1,4 Mrd. £ (1,8 Mrd. Fr.) schwer. Davon entfallen 900 Mio. £ auf die Bombardier-Züge. Die übrigen 500 Mio. £ teilen sich die Stadler-Züge, die Modernisierung des alten Rollmaterials sowie Investitionen von 180 Mio. £ in Bahnhöfe und Depots.

Mit dem Auftrag gelingt Stadler ein weiterer grosser Schritt in einem neuen Markt. Bisher hatte Peter Spuhlers Firma auf der Insel erst Aufträge für sechs Trams in London (2011) und, im März, für 17 führerlose Metrozüge in Glasgow erhalten. Mit dem Abellio-Auftrag setzt Stadler erstmals einen Fuss auf Hauptverkehrslinien im britischen Bahnsektor. Stadler will sich erst nach Unterzeichnung des Vertrags äussern.