STAHLINDUSTRIE: «Das ist eine bösartige Taktik»

Der Präsident des Verwaltungsrates der Schmolz + Bickenbach AG, Hans-Peter Zehnder, will die Kapitalerhöhung durchsetzen. Trotz 16-Stunden-Tagen verliert er offenbar nicht die Ruhe.

Interview Lukas Scharpf
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Hat er den Machtkampf jetzt verloren? Der Präsident des Verwaltungsrates der Schmolz + Bickenbach AG, Hans-Peter Zehnder, hat derzeit einen schweren Stand. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Hat er den Machtkampf jetzt verloren? Der Präsident des Verwaltungsrates der Schmolz + Bickenbach AG, Hans-Peter Zehnder, hat derzeit einen schweren Stand. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Hans-Peter Zehnder, nach der Generalversammlung galten Sie als Sieger im Machtkampf mit dem ehemaligen Hauptaktionär, der KG und der Renova. Es folgte der Aktienkauf der Renova und die Blockierung der Kapitalerhöhung. Was ist jetzt Ihre Strategie?

Hans-Peter Zehnder: Wir werden mit allen Rechtsmitteln versuchen, die Sperre so rasch wie möglich aufzuheben. Das hat oberste Priorität. Dann wollen wir die Kapitalerhöhung realisieren.

Ist der Beschluss der GV dazu gültig?

Zehnder: Die Aktionäre haben die Kapitalerhöhung am Freitag gültig beschlossen. Wir müssen diese nach Gesetz innert dreier Monate durchziehen. Für mich ist die Sperre durch die Familienaktionäre eine bösartige Verhinderungstaktik.

Was geschieht nun?

Zehnder:Es gibt ein Anhörungsverfahren. Wir und die KG werden unsere Argumente darlegen, und der Richter wird dann entscheiden, ob die Sperre gerechtfertigt ist. Aktuell ist die Sperre formell kein materieller Entscheid.

Sollten Sie gewinnen, wann wird die Sperre frühestens aufgehoben?

Zehnder:Die Frist für die Stellungnahmen der KG beträgt zehn Tage. Danach erhalten wir eine Frist, um zu antworten. Nach unserer Stellungnahme dauert es zwei Wochen, bis ein Urteil gefällt ist.

Welcher Schaden entsteht? Sie haben in Ihrer Stellungnahme Schadenersatzforderungen gegen die Renova und die KG nicht ausgeschlossen.

Zehnder:Es hängt davon ab, wie lange es dauert. Die jetzige Unsicherheit schadet sehr. Es betrifft die Aktionäre, unsere Kunden, die Kreditgeber und die Mitarbeiter. Es ist unakzeptabel, dass wir uns nicht endlich auf unser eigentliches Geschäft und voll auf unsere Arbeit konzentrieren können.

Mit der Kapitalerhöhung sollte auch die Zinslast sinken.

Zehnder:Genau. 194 Millionen Franken würden direkt an die Gläubigerbanken gehen. In dem Sinn entsteht auch ein Schaden durch nicht eingesparte Zinsen, wenn wir die Kapitalerhöhung nicht wie geplant durchführen können.

Besteht die Gefahr, dass der Investor Michael Pieper abspringt?

Zehnder:Ich habe nur am Freitag kurz mit ihm gesprochen. Er war vom Schritt der Renova genauso überrascht wie wir.

Gibt es im Moment einen Kontakt zwischen Ihnen und der Renova?

Zehnder:Es gibt keinen Kontakt.

Können Sie sich vorstellen, warum man nicht mit Ihnen reden will?

Zehnder:Ich weiss es nicht. Die Obstruktionspolitik der KG und der Renova ist für mich völlig unverständlich. Denn die jetzige Situation ist definitiv nicht im Sinn der Gesellschaft und der Aktionäre.

Die Renova hat der KG weniger als den aktuellen Marktwert der Aktie bezahlt. Können Sie sich vorstellen, warum sich die Familieneigentümer auf so einen Schnäppchenpreis einlassen?

Zehnder: Es ist aussergewöhnlich, dass man etwas 20 Prozent unter dem Marktwert verkauft. Ich denke, dass mehr dahintersteckt. Aber Gerüchte will ich nicht kommentieren. Ein Sprecher der Renova gab zu, dass sie Beraterhonorare für die KG übernommen hat. Da stellt sich die Frage, in welchem Interesse die Berater arbeiten. Im Interesse der KG oder der Renova.

Sie leiten die Geschäfte Ihrer KMU, der Zehndergroup. Verwaltungsratspräsident sind Sie eigentlich im Nebenamt. Wie bringen Sie alles unter einen Hut?

Zehnder: Nur durch entsprechende Abstriche in der Freizeit. In den letzten Wochen waren Arbeitstage von 15 oder 16 Stunden die Regel und nicht die Ausnahme. Es ist eine riesige Belastung. Auch am Wochenende. Aber wir haben eine ausserordentliche Situation. Da muss man auch ausserordentlichen Einsatz leisten.

In den vergangenen Wochen wurden Sie auch persönlich angegriffen. Geht Ihnen das nahe?

Zehnder:Ich habe die Ruhe nicht verloren, denn ich bin überzeugt, dass ich keine Fehler gemacht habe. Bei einem Machtkampf wie diesem, da gehört es dazu, dass auch auf den Mann gespielt wird. Das Einzige, was mich persönlich getroffen hat, war die Anschuldigung des Anlagebetrugs in der Anzeige der Renova vom letzten Donnerstag.

Sie wurden falsch zitiert, dass Sie bei einer kommenden ausserordentlichen GV nicht mehr antreten werden.

Zehnder: Sollten die Renova und die KG eine ausserordentliche Generalversammlung beantragen, an der die beiden ihre Anträge mit einer Stimmenmehrheit durchbringen, werde ich mein Amt zur Verfügung stellen.