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STANDORTINITIATIVE: Aderlass bei Digital Switzerland

Erst im letzten Herbst ist Tamedia dem von Bundesrat und Wirtschaft unterstützten Verein ­Digital Switzerland beigetreten. Nun ist der Konzern kurz vor dem ersten Highlight ausgestiegen.
Maurizio Minetti
Digital-Switzerland-Initiant und Ringier-CEO Marc Walder (im Vordergrund) mit Tamedia-Chef Christoph Tonini (im Hintergrund) an einem Podiumsgespräch am Swiss Media Forum in Luzern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (9. Mai 2014))

Digital-Switzerland-Initiant und Ringier-CEO Marc Walder (im Vordergrund) mit Tamedia-Chef Christoph Tonini (im Hintergrund) an einem Podiumsgespräch am Swiss Media Forum in Luzern. (Bild: Alexandra Wey/Keystone (9. Mai 2014))

Maurizio Minetti

Die Vorbereitungen für den ersten Schweizer Digitaltag laufen auf Hochtouren. Landesweit soll am 21. November mit über 80 Veranstaltungen gezeigt werden, wie die digitale Revolution das Leben verändert. Dutzende renommierte Unternehmen und Organisationen machen mit; etwa ABB, Google, CS und UBS, Migros und Coop, SBB, Post und Swisscom oder auch die ETH ­Zürich. Das Patronat haben Bundespräsidentin Doris Leuthard und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann. Federführend ist der Verein Digital Switzerland, der vor zwei Jahren von Ringier-CEO Marc Walder lanciert wurde (siehe Box).

Nicht mit von der Partie ist allerdings Tamedia. Das Zürcher Verlagshaus ist nämlich still und leise diesen Sommer aus dem Verein Digital Switzerland ausgetreten. Dies bestätigen beide Parteien auf Anfrage. Daniel Scherrer, Sprecher der Initiative, äussert sein Bedauern, ohne aber zu den Gründen Stellung zu nehmen. Neben Tamedia habe es bisher keine weiteren Austritte gegeben: «Wir verzeichnen nach wie vor steigende Mitglieder­zahlen», sagt Scherrer.

«Als Nichtmitglied glaubwürdiger»

Welche Gründe zum Austritt von Tamedia geführt haben, bleibt unklar. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer sagt lediglich: «Wir sind zur Überzeugung gelangt, dass wir als Medienhaus die Debatte um die Vor- und Nachteile der Digitalisierung als Nicht-Mitglied glaubwürdiger und besser begleiten können.» Der Sprecher gibt zu verstehen, dass man weiterhin das Ziel unterstütze, «unser Land als Standort für digitale Unternehmen zu stärken.» Deshalb setze sich Tamedia weiterhin für gute Rahmenbedingungen für digitale Unternehmen ein.

Finanzielle Überlegungen hätten keine Rolle gespielt, versichert der Tamedia-Sprecher. Die Mitgliedskosten bei Digital Switzerland sind abgestuft nach Umsatz und befinden sich laut dem Sprecher der Initiative im «tieferen bis mittleren fünfstelligen ­Bereich.» Für einen Milliardenkonzern wie Tamedia ist das in der Tat vernachlässigbar. Auch die Auseinandersetzung zwischen Tamedia und Ringier um Admeira soll keine Rolle gespielt haben, sagt der Sprecher. Zur ­Erinnerung: Ringier, SRG und Swisscom haben unter dem Namen Ad­meira eine gemeinsame Vermarktungsfirma gegründet, was Verleger wie Tamedia-Chef Pietro Supino stark kritisieren.

Der Austritt von Tamedia aus Digital Switzerland erstaunt insofern, als der Konzern erst im Herbst 2016 der Initiative beigetreten war. «Tamedia unterstützt die Initiative finanziell und bringt ihr Know-how ein», hiess es damals in einer Mitteilung. Tamedia-CEO Christoph Tonini sprach von einer «hervorragenden Initiative, die in kurzer Zeit schon viel erreicht hat.» Es sei jetzt «der richtige Zeitpunkt, die Initiative tatkräftig zu unterstützen. Darauf freuen wir uns, denn beste Rahmenbedingungen für digitale Unternehmen sind mir auch persönlich ein grosses Anliegen.»

Tamedia ist mit Plattformen wie Jobs.ch, Homegate.ch Ricardo.ch oder Tutti.ch sowie den publizistischen Digitalangeboten ein digitales Schwergewicht in der Schweiz. In anderen Worten: ­Tamedia ist die reichweiten- und umsatzstärkste digitale Mediengruppe der Schweiz, die digital vier von fünf Schweizern erreicht.

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