Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Standortqualität: Zug überholt Basel-Stadt erneut

Mit der jährlichen Standortqualitätsanalyse misst die Credit Suisse die Attraktivität der Schweizer Kantone aus Unternehmersicht. Dieses Jahr kam es erneut zu einem Wechsel an der Spitze. Und Genf rückt näher an Zürich heran.

Maurizio Minetti
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«Stillstand kann Rückschritt bedeuten», sagt Jan Schüpbach. Der Ökonom verantwortet bei der Credit Suisse die jährliche Studie zur Standortqualität der Kantone. Die aktuelle Ausgabe zeigt, dass Kantone an Boden verlieren können, wenn sie selber ihre Firmensteuern unangetastet lassen, während andere ihre Gewinnsteuersätze senken. «Das ist zum Beispiel in Ob- und Nidwalden der Fall, die deswegen je zwei Plätze verloren haben», erklärt Schüpbach. Nidwalden habe zwar Ende September eine Senkung der Gewinnsteuern beschlossen, doch dieser Entscheid werde erst Anfang 2021 umgesetzt. Auf der anderen Seite haben die diesjährigen Aufsteiger Genf und Freiburg die steuerliche Attraktivität für juristische Personen deutlich verbessert.

An der Spitze des Rankings ist es dieses Jahr wie erwartet zu einem Wechsel bekommen. Nachdem Basel-Stadt vor einem Jahr Zug überholen konnte, eroberte der Zentralschweizer Kanton die Spitzenposition wieder zurück. Nach Zug und Basel-Stadt folgen Zürich, Genf und Aargau (siehe Grafik). Im vom Kanton Luzern angeführten Mittelfeld können Basel-Landschaft, Schaffhausen sowie Solothurn jeweils zwei Ränge gutmachen. Mit dem zweitgrössten Ranggewinn – ganze fünf Ränge – verbessert sich der Kanton Freiburg näher in Richtung Mittelfeld. Am Ende der Rangliste kam es nach Jahren der Stabilität zu einem Rangwechsel: Aufgrund leichter Verbesserungen, vor allem bei der steuerlichen Attraktivität für Firmen, verweist der Kanton Jura das Wallis auf den Schlussrang des diesjährigen Standortqualitätsindikators.

Bereits vor einem Jahr war absehbar, dass Basel-Stadt die Nummer-eins-Position wieder verlieren würde, denn Zugs Steuersenkungen waren schon damals beschlossen, aber noch nicht umgesetzt. «So viel Grandezza haben wir schon, dass wir den Baslern mal den Platz eins gönnen würden. Der Kanton hat gut gearbeitet», liess sich der Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler damals zitieren. Am Dienstag sagte Tännler nun: «Das aktuelle Ergebnis zeigt, dass der Kanton Zug wie erwartet äusserst solid unterwegs ist.» Der Vorsprung des Kantons Zug auf Basel-Stadt ist allerdings minim, wie das aktuelle Ranking zeigt.

Attraktivität der Unternehmensstandorte: Zug ist wieder an der Spitze.

Attraktivität der Unternehmensstandorte: Zug ist wieder an der Spitze.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 1. Juli 2015)

Coronakrise hat vorerst keinen Einfluss

Schaut man nur den Faktor Steuern an, folgen hinter Zug die Kantone Appenzell Innerrhoden, Nidwalden und Obwalden. Nach erfolgten Steuersenkungen bieten aber auch zahlreiche weitere Kantone ebenfalls attraktive Unternehmenssteuern – der relative Vorteil tiefer Unternehmenssteuern hat daher abgenommen.

Die Steuern sind zwar ein wichtiger Faktor bei der Standortattraktivität, aber die Credit Suisse berücksichtigt eben auch Faktoren wie die Erreichbarkeit – gemeint ist vor allem die Verkehrsanbindung – sowie die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Die Bereiche Steuerattraktivität, Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitnehmer sowie Erreichbarkeit werden laut Credit Suisse je zu etwa einem Drittel gewichtet. Mit den Anpassungen der Unternehmenssteuern sei das Feld in den letzten Jahren näher zusammengerückt. «Die Unterschiede sind nicht mehr so gross wie früher», sagt Studienautor Jan Schüpbach. Die beiden anderen Faktoren – Erreichbarkeit und Fachkräfte-Verfügbarkeit – dürften in den kommenden Jahren deshalb wichtiger werden.

Die Coronakrise hat auf die Studie vorerst keinen Einfluss. «Der Standortqualitätsindikator gilt als Wegweiser für Unternehmen und Unternehmer, die verschiedene Standorte evaluieren. Der Zeithorizont liegt bei drei bis fünf Jahren», so Schüpbach. Die aktuelle Coronakrise spiele im Ranking deshalb kaum eine Rolle, es könne aber sein, dass – falls die Krise längerfristige Folgen auf die Konjunktur haben wird, wonach es aktuell aussieht – das Ranking in Zukunft davon betroffen sein werde. «Vorstellbar ist, dass gewisse Kantone aus wirtschaftlichen Gründen ihre Steuerpolitik verändern. Das würde dann wieder zu Verschiebungen führen», so Schüpbach.

Änderungen an der Steuerpolitik haben den grössten Einfluss auf die Standortattraktivität. Hier haben die Kantone auch am meisten Spielraum. «Es ist kostspielig und langwierig, die Erreichbarkeit zu verbessern. Und auch die Verfügbarkeit von Fachkräften lässt sich von den Kantonen nur geringfügig steuern», sagt Schüpbach. Weil die meisten Kantone im Zuge der letzten Firmensteuerreform (Staf) ihre Hausaufgaben gemacht hätten, erwartet er in den kommenden Jahren abgesehen von den Unsicherheiten im Zusammenhang Corona keine grossen Veränderungen mehr. «Zug und Basel-Stadt werden mittelfristig an der Spitzenposition bleiben», wagt er einen Ausblick.

Die Credit-Suisse-Studie «Standortqualität: Zug knapp vor Basel-Stadt, Genf rückt nahe an Zürich» finden Sie hier auf Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch.