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STAGNATION: Abgebremst: Elektroautos kommen nicht vom Fleck

Der rasante Aufschwung bei den neu zugelassenen Elektroautos hat sich im vergangenen Jahr jäh verlangsamt. Politiker und der Interessenverband Swiss E-Mobility fordern nun mehr Engagement vom Bund.
Der Saft ist draussen: Die Elektroautos warten auf Käufer. (Bild: Javier Larrea / Getty Images (9.2.2017))

Der Saft ist draussen: Die Elektroautos warten auf Käufer. (Bild: Javier Larrea / Getty Images (9.2.2017))

Michel Burtscher

Elektroautos sind derzeit zwar in aller Munde, auf den Schweizer Strassen jedoch sind sie noch immer selten anzutreffen. Das zeigt die Statistik zum Fahrzeugbestand, die der Bund vergangene Woche veröffentlicht hat. Nur gerade 10700 Elektroautos waren demnach im vergangenen Jahr auf den hiesigen Strassen zugelassen – bei insgesamt über 4,5 Millionen Personenwagen. Die Anzahl neuer Zulassungen für Elektroautos hat im Vergleich zum Vorjahr gemäss Zahlen von Auto Schweiz, der Vereinigung der Automobilimporteure, gar stagniert. 2015 wurden 3257 neue Elektroautos zugelassen, 2016 waren es 3295. Zuvor war die Zahl von Jahr zu Jahr stark gestiegen.

Ist der Trend zum Elektroauto also vorbei, bevor er überhaupt richtig begonnen hat? «Definitiv nicht», sagt Krispin Romang, stellvertretender Geschäftsführer des Interessenverbandes Swiss E-Mobility. «2016 kamen in der Schweiz weniger neue Produkte auf den Markt», erklärt Romang die stagnierende Nachfrage. Zudem seien für die Jahre 2018 und 2019 neue Elektrofahrzeuge angekündigt worden, die über mehr Reichweite verfügen als jene der jetzigen Generation. «Es gibt viele potenzielle Kunden für Elektroautos, die nun zuwarten», sagt Romang. Hinzu kommt, dass heutige Modelle vor allem im Luxussegment zu finden sind. In den nächsten Jahren dürften die Hersteller aber auch mehr günstige Modelle auf den Markt bringen. Ähnlich äussert sich Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft der Universität Duisburg-Essen (siehe Interview unten). Für Krispin Romang ist klar: «Die Zukunft gehört den Elektrofahrzeugen.»

Prämien sind in der Schweiz kein Thema

In gewissen europäischen Staaten hilft der Staat grosszügig nach, um den Elektroautos den Weg zu ebnen. Wer beispielsweise in Deutschland ein Elektroauto kauft, profitiert seit vergangenem Jahr von einer Prämie von 4000 Euro. Eine solche Art der Förderung ist in der Schweiz im Moment kein Thema – und politisch wohl auch nicht realistisch. Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, sagt: «Eine Prämie wie in Deutschland ist hierzulande gar nicht nötig.» Elektroautos seien in der Schweiz auch so weiter verbreitet als in Deutschland, betont er. Wann Elektroautos aber wirklich etabliert sein werden, ist für Burgener schwierig abzuschätzen: «Wenn die Voraussetzungen stimmen, dann ist es möglich, dass Elektroautos 2030 einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent erreichen» Die Technologie müsse sich zuerst einfach noch durchsetzen. Schon heute bietet der Staat finanzielle Erleichterungen für Elektroautos: So erlässt der Bund für diese die Automobilimportsteuer. Zudem gewähren gewisse Kantone Rabatte auf die Motorfahrzeugsteuer für sparsame und emissionsarme Autos, zu denen die Elektroautos zählen. Swiss E-Mobility fordert trotzdem mehr Engagement vom Bund. Romang denkt etwa an die Möglichkeit einer schweizweiten Lenkungsabgabe: Beim Kauf von Neuwagen würden demnach umweltschonende Autos vergünstigt und im Gegenzug umweltbelastende Autos verteuert. «Ein solches Bonus-Malus-System hätte den Vorteil, dass keine öffentlichen Mittel eingesetzt würden und trotzdem ein Kaufanreiz entstünde», sagt Romang.

Einen ähnlichen Vorschlag hatte der Berner GLP-Nationalrat Jürg Grossen vor ein paar Jahren bei den Diskussionen im Parlament über die Energiestrategie 2050 eingebracht - er hatte mit seinem Einzelantrag jedoch keine Chance. Für ihn ist klar: «Es braucht bei den Elektroautos eine Anschubhilfe, weil es eine neue Technologie ist.» Er denkt beispielsweise an Informationskampagnen. Gleichzeitig betont Grossen aber auch, dass die Sensibilität gegenüber der Elektromobilität in den vergangenen Jahren in der Politik, in der Branche und auch in der Gesellschaft zugenommen habe. Sehr wichtig für deren Erfolg sind laut dem Nationalrat, der selber seit mehreren Jahren ein Elektroauto – einen Nissan Leaf – fährt, zudem genügend Ladeorte für Elektrofahrzeuge. Dem stimmt Krispin Romang zu, sagt aber auch: «Die Schweiz hat hier deutlich aufgeholt in den letzten Jahren.» Elektromobilität sei heute absolut alltagstauglich.

Mit dem NAF kommt eine neue Abgabe

Romang vermisst aber vor allem auch ein politisches Bekenntnis zur Elektromobilität. Die Politik geht zum Teil sogar in die andere Richtung. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden beispielsweise überlegt sich, die Förderung von Elektroautos abzuschaffen. Im Rahmen des Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF), über den das Stimmvolk am Sonntag abstimmt, ist zudem ab 2020 eine Abgabe für Elektroautos vorgesehen. «Grundsätzlich sind wir dafür, dass sich auch die Fahrer von Elektrofahrzeugen an der Finanzierung der Infrastruktur beteiligen», sagt Romang. Er findet jedoch, dass die Einführung einer solchen Abgabe nicht an ein spezifisches Jahr gebunden sein sollte, sondern sich nach der Marktdurchdringung der Elektrofahrzeuge richten sollte. Ähnlich äussert sich Politiker Grossen: «Es ist falsch, eine aufstrebende Technologie mit einer solchen Abgabe zu belegen.»

Ganz grundsätzlich gegen jegliche Förderung von Elektrofahrzeugen ist der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann. «Fahrer von Elektroautos werden bereits heute bevorzugt, weil sie keine Treibstoffabgabe zahlen müssen und sich somit auch nicht an der Finanzierung der Infrastruktur beteiligen.» Er sei keineswegs gegen neue Technologien, betont Wobmann. Für ihn müssen jedoch alle Arten von Autos gleich behandelt werden – egal, mit welcher Technologie sie angetrieben werden.

Bild: Grafik sgt

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