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STANS: Grossauftrag steht auf dem Spiel

Der Stanser Flugzeughersteller Pilatus muss um einen lukrativen Deal mit der indischen Luftwaffe zittern. Nationalisten spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Maurizio Minetti
Das Trainingsflugzeug PC-7 MkII der indischen Luftwaffe bei Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen. (Bild: PD/Pilatus Flugzeugwerke AG)

Das Trainingsflugzeug PC-7 MkII der indischen Luftwaffe bei Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen. (Bild: PD/Pilatus Flugzeugwerke AG)

Maurizio Minetti

Eine neue politische Ära versprach der indische Regierungschef Narendra Modi, als er vor zwei Jahren ins Amt gewählt wurde. Der bekennende Hindu-Nationalist verbreitete den Slogan «Make in India»: Künftig sollte die einheimische Produktion ausgebaut werden, Importe sind möglichst zu vermeiden. So will Modi das Handelsbilanzdefizit reduzieren und pro Monat eine Million Jobs schaffen. Dieser Fokus auf einheimische Produktion könnte nun dem Stanser Flugzeughersteller Pilatus zum Verhängnis werden.

Einheimische Konkurrenz

Rückblende: Im Mai 2012 hatte Pilatus nach einer mehrjährigen Evaluationszeit endlich den Fisch an Land gezogen. Für 577 Millionen Franken konnten die Stanser Flugzeugwerke der indischen Luftwaffe 75 Trainingsflugzeuge vom Typ PC-7 Mk II liefern. Es war einer der grössten Deals in der Firmengeschichte. Pilatus lieferte die Flugzeuge in den folgenden Jahren aus.

Gleichzeitig begann der staatliche Flugzeughersteller Hindustan Aeronautics (HAL) mit der Entwicklung eines Trainingsflugzeugs, das als direkte Konkurrenz zum PC-7 aus Stans gilt. Mit dem Aufkommen der Nationalisten Anfang 2014 wurde der Ruf immer lauter, die einheimische Industrie zu stärken und auf ausländische Flugzeuge zu verzichten. Das Problem ist jedoch: Der Flieger von HAL absolvierte erst vor zehn Tagen seinen Erstflug. Es wird wohl noch zwei bis drei Jahre dauern, bis der indische Trainer serienreif produziert werden kann.

Umstrittene Zahlung

Nun plant die indische Luftwaffe, eine Option des Pilatus-Auftrages aus dem Jahr 2012 einzulösen. Es geht um die Lieferung von 38 weiteren PC-7 von Pilatus. In der Luftfahrtbranche wird der Wert dieses potenziellen Deals auf rund 300 Millionen Franken geschätzt. Den Grundsatzentscheid für Pilatus hat das indische Verteidigungsministerium bereits gefällt. In Stans war man bis vor wenigen Wochen deshalb zuversichtlich, diesen Deal bis Ende Jahr abschliessen zu können. Doch nun steht dieser Folge-Auftrag auf der Kippe.

Erst jetzt ist nämlich bekannt geworden, dass Pilatus einem indischen Mittelsmann im Jahr 2010 eine Million Franken übermittelt haben soll. Was die Gegenleistung dafür war, ist unklar. Der Vorwurf lautet, dass sich Pilatus mit dieser Zahlung den lukrativen PC-7-Auftrag aus dem Jahr 2012 gesichert haben könnte. Andererseits könnte es sich auch um ein legitimes Kompensationsgeschäft handeln. Indische Behörden untersuchen nun die Zahlung.

Spiel auf Zeit

«Dass diese Vorwürfe ausgerechnet jetzt aufs Tapet kommen, ist wohl kein Zufall. Man versucht, Pilatus etwas in die Schuhe zu schieben, um einen Vorwand zu haben, den Auftrag für die 38 Trainingsflugzeuge dem indischen Konkurrenten zu geben», sagt ein langjähriger Beobachter der Luftfahrtbranche, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Dass der Deal platzen könnte, ist durchaus möglich. Es ist noch nicht lange her, da hat das indische Verteidigungsministerium einen bereits abgeschlossenen Vertrag über den Kauf von Helikoptern aus Italien und Grossbritannien mit dem Hinweis auf Korruption einseitig aufgelöst. Erste Exemplare waren sogar schon gebaut.

Da der indische Hersteller HAL allerdings nicht so schnell 38 Trainingsflugzeuge liefern kann, gehen Beobachter davon aus, dass die Nationalisten auf Zeit spielen. Das heisst, der Deal könnte so lange blockiert werden, bis die einheimischen Flieger produziert werden können.

«Politischer Machtkampf»

Was würde dies für den Produktionsstandort Stans bedeuten? Schliesslich sind nach dem Grossauftrag aus Australien über 49 PC-21-Flieger im vergangenen Dezember momentan keine grösseren Flottenaufträge in Sicht. «Eine Verschiebung des Indien-Geschäfts kann Pilatus empfindlich treffen und müsste mit dem Zivilflugzeuggeschäft kompensiert werden können», sagt Jérôme Zbinden, Assistent von Pilatus-Verwaltungsratspräsident Oscar J. Schwenk. Dabei würde Pilatus zum Beispiel PC-12-Komponenten für zukünftige Geschäfte vorproduzieren, obwohl noch kein Endkunde vorhanden ist. Das Ausbleiben des Indien-Auftrags hätte dennoch laut dem Unternehmen «eine erhebliche finanzielle Einbusse für Pilatus zur Folge».

In Bezug auf die Vorwürfe aus Indien spricht Pilatus von einem «politischen Machtkampf zwischen den Regierungs- und Oppositionsparteien, welcher primär in den Medien ausgetragen und in welchen Pilatus aktuell in ungerechtfertigter Weise hineingezogen wird». Pilatus werde sich nicht zu den «nicht belegten Anschuldigungen» äussern, welche im Übrigen auch nicht primär die Pilatus Flugzeugwerke AG beträfen, sondern einen indischen Geschäftsmann, so Zbinden.

Ursprünglich machten sich die Stanser berechtigte Hoffnungen, nach den 75 PC-7 weitere 106 Trainingsflugzeuge nach Indien liefern zu können, die zum Teil dort in Lizenz produziert worden wären. 2013 hatte der damalige Luftwaffenchef vom damaligen Verteidigungsminister noch gefordert, das einheimische Projekt zu stoppen. Mittlerweile hat die Führung gewechselt. Den Auftrag für 68 Trainer hat das indische Verteidigungsministerium mittlerweile vorläufig vergeben – an den staatlichen Hersteller HAL.

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